Datenwoche Trockenheit Gewässer konnten Wasserverlust vom letzten Jahr nicht wieder reinholen

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Die Pegelstände im Land sind zu niedrig. Sowohl Flüsse als auch Seen leiden noch unter der Trockenheit des Jahres 2019. Sie konnten die Wasserverluste durch die anhaltende Trockenheit im Jahr 2020 nicht wieder ausgleichen. Die geringen Wassermengen wirken sich auch auf die Qualität des Wassers aus. Teil 2 der "Datenwoche Trockenheit".

Collage: Freigelegter Domfelsen und Dom in Magdeburg und ausgetrockneter Boden
Am freigelegten Domfelsen in Magdeburg wird ein niedriger Pegelstand deutlich sichtbar. (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Matthias Strauß/imago/YAY Images

Flüsse und Seen im Land haben überdurchschnittlich wenig Wasser. Der Gewässerkundliche Landesdienst beobachtet, dass die Wasserstände kontinuierlich fallen. Aktuell liegen sie laut Behörde landesweit unter dem langjährigen Durchschnitt, so die Behörde. Auch die Grundwasserstände liegen im Mittel nach Angaben unterhalb der mehrjährigen Vergleichswasserstände.

Auswirkungen des trockenen vergangenen Jahres

Nach Angaben der Behörde gibt es im Jahr 2020 bisher kein großes Niederschlagsdefizit. Es handele sich um die Auswirkungen der vergangenen Trockenjahre.

In Magdeburg hatte die Elbe 2019 mehrfach einen historischen Tiefstand unterboten: An der Pegelstation Strombrücke waren zwischenzeitlich 45 Zentimeter gemessen worden. Der historische Tiefstand lag bei 48 Zentimeter und war zuletzt 1934, dann erst wieder 2019, erreicht worden.

Der Geschäftsbereichsleiter des Gewässerkundlichen Landesdienstes, Mathias Weiland, erklärt: "Der vom Grundwasser gespeiste Barleber See liegt aktuell etwa 30 Zentimeter unterhalb des langjährigen Mittelwassers, beziehungsweise 40 Zentimeter unterhalb der langjährigen Vergleichswasserstände des Monats. Der Arendsee in der Altmark weist eine Abweichung von etwa 50 Zentimeter zum langjährigen Mittel, beziehungsweise 55 Zentimeter zu langjährigen Vergleichswasserständen des Monats auf."

Weniger Wasser führt zu Qualitätsminderung

Der Gewässerkundliche Landesdienst beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (HLW) Sachsen-Anhalt rechnet damit, dass sich durch die niedrigen Wasserstände die Wasserqualität verschlechtert. Je weniger Wasser, desto langsamer fließe es. An Wehren könne es komplett zum Stillstand kommen. Die Selbstreinigungsleistung werde gemindert.

Wird der Mittelwert der niedrigsten Wasserstände unterschritten, steige die Gefahr, dass die Wassergüte abnimmt. Das Wasser werde wärmer, der Sauerstoffgehalt nehme ab und Salze und Schadstoffe träten höher konzentriert auf.

Je weniger Wasser, desto kleiner auch der Lebensraum. Mathias Weiland vom HLW erklärt: "Fische versuchen in Gewässerabschnitte mit günstigeren Lebensbedingungen abzuwandern." Sie würden Aushöhlungen im Boden mit größeren Wassertiefen aufsuchen oder stärker beschattete Gewässerabschnitte.

Geringe Pegelstände in Flüssen sind auch problematisch, weil sie die Binnenschifffahrt einschränken können. Ab einem gewissen Pegelstand müssten Binnenschiffer ihr Ladegewicht verringern.

Begrenzte Handlungsmöglichkeit bei niedrigen Wasserständen

Pegelstände sind von Niederschlag und Schneeschmelze abhängig, erklärt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Magdeburg.

Uta Schlüter-Zeltz war dieses Jahr im Juli dort.
In Talsperren, wie and er Rappbode, wird Rohwasser gespeichert, das zur Trinkwasserherstellung dient. (Archivfoto) Bildrechte: Uta Schlüter-Zeltz

Was nun, wenn es nicht regnet? Hubert Stratmann vom Wasserstraßenamt erklärt: Beeinflussen kann man nur staugeregelte Flüsse oder künstliche Wasserstraßen. Bei der staugeregelten Saale beispielsweise könne man Wehre anders einstellen oder den Schleusenbetrieb einschränken, um den Wasserstand zu beeinflussen. Ähnliche Eingriffe sind auch für die künstlich angelegten Mittelland- und Rothenseer-Verbindungskanal möglich.

Aber auch solche Eingriffe seien begrenzt. Das Wasserstraßenamt erklärt: "Inwieweit der Handlungsspielraum ausreicht, um den sich einstellenden Bedingungen gerecht zu werden, ist situationsabhängig."

Mathias Weiland vom HLW teilte MDR SACHSEN-ANHALT mit: "Die Bevölkerung, aber auch alle anderen Gewässerbenutzer, sollten präventiv zu einem sparsamen und bewussten Umgang mit dem Wasser aufgefordert werden. Dies betrifft sowohl den Einsatz von Trinkwasser als auch die Entnahme von Oberflächenwasser und Grundwasser aus eigenen Brunnen."

Die öffentliche Trinkwasserversorgung in Sachsen-Anhalt ist laut Weiland abgesichert. Das Grundwasser diene als langjähriger Speicher und die Talsperren seien gut gefüllt.

Die derzeitigen Wasserstände seien das Ergebnis fehlender Niederschläge – auch noch aus dem vergangenen Jahr. Solche Niedrigwassersituationen träten jedoch statistisch gesehen immer wieder auf.

Videovorschaubild #MDRklärt: Die Niederschlagskarte für Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 2000 1 min
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Datenwoche Trockenheit: Wie geht es weiter?

MDR SACHSEN-ANHALT sucht in der Datenwoche zum Thema Trockenheit in Sachsen-Anhalt nach Antworten, spricht mit Landwirten und Wissenschaftlern über Trockenheit und Dürre.

Julia Heundorf
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Über die Autorin Julia Heundorf arbeitet seit Februar 2020 für die Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Sie ist im Landkreis Harz aufgewachsen und hat ihren Bachelor in Halle und Bologna gemacht, den Master Medien, Kommunikation und Kultur in Frankfurt (Oder), Sofia und Nizza.

Nach Magdeburg kam sie für einen Job an der Uni. Zu ihren Lieblingsorten in Sachsen-Anhalt gehören die Dörfer westlich von Osterwieck, der Heinrich-Heine-Weg zum Brocken und das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle.

Quelle: MDR/jh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 31. Mai 2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Erichs Rache vor 16 Wochen

Ja nun.
Ihr müsst die Wasserrechte an Nestlé verkaufen. Die füllen Euch das Wasser in Flaschen ab. Die könnt Ihr dann teuer kaufen.

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