Daten und Fakten So viele Wölfe leben in Sachsen-Anhalt

Seit mindestens 2008 leben wieder Wölfe in Sachsen-Anhalt. Die Zahl der Rudel hat seitdem zugenommen – und wird wohl auch weiter wachsen, wenn man Experten glauben darf. Der Grund: Der Wolf fühlt sich wohl im Land. Vor allem Landwirte und Jäger sind darüber besorgt. MDR SACHSEN-ANHALT lässt in einer Themenwoche zum Wolf aber auch diejenigen zu Wort kommen, die den strengen Schutz des Raubtiers für richtig halten. Los geht es mit Daten und Fakten rund um den Wolf.

von Max Schörm und Luca Deutschländer, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein Wolf durchstreift sein winterliches Gehege.
Der Wolf – für die einen ein faszinierendes Tier, für die anderen der Auslöser vieler Sorgen. Bildrechte: dpa

Der Wolf und seine Rückkehr nach Sachsen-Anhalt – das ist ein sensibles Thema. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Angelegenheit vor allem für Landwirte emotional ist. Wer morgens zur Weide fährt und eines oder mehrere seiner Tiere entstellt dort liegen sieht, bekommt das Bild so schnell sicher nicht aus dem Kopf. Oder, um es mit den Worten eines ehrenamtlichen Wolfsbeauftragten zu sagen: "Dann ist der ganze Tag gelaufen."

Dabei geht es nicht einmal nur um den materiellen Verlust für Landwirte. Der wird vom Land ersetzt; jedenfalls dann, wenn ein Tier tatsächlich dem Wolf zum Opfer gefallen ist. Viel höher ist der ideelle Verlust – und die Sorgen, mit denen viele Landwirte abends ins Bett gehen und morgens zur Weide fahren. Der Wolf und seine Rückkehr nach Sachsen-Anhalt – das ist ein emotionales Thema, über das eine emotionale Debatte geführt wird. Es ist deshalb wenig verwunderlich, dass nicht alle öffentlich über ihre Meinung in Sachen Wolf sprechen möchten. Die, die es tun, tasten sich vorsichtig an das Thema heran. Auch das hat die Recherche für die Themenwoche gezeigt.

Der Wolf in Sachsen-Anhalt – eine Themenwoche MDR SACHSEN-ANHALT wird sich in einem Themenschwerpunkt bis Freitag jeden Tag mit dem Wolf, den Folgen seiner Rückkehr und den Sorgen von Landwirten und Jägern beschäftigen. Am Dienstag kommen Experten des Wolfskompetenzzentrums in Iden zu Wort, am Mittwoch betroffene Landwirte. Für Donnerstag ist ein Bericht über den Naturschutzbund und dessen Standpunkt zum Wolf geplant, am Freitag berichtet MDR SACHSEN-ANHALT über die Arbeit eines Wolfsbeauftragten.

Bevor MDR SACHSEN-ANHALT in dieser Woche Experten, Landwirte, Jäger, Naturschützer und das Umweltministerium zu Wort kommen lässt, lohnt ein Blick auf die Zahlen und Fakten zum Wolf – und seiner Rückkehr nach Sachsen-Anhalt.

Die Zahlen: Wie viele Wölfe in Sachsen-Anhalt leben

In Sachsen-Anhalt halten sich nach aktuellen Zahlen regelmäßig mindestens 80 Wölfe auf. Das geht aus Erhebungen des Wolfskompetenzzentrums in Iden hervor. Wie Biologin und Wolfsexpertin Antje Weber MDR SACHSEN-ANHALT sagte, lebten die Wölfe im Monitoringjahr 2016/2017, das am 30. April 2017 zu Ende gegangen ist, in 13 verschiedenen Rudeln. Für die Beobachtung von elf dieser Rudel ist das Wolfskompetenzzentrum in Iden zuständig, für die übrigen Niedersachsen und Brandenburg.

