Newsblog | 29.03.2020 Zwei Corona-Tote in Pflegeheimen in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt sind zwei weitere Tote im Zusammenhang mit Covid-19 zu beklagen – beide Menschen starben in Pflegeheimen. Parallel gelten mehr als 100 Menschen als genesen. Alle Entwicklungen zum Virus im Newsblog.

Ein Krankenpfleger geht über einen Flur im Krankenhaus, inklusive des Logos des "Corona-Newsblog"
Bildrechte: MDR/dpa

  

Die Entwicklungen am Montag im Newsblog:

Das Wichtigste im Überblick

19:30 Uhr | Blogende

Wir beenden unseren Newsblog für heute an dieser Stelle. Vielen Dank für Ihr Interesse. Morgen Früh ab 6 Uhr sind wir wieder für Sie da. Guten Abend!

Unsere Kollegen von MDR AKTUELL behalten die Lage in Deutschland und der Welt noch bis in den späten Abend im Blick:

19:12 Uhr | Mehr Desinfektion in Magdeburger Bussen und Bahnen

Auch wenn die öffentlichen Verkehrsmittel derzeit leerer sind als vorher, sind weiterhin viele Menschen darauf angewiesen. Um möglichen Hygiene-Bedenken entgegenzuwirken, haben die Magdeburger Verkehrsbetriebe die Renigungs-Intervalle für Busse und Bahnen halbiert. Griffe, Haltestangen, Türtaster und Co. werden nun sowohl nachts als auch tagsüber gereinigt. Matthias Pötter ist Teil dieses Reinigungstrupps. Wie seine Sicht auf diesen Job ist, verrät er in unserer Reportage:

18:55 Uhr | Stiftung Patientenschutz fordert mehr Schutz in Pflegeheimen

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert bessere Konzepte, um die Menschen in Pflegeheimen vor dem Coronavirus zu schützen. Stiftungsvorstand Eugen Brysch sagte, in den Einrichtungen würden mehr als 800.000 Pflegebedürftige betreut. Mehr als zwei Drittel von ihnen litten unter Demenz. Brysch forderte, beim Auftreten grippeähnlicher Symptome müsste ein Bewohner sofort auf das Coronavirus getestet, isoliert und verlegt werden. Gesundheitsminister Jens Spahn müsse gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut Schutzpläne für Heime verabschieden.

Bei den jüngst in einem Pflegeheim in Halle diagnostizierten 13 Covid-19-Fällen unter Bewohnern hat nach Angaben der Stadt keiner der Infizierten Symptome gezeigt. Allein in Sachsen-Anhalt gibt es über 100.000 Pflegebedürftige.

18:46 Uhr | Landtag berät über neue Corona-Hilfen

Sachsen-Anhalts Landtag wird am Montag zusammenkommen, um über einen Aufschlag des kürzlich verabschiedeten Haushalts zu beraten. Es geht um eine halbe Milliarde Euro zusätzlich für Corona-Hilfen. Laut Finanzminister Michael Richter (CDU) stecken darin 150 Millionen Euro Sofort-Zahlungen für Selbständige sowie kleine Unternehmen. Zudem plane das Land 25 Millionen Euro für zusätzliche Investitionen an Krankenhäusern.

Nach der Debatte am Montag – bei der ein Teil der Abgeordneten aus Abstandsgründen erneut auf der Besuchertribüne sitzen muss – soll der Nachtragsetat bereits am Donnerstag verabschiedet werden. Der erst am 20. März verabschiedete Doppelhaushalt sieht für dieses Jahr bislang Ausgaben von 12 Milliarden Euro vor.

18:23 Uhr | Hallischer Lungenarzt optimistisch, dass Krankenhäuser die Krise bewältigen

Warten, bis die Corona-Kurve abflacht: Darauf konzentrieren sich deutschlandweit Politik, Bürger und natürlich der Gesundheitsbereich. Schließlich geht es darum, durch die Einschränkung des öffentlichen Lebens die Corona-Weiterverbreitung so weit einzudämmen, dass die zu befürchtende Patienten-Welle das Gesundheitssystem nicht überfordert. Eine Portion Optimismus kommt von Prof. Dr. Wolfgang Schütte, Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde im Krankenhaus Martha-Maria Halle-Dölau. Er war in der MDR-Talkshow Riverboat zu Gast (Aufzeichnung vom 27.03.2020).

Prof. Dr. Wolfgang Schütte
Wolfgang Schütte, Pneumologe im Krankenhaus Martha-Maria Halle-Dölau Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ich glaube, zwei Dinge können uns hoffen lassen, dass die Welle unter der Kapazitätsgrenze bleibt: Einmal, dass diese ganzen Quarantänemaßnahmen in der Gesellschaft vorgenommen worden sind (...). Und zweitens, dass wir unsere Krankenhäuser wirklich leer räumen, um dann Platz für diese Patienten zu haben. (…) Grenzwertige Operationen, geplante Operationen – all sowas wird abgesetzt, um Platz zu haben.

