ein Kind wird geimpft
Bildrechte: colourbox

Debatte Sind Impfgegner unsolidarisch?

Kann eine Kita Eltern den Platz verweigern, wenn deren Kind nicht den empfohlenen Impfschutz hat? Diese Debatte sorgt seit Tagen für Wirbel. Halles zweitgrößter Kita-Träger hatte angekündigt, Kinder von Impfgegnern nicht aufzunehmen. Nun hat der Streit die politische Ebene erreicht. Lösungen sind aber vorerst nicht in Sicht.

ein Kind wird geimpft
Bildrechte: colourbox

Im Streit um eine Impfpflicht für Kinder schlägt sich die Politik auf die Seite der Befürworter. Sachsen-Anhalts Sozialminister Norbert Bischoff sprach sich im MDR-Interview für eine bundeseinheitliche Impfpflicht-Regelung aus. Er halte es für richtig, dass alle Kinder die empfohlenen Impfungen bekommen. Bestimmte Krankheiten seien wieder auf dem Vormarsch und ließen sich so am besten eindämmen.

Meine tiefste Überzeugung ist: Wenn man in eine Einrichtung geht und weiß, dass dort 80 Prozent der Kinder geimpft sind, dann brauche ich mein Kind nicht zu impfen. Dann leben sie davon, dass die anderen das tun. Das finde ich unsolidarisch.

Sachsen-Anhalts Sozialminister Norbert Bischoff (SPD)

Impfschutz ist aus Bischoffs Sicht Kinderschutz. Eltern, die ihre Kinder nicht Impfen ließen, verhielten sich aus seiner Sicht unsolidarisch. Impfgegner profitierten davon, dass viele andere Eltern ihre Kinder impfen lassen. Der Sozialdemokrat betonte zwar, dass es das Recht eines Kita-Trägers sei, nur geimpfte Kinder aufzunehmen. Ohne einheitliche Impfpflicht dürften Kinder aber nicht ausgeschlossen werden.

Sorge: Ohne Impfung kein Kita-Platz

Für eine allgemeine Impfpflicht hat sich auch der Magdeburger Bundestagsabgeordnete Tino Sorge ausgesprochen. Er sagte der "Volksstimme": "Wegen einiger unvernünftiger Menschen, die sich nicht impfen lassen, haben wir in Deutschland wieder Krankheiten, die bei uns als längst beseitigt galten." Wenn die Zahl der Impfverweigerer mit mehr Aufklärung nicht gesenkt werden könne, müsse zu härteren Maßnahmen gegriffen werden. Wer sein Kind nicht impfen lasse, bekomme dann keinen Kita-Platz, so der Christdemokrat, der im Gesundheitsausschuss des Bundestags sitzt.

Streit ohne Konsens

Derweil wird auch abseits der politischen Ebene weiter über eine Impfpflicht für Kinder gestritten. Impfgegner argumentieren, dass Impfungen Kindern Schaden zufügen können. Gesundheitsexperten, etwa von der Uniklinik Magdeburg, halten dagegen: Impfen sei vorbehaltlos zu empfehlen. Auch der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte fordert eine Impfpflicht zur Vorbeugung vor Kinderkrankheiten. In einer nicht repräsentativen Online-Umfrage bei MDR.DE sprachen sich 45 Prozent für eine Impf-Klausel bei Kitas aus. 55 Prozent verneinten dies, weil damit in das Sorgerecht eingegriffen werde. Bei der Abstimmung, die zwei Tage dauerte, wurden über 2.300 Stimmen abgegeben.

Bund gibt bislang nur Empfehlungen

Eine gesetzliche Impfpflicht gibt es in Deutschland nicht. Stattdessen ist beim Gesundheitsministerium die sogenannte "ständige Impfkommission" angesiedelt. Das Expertengremium gibt Empfehlungen, welche Impfungen von hohem Wert für den Gesundheitsschutz sind. Das Ministerium verweist auf steigende Impfquoten im Kindesalter in den vergangenen Jahren.

Unabhängig von möglichen Impf-Regelungen einzelner Kitas bleibt der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Sollten Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, deshalb von einer Kita abgewiesen werden, können sie sich an ihre Stadt oder ihren Landkreis wenden. Die Kommunen müssen einen anderen Platz anbieten.

Empfohlene Schutzimpfungen für Säuglinge, Kinder und Jugendliche • Rotaviren
• Hepatitis B
• Diphtherie
• Tetanus (Wundstarrkrampf)
• Poliomyelitis (Polio, Kinderlähmung)
• Haemophilus influenzae Typ b (Hib)
• Pertussis (Keuchhusten)
• Masern
• Mumps (Ziegenpeter)
• Röteln
• Varizellen (Windpocken)
• Pneumokokken (Bakterien, die Gehirnhaut- und Lungenentzündungen auslösen können)
• Meningokokken (Bakterien, die Gehirnhautentzündungen auslösen können) Quelle: Bundesgesundheitsministerium

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2014, 14:07 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

2 Kommentare

10.09.2014 18:26 EWS 2

Die gesetzliche Impfpflicht ist zwingend notwendig. Sie ist ein wesentlich geringerer Eingriff des Staates als Steuerpflicht, Schulpflicht, Wehrpflicht. Solange sie noch nicht eingeführt ist, ist es sinnvoll, nicht Geimpfte von allen gemeinschaftlichen Aktivitäten zu isolieren.

09.09.2014 18:56 snaz83 1

Hört auf mit diesen Quatsch von freier Meinung und Recht auf Selbstbestimmung. Die Impfpflicht ist unbedingt notwendig, um Krankheiten von der Menschheit abzuhalten, die als ausgerottet gelten, die aber bei Impfmüdigkeit wieder auftreten können und wieder Epedemien oder Pandemien auslösen können. Es kann doch nicht das Ziel sein, Krankheiten wieder eine Chance zu geben, obwohl man die Mittel hat diese zu unterdrücken. Vorsorge ist immer besser als direkte Bekämpfung, dass ist in der Medizin genauso wie im Ackerbau........und es ist vorallem auch billiger!!!!

Mehr aus Sachsen-Anhalt