Allerdings: Die Wölfe stören sich nicht an Landesgrenzen. Nur, weil das Rudel mit dem Namen Gartow sich vorwiegend in Niedersachsen aufhält, bedeutet das nicht, dass die Wölfe nicht auch gelegentlich in Sachsen-Anhalt gesichtet werden. Beim Wolfskompetenzzentrum in Iden werden deshalb auch die Rudel beobachtet, die kurz hinter der Landesgrenze leben – neben Gartow ist das das Rudel mit dem Namen Göritz-Klepzig, für dessen Beobachtung das Land Brandenburg zuständig ist.

Der neue Monitoringbericht mit Zahlen bis einschließlich 30. April dieses Jahres soll im Sommer veröffentlicht werden.

Karte und Übersicht der Wolfsrudel in Sachsen-Anhalt
Im Wolfskompetenzzentrum in Iden werden derzeit elf Wolfsrudel beobachtet. Die Länderkürzel in Klammern zeigen, welches Bundesland für die Beobachtung des Rudels zuständig ist. Bei zwei aufgeführten Ländern ist das erstgenannte verantwortlich. Bildrechte: Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt | MDR/Max Schörm

Wie viele Wölfe tot aufgefunden werden

Es kommt immer wieder vor, dass Wölfe tot aufgefunden werden. Die Ursachen sind unterschiedlich, zeigen die Erhebungen des Wolfskompetenzzentrums. Am häufigsten werden Wölfe demnach bei Zusammenstößen mit Autos oder anderen Fahrzeugen getötet. Seit 2009 sind aber auch drei illegale Abschüsse registriert worden – registriert worden deshalb, weil man im Wolfskompetenzzentrum davon ausgeht, dass die Dunkelziffer höher ist.

Übersicht der toten Wölfe in Sachsen-Anhalt
Die Karte zeigt, wie viele Wölfe seit 2009 tot in Sachsen-Anhalt aufgefunden wurden. Die illegalen Abschüsse wurden 2009, 2015 und 2016 erfasst, die Zahl der bei Unfällen getöteten Tiere zwischen 2012 und 2017. Bildrechte: Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt | MDR/Max Schörm

Wie viele Nutztiere von Wölfen gerissen werden

Mehrere Formulare liegen auf einem Tisch.
Wenn ein Tierhalter die Experten des Wolfskompetenzzentrums ruft, wird alles genau dokumentiert. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Seit dem Jahr 2008 sind den Wolfsexperten des Landes Sachsen-Anhalt 278 Vorfälle gemeldet worden, bei denen Tierhalter den Wolf als Verursacher vermutet haben. Das teilt das Wolfskompetenzzentrum in Iden mit. In jedem dieser 278 Fälle haben Experten die gerissenen Tiere begutachtet – und kamen zu dem Schluss, dass bei einem Großteil der Fälle der Wolf der Verursacher war oder zumindest nicht ausgeschlossen werden kann. Das war bei 187 toten Tieren der Fall.

Bei den übrigen 91 Fällen wurden laut Wolfskompetenzzentrum "eindeutig andere Ursachen" festgestellt, etwa Krankheiten, Totgeburten oder aber Hundeübergriffe.

Service: Was tun, wenn man einen Wolf angefahren hat? In der Morgen- und Abenddämmerung fürchten viele Autofahrer Wildunfälle. In Sachsen-Anhalt sind Wild-Unfälle laut aktueller vorläufiger Verkehrsunfallbilanz die häufigste aller Unfallursachen. Im Jahr 2017 wurden 14.331 solcher Schäden erfasst.

Wie Antje Weber vom Wolfskompetenzzentrum in Iden sagt, sind in den Jahren seit 2012 in Sachsen-Anhalt mindestens 14 Wölfe von Autos angefahren und dabei getötet worden. Was aber tut man, wenn man einen Wolf anfährt? Peter Oestreich vom Wolfskompetenzzentrum sagt: Genau das, was man tun sollte, wenn man ein Reh oder ein Wildschwein angefahren hat. Sprich: die Polizei rufen. Die verständige dann das Wolfskompetenzzentrum, das alle weiteren Schritte in die Wege leite.

So läuft die "Nutztierrissbegutachtung"

Wenn ein gerissenes Schaf oder Kalb gefunden wird und der Landwirt den Wolf als Verursacher vermutet, kommen Experten des Wolfskompetenzzentrums in Iden ins Spiel. Das Video zeigt, wie eine sogenannte Nutztierrissbegutachtung abläuft.