17:59 Uhr | Wirtschaft vs. Leben: Wo bleibt die Politik?

MDR SACHSEN-ANHALT-Kolumnist Uli Wittstock nimmt die aktuelle gesellschaftliche Corona-Debatte auseinander. Und stellt fest: Längst gibt es Tendenzen, die Gesundheit weniger gegen den Wohlstand vieler aufzurechnen. Damit die Stimmung nicht kippt, brauche es eine Exit-Perspektive. Dabei sei vor allem, aber nicht nur, die Politik am Zug.

17:45 Uhr | 76-Jähriger stirbt in Jessener Quarantäne

In Sachsen-Anhalt gibt es an diesem Sonntag einen zweiten Todesfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Im Landkreis Wittenberg ist nach Angaben der Behörden ein Bewohner des unter Quarantäne stehenden Altenheims in Jessen gestorben. Der 76-Jährige habe bereits unter multiplen schweren Vorerkrankungen gelitten, teilte das Landratsamt MDR SACHSEN-ANHALT mit. In dem Pflegeheim selbst hat sich die Zahl der Infizierten mittlerweile auf 19 erhöht. Auch sieben Pfleger seien positiv getestet worden. Laut einer Kreis-Sprecherin leben insgesamt etwa 100 Menschen in dem Jessener Pflegeheim.

Die Ortsteile Jessen und Schweinitz stehen wegen des Corona-Ausbruchs seit Donnerstag unter Quarantäne.

17:29 Uhr | 500. Dom-Geburtstag ohne Feier

Der 29. März 1520 gilt als Tag der Fertigstellung des Magdeburger Domes. Denn am Tag darauf wurde der Dombaumeister Bastian Binder von Kardinal Albrecht nach Halle abgezogen. So hat es Domprediger Uhle-Wettler im Sonntags-Gottesdienst im Magdeburger Dom erklärt, der auch heute ohne anwesende Gemeinde gefeiert wurde, dafür aber als Video verbreitet wurde.

Liebe Gemeinde, es war alles anders gedacht. Eigentlich wollten wir heute feiern.

Domprediger Uhle-Wettler

In seiner Predigt ging er aber nur kurz auf das Jubiläum ein und deutete an, dass noch unklar ist, was mit den geplanten Veranstaltungen des Jubiläumsjahres wird. "Wir wollten hier Vieles gestalten und feiern, aber die Realität zeigt etwas anderes", so Uhle-Wettler. Er wolle dennoch Hoffnung und Zuversicht verbreiten. Der Evangelische Gottesdienst vom Sonntag ist bei Youtube zu sehen.

zwei Kirchtürme - Dom zu Magdeburg
Der Magdeburger Dom ist das erste gotische Kathedralen-Bauwerk nördlich der Alpen und der höchste Sakralbau Ostdeutschlands. Bildrechte: MDR/André Plaul

17:12 Uhr | Erste Freiwillige wollen Landwirtschaft helfen

Um Spargel und Erdbeeren zu ernten sowie Kohl und anderes Gemüse in die Erde zu bekommen, setzt Sachsen-Anhalt laut Bauernverband auf 7.000 Saisonarbeiter – meist aus Osteuropa. Doch die fehlen derzeit wegen der geschlossenen Grenzen.

Ein Internetportal von Bundeslandwirtschaftsministerium und dem Bundesverbands der Maschinenringe e.V. will nun freiwillige Helfer aus Deutschland und Betriebe mit Bedarf zusammenbringen. Doch noch wird das Portal wenig genutzt. Aktuell stehen in Sachsen-Anhalt 19 Hilfsangebote neun Hilfegesuchen von Landwirtschaftsbetrieben gegenüber.

Hinter einem deutschen Grenzpfeiler ist das polnische Hoheitszeichen zu sehen
Geschlossene Grenzübergänge gefährden Ernte und Aussaat. Bildrechte: dpa

Die Bauernverbände vermuten, viele Betriebe seien aktuell noch zögerlich, weil sie darauf hoffen, dass die Saisonarbeiter zeitnah doch wieder nach Deutschland einreisen dürfen. Sachsen-Anhalts Verbands-Hauptgeschäftsführer Marcus Rothbart plädiert für eine rasche Lockerung der Regeln. Denn: Sollte der Einreisestopp noch lange gelten, wird die Ernte bei den arbeitsintensiven Sorten geringer ausfallen als sonst – da nicht alle Helfer ausgebildet und erfahren sind. "Und deswegen sollte man schon genau schauen, wie lange halten wir welche Maßnahmen aufrecht", so Rothbart im MDR.

