Wernigerode schlägt Großstädte Wo die Mietpreise in Sachsen-Anhalt am höchsten sind – und wo am niedrigsten

In Sachsen-Anhalt ist der Mietpreis pro Quadratmeter in Wernigerode am höchsten. Das zeigt ein Vergleich der 15 größten Städten des Landes. Die Preise sind eine Folge des Erfolgs, meint Wernigerodes Oberbürgermeister.

Platz mit Kopfsteinpflaster und einem Brunnen. Links und rechts Fachwerkhäuser
In Wernigerode gibt es in Sachsen-Anhalt die höchsten Mietpreise pro Quadtratmeter. Bildrechte: MDR/Elke Kürschner, imago images/Schöning

Wo sind die Mietpreise pro Quadratmeter in Sachsen-Anhalts größeren Städten am höchsten? Nicht in der Landeshauptstadt Magdeburg und auch nicht Halle: sondern in Wernigerode. Hier beträgt der Mittelwert der Miete für einen Quadratmeter 6,57 Euro (Kaltmiete). Also immerhin 53 Cent mehr als in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt. Das geht aus einer einer Datenerhebung der Value AG im dritten Quartal 2020 hervor.

Zum Vergleich: Knapp 60 Euro Miete kostet der Quadratmeter in New York, wo es damit wohl den teuersten Wohnraum weltweit zu finden gibt.

Miet-Vergleich der 15 größten Städte Sachsen-Anhalts

Der Vergleich der 15 größten Städte Sachsen-Anhalts zeigt auch, dass die Mietpreise in Zeitz besonders günstig sind. Dort kostet der Quadratmeter 4,84 Euro.

Zum Teil deutliche Mietpreiserhöhungen

Vergleicht man die Werte aus dem dritten Quartal dieses Jahres mit denen von 2012, ist überall ein Anstieg bei den Mietpreisen zu sehen. Auch hier verzeichnet die Stadt Zeitz den geringsten Zuwachs mit 7,56 Prozent. Die größte Erhöhung gab es in diesem Zeitraum in der Lutherstadt Wittenberg mit 22,83 Prozent – mehr als drei Mal so viel wie in Zeitz in derselben Zeit.

Wernigerode: Ein "Opfer des eigenen Erfolgs"

Die Stadt Wernigerode verzeichnet den teuersten Mietpreis pro Quadratmeter und einem Anstieg von knapp 20 Prozent in den letzten acht Jahren. Doch für Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert ergibt sich daraus vor allem für junge Leute, die in Wernigerode arbeiten wollen, eine schwierige Situation: "Wir haben sehr viele Arbeitsplätze in den letzten Jahren dazugewinnen können", meint Gaffert. Alle wohnungstechnischen Wünsche werde man in der Stadt, die wegen ihrer Fachwerkhäuser zum Weltkulturerbe zählt, aber nicht befriedigen können. "Wo wirtschaftliche Stärke ist, wo Lebensqualität ist – da wollen viele Menschen hin", meint der Oberbürgermeister. Dadurch würden die Leute auch die höheren Preise in Kauf nehmen, um sich eine geeignete Wohnung zu suchen. Wernigerode sei in diesem Punkt, so Gaffert, auch ein Stück weit "Opfer des eigenen Erfolgs geworden".

In den letzten Jahren seien in Wernigerode etwa 400 Wohnungen entstanden und auch in den nächsten zehn Jahren soll eine ähnliche Anzahl hinzukommen, so Gaffert.

Schloss Wernigerode
Das Schloss Wernigerode - eines der Wahrzeichen der Stadt. Bildrechte: imago/Schöning

Ich bin sehr stolz darauf, dass wir in der Bundesliga mitspielen, was die touristischen Destinationen angeht.

Peter Gaffert, Oberbürgermeister Wernigerode

Peter Gaffert weiß aktuell nicht, ob diese Anzahl an neuen Wohnungen dann aber auch ausreichen wird. Eigentlich habe Wernigerode weniger Einwohner als noch vor zehn Jahren und dennoch sei die Nachfrage an Wohnraum sehr groß, erklärt der OB. Auf der anderen Seite wird der Boden und damit der mögliche Wohnraum im Stadtgebiet immer knapper. Bei neu errichteten Eigentumswohnungen ist in Wernigerode – laut dem Oberbürgermeister – ein Preisniveau der Dresdner Innenstadt oder gar von Berlin erreicht.

Da bewegen wir uns in einer Region, die weit über die 12 bis 14 Euro hinausgeht.

Peter Gaffert, Oberbürgermeister Wernigerode

Viele Pensionen in Wernigerode

Auch die Anzahl der Pensionen ist in Wernigerode gestiegen. Aktuell gibt es etwa 380 Ferienwohnungen in Wernigerode, sagt Gaffert. "Wenn man das ins Verhältnis setzt zu den 15.000 Wohnungen, die es in der Stadt gibt, ist das dann wieder vergleichsweise wenig", erklärt der Oberbürgermeister. Auf der einen Seite wäre das natürlich zusätzlicher Wohnraum. Gaffert sieht aber auch das hohe Investment, was nötig wäre, um die Fachwerkhäuser in Wernigerode zu sanieren. Es würde sich deswegen wenig lohnen, "wenn man eine am Markt übliche Miete von einem Dauermieter nehmen würde", erklärt er die Notwendigkeit von Pensionen.

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Quelle: MDR/pow

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 22. Oktober 2020 | 12:00 Uhr

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