Das steht in der Leitlinie Wolf

26 Seiten zum Umgang mit dem Wolf: Die "Leitlinie Wolf" des Umweltministeriums soll regeln, wie das Zusammenleben mit dem Wolf in Sachsen-Anhalt "möglichst konfliktarm" gestaltet werden kann. Grundsätzlich gilt dabei trotz aller Emotionen: Wer einen Wolf tötet, macht sich strafbar. Jäger können außerdem ihren Jagdschein verlieren, wenn sie einen Wolf schießen. Anders sieht das allerdings aus, wenn der Wolf aggressiv auf Menschen oder Hunde reagiert. Dann darf der Wolf geschossen werden. Das Credo des Ministeriums: "Die Sicherheit des Menschen steht an erster Stelle."

Die verschiedenen Szenarien, die das Umweltministerium in der Leitlinie veröffentlicht hat, haben nach Meinung von Jägern aber noch immer einen entscheidenden Nachteil: Sie bieten demnach keine Rechtssicherheit. Bedeutet: Wenn ein Jäger einen Wolf tötet und von einem Tierschützer verklagt wird, haben die Jäger nach Einschätzung des Landesjagdverbands keine rechtliche Sicherheit. Das Umweltministerium hat das in der Vergangenheit zurückgewiesen. Eine aktuelle Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT an das Ministerium blieb bislang unbeantwortet.

Und jetzt Sie: Testen Sie Ihr Wissen über den Wolf!

Wissen Sie, wie weit ein Wolf im Schnitt täglich läuft? Und wovon sich "Canis lupus" hauptsächlich ernährt? Testen Sie all das und noch mehr in unserem Quiz über den Wolf.

Vorige Woche hat sich übrigens auch der Landtag erneut des Wolfs angenommen. Bei einem Dialogforum in Zerbst diskutierten Landwirte und Interessierte mit Politikern.

Im zweiten Teil des Themenschwerpunkts zum Wolf wird MDR SACHSEN-ANHALT über das Wolfskompetenzzentrum in Iden berichten.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07.05.2018 | 11:40 Uhr

Quelle: MDR/ld

Zuletzt aktualisiert: 07. Mai 2018, 18:41 Uhr

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6 Kommentare

08.05.2018 11:00 matze 6

Und schon gehen die Beleidigungen wieder los.
Da laut Didi alle Schäfer Alkoholiker sind und die Jäger die Umwelt verschandeln hoffe ich, dass der/die liebe Didi regelmäßig die Natur vom Unrat säubert bei den jährlichen Aktionen der Jäger und den Schäfern beim Zaunbau behilflich ist bzw. nachts auf die Schafe aufpasst wenn der Schäfer sich von seiner richtigen Arbeit erholen muss.
Und wer es noch nicht verstanden hat, den Wolf will keiner wieder ausrotten(was bei dem schlauen Tier heutzutage auch nicht mehr möglich ist) jedoch muss er den Respekt zum Menschen wieder lernen, was in jedem Wolfsland durch die Bejagung erfolgt.

08.05.2018 09:43 Klartext 5

Ich bin für mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Wolf,es werden zu viele Schauermärchen über ihn erzählt,viel schlimmer finde ich es wenn unbedarfte Mitmenschen ihre Kampfhunde mit auf Spielplätze nehmen ! Unbestritten sind Viezüchter betroffen, zum Teil aber selbstverschuldet, Ich kenne es noch aus früheren Tagen, da wurden die Schafe immer zum Abend in den Stall getrieben,warum das nicht mehr gemacht wird,weiß keiner zu beantworten!

08.05.2018 09:09 snaz83 4

80 wölfe auf einer riesenfläche in ganz Sachsen-Anhalt. Mal ehrlich, andere Gründe als pure panikmache kann ich da nicht sehen. Jedes ökosystem brauch am ende praedatoren. Haben die Jäger etwa angst, dass sie diesen vorwand nun nicht mehr haben wen der wolf da ist???

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