16:48 Uhr | Hilfen für kleine Firmen und Selbständige ab Montag abrufbar

Die Soforthilfen des Bundes für kleine Firmen und Solo-Selbständige sind ab Montag von den Ländern abrufbar. Das teilten das Finanz- und das Wirtschaftsministerium in Berlin mit. Dies gilt auch für Sachsen-Anhalt. Auf der Webseite der Investitionsbank wird ab Montag der entsprechende Antrag veröffentlicht.

Das Bundeshilfspaket für durch die Coronavirus-Krise in Schwierigkeiten geratene Firmen umfasst insgesamt rund 50 Milliarden Euro. Laut Investitionsbank wird das Gesamtvolumen der Zuschüsse in Sachsen-Anhalt insgesamt 150 Millionen Euro betragen. Gelder werden je nach Unternehmensgröße gestaffelt einmalig für drei Monate ausgezahlt. Mit den Mitteln können etwa Betriebskosten wie Mieten, Kredite für Betriebsräume und ähnliches bezahlt werden.

Mögliche Zuschüsse für die Wirtschaft – gestaffelt nach Unternehmensgröße Es erhalten Unternehmen mit:
• bis zu 5 Mitarbeitern bis zu 9.000 Euro
• 6 bis 10 Mitarbeitern bis zu 15.000 Euro
• 11 bis 25 Mitarbeitern bis zu 20.000 Euro
• 26 bis 50 Mitarbeitern bis zu 25.000 Euro

16:31 Uhr | Asylbewerber zeigen Verständnis für Quarantäne

Seit Freitagmorgen steht die Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber (ZASt) in Halberstadt unter Quarantäne. Für zwei Wochen sind die Häuser untereinander isoliert. Knapp 850 Asylbewerber sind betroffen. Wie der Landkreis Harz am Sonntag mitteilte, zeigen die ZASt-Bewohner Verständnis und Besonnenheit für die Maßnahme. Ihnen sei erklärt worden, wieso sie ihre sozialen Kontakte einschränken müssen.

Bei einem ehemaligen Bewohner, der inzwischen in Halle lebt, hatte es einen positiven Corona-Test gegeben. Die Mitarbeiter der ZASt wurden nach ihren engen Kontakten befragt. Bei vier Personen seien daraufhin Abstriche gemacht worden. Alle Ergebnisse seien negativ, hieß es weiter.

16:16 Uhr | Magdeburgs Kulturhauptstadt-Bewerbung läuft auf Sicht

Trotz der aktuell angespannten Lage verliert Magdeburg seine Bewerbung als Kulturhauptstadt 2025 nicht aus den Augen. Laut Kulturhauptstadt-Büro haben sich die Mehrheit der weiteren Bewerberstädte dafür ausgesprochen, den aktuellen Zeitplan beizubehalten. Er sieht beispielsweise vor, das konkretisierte Bewerberbuch bis Ende Juli einzureichen. Nach dem Ende der Osterferien sollen die Pläne allerdings erneut geprüft und abgestimmt werden.

15:58 Uhr | FDP-Landeschef Sitta für Freiwilligen-App gegen Corona

Im Kampf gegen das Coronavirus hat sich die FDP dafür ausgesprochen, möglichst bald auf Freiwilligenbasis eine App einzusetzen. Landesvorsitzender und Bundes-Fraktionsvize Frank Sitta erklärte im Handelsblatt, intelligente Apps und Mobilfunkdaten könnten helfen, die Virusausbreitung einzudämmen. Dabei gehe es darum, bereits immune Personen zu erfassen.

Frank Sitta FDP spricht im Bundestag.
Bildrechte: dpa

Nachweislich immunisierte Personen könnten sich dann zum Beispiel auf ihrem Handy ausweisen, womit ihnen auch die Bewegungsfreiheit in sensibleren Gebieten gewährt werden könnte.

Frank Sitta, Landesvorsitzender der FDP Sachsen-Anhalts

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte ursprünglich geplant, Kontaktpersonen von Erkrankten anhand ihrer Handy-Standorte zu ermitteln, ihre Bewegung zu verfolgen und gegebenenfalls zu kontaktieren. Nach Kritik aus der Opposition sowie aus Reihen der SPD stellte er diese Pläne jedoch wieder zurück. SPD-Chefin Saskia Esken forderte, so eine App müsse den Datenschutz wahren und freiwillig sein.

Dass bloße Bewegungsprofile aus Daten der Netzbetreiber mögliche Corona-Ansteckungen aufzeigen können, wird wissenschaftlich allerdings bezweifelt. Der Schweizer Kultur- und Medienwissenschaftler Felix Stalder von der Zürcher Hochschule der