Der ehemalige Bahnhof Dölau in Halle.
Der stellgelegte Bahnhof in Halle-Dölau soll wieder für den Zugverkehr genutzt werden, wenn es nach Verkehrsverbänden geht. Bildrechte: dpa

Verband Deutscher Verkehrsunternehmen Diese stillgelegten Bahnstrecken wollen Verkehrsverbände reaktivieren

Zwei Verkehrsverbände sprechen sich dafür aus, stillgelegte Bahnstrecken – auch in Sachsen-Anhalt – zu reaktivieren. Das würde den Personenverkehr verbessern, heißt es. Ein Überblick, um welche Strecken es geht.

Der ehemalige Bahnhof Dölau in Halle.
Der stellgelegte Bahnhof in Halle-Dölau soll wieder für den Zugverkehr genutzt werden, wenn es nach Verkehrsverbänden geht. Bildrechte: dpa

Etwas mehr als 100 Kilometer stillgelegte Bahnstrecken lassen sich aus Sicht zweier Verkehrsverbände ohne allzu großen Aufwand in Sachsen-Anhalt reaktivieren. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen und Allianz pro Schiene teilten am Montag in Berlin mit, dass das den Personenverkehr der Bahn verbessern würde. Denn so könnten zahlreiche Lücken im Schienennetz geschlossen werden.

Sieben Verbindungen sollen wieder befahren werden

In Sachsen-Anhalt liegen die Abschnitte, die wieder für Personenverkehr genutzt werden sollen, zwischen Barby und Güterglück sowie innerstädtisch zwischen Halle-Nietleben und Halle-Dölau und Naumburg-Ost und Naumburg-Kaufland. Die Verbindung Klostermansfeld und Wippra, die derzeit nur an Wochenenden bedient wird, soll stärker befahren werden. Damit soll die vom öffentlichen Nahverkehr unterversorgte Region besser erschlossen werden, so die Verkehrsverbände.

Verbindungen über die Landesgrenze hinweg stehen ebenfalls auf der Liste der Verbände, genauer die Strecke Merseburg – Leipzig. Außerdem soll die Verbindung von Naumburg nach Wangen bei Nebra bis nach Artern in Thüringen weitergeführt werden. Eine weitere Verbindung ist die zwischen den thüringischen Orten Großheringen und Buttstädt. Diese Strecke verläuft direkt entlang der Landesgrenze von Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Bundesweit machten die Verkehrsverbände mehr als 3.000 Kilometer aus, die in den vergangenen Jahrzehnten stillgelegt wurden und bei denen es sich lohne, sie wieder in Betrieb zu nehmen. Die Abschnitte sind zwischen einem und 60 Kilometer lang und vor allem für den Personenverkehr gedacht. Auch Güterverkehrsstrecken sind dabei. Nähme man die alle wieder in Betrieb, ließe sich das gesamte deutsche Schienennetz um acht Prozent erweitern, sagte ein VDV-Sprecher.

Schiene soll gestärkt werden  

Nicht mehr genutzte Bahnstrecken wieder in Betrieb zu nehmen, könnte ein Schritt zur Umsetzung des Projekts "Deutschland-Takt" sein, mit dem das Bundesverkehrsministerium die Schiene stärken will. Für Bahnreisende soll in den nächsten Jahren ein grundlegend neues System mit besser abgestimmten Umsteige-Verbindungen aufgebaut werden. Das Zugfahren soll so pünktlicher und schneller werden, das Erreichen der Anschlüsse direkter und verlässlicher.

NASA reagiert verhalten auf Vorschlag

Die Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH sieht wenig Potenzial, um stillgelegte Bahnstrecken im Land wiederzubeleben. NASA-Geschäftsführer Rüdiger Malter sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Montag, die Vorschläge vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen und der Initiative "Allianz pro Schiene" funktionierten sicher gut in anderen Regionen Deutschlands. Sie seien aber kein Selbstläufer. Man habe in Sachsen-Anhalt Strecken stillgelegt, die sich nicht rechneten und setze vor allem auf Regionalexpresse und S-Bahnen.

Quelle: dpa,mdr/jw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 20. Mai 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2019, 15:00 Uhr

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5 Kommentare

22.05.2019 17:53 W. Merseburger 5

Das mit der Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken klingt zwar gut ,hat aber ein Problem: Wer benutzt die reaktivierten Bahnstrecken? Die Landflucht ist ja nicht wegzureden, was bedeutet, es gibt objektiv nur sehr wenig Fahrgäste. Vielleicht sollten die Befürworter mal an einen weltberühmten Ritter und die Flügel der Windmühlen denken.

21.05.2019 18:35 Regaltener 4

@ 2, Mike:

Mit dem Rad kommen Sie bereits heute selbst ins tiefste Dorf. Dafür muss man keine Bahnstrecken abreißen.

Die meisten Orte verfügen über nur eine einzige Bahnanbindung. Wenn man diese entfernt, ist die Möglichkeit auf eine Reaktivierung für immer vertan. Man verbaut sich die eigene Zukunft. Denn: In anderen Bundesländern gibt es viele reaktivierte Strecken, die man vor Jahren noch als "tot" bezeichnet hat. Jetzt läuft plötzlich der Verkehr und niemand denkt daran, das einzustellen.

Gewohnheiten ändern sich nunmal. Wenn in den 90er Jahren eine Strecke mit dem damaligen Betriebskonzept Fahrgäste verloren hat, dann kann es heute genau das Gegenteil sein. Das Bewusstsein für nachhaltige Mobilität ist heute ein ganz anderes als damals. Auch Dinge wie Taktfahrpläne und moderne Triebwagen gab es damals gar nicht. Man sollte den Strecken eine Chance geben und sie zumindest nicht abreißen oder gar überbauen!

21.05.2019 12:06 Bernd 3

Eigentlich ein guter Vorschlag denn die Bahn ist wohl das umweltbeste Verkehrsmittel auch wenn es da weiter gehen muss so in Punkte Hybridantrieb oder eventuell Akku-Fahrzeuge. Dazu attraktive Preise und gute Puenktlichkeit. Aber Politiker bemuehen sich eben darum Ausreden zu finden warum etwas nicht gehr anstatt Loesungen zu suchen dass es geht. Na den Stein der Weisen hat man ja gefunden man erfindet neue Abgaben sieht sich als Heiland und wundert sich am Ende dass weiter Co2 in die Luft geht.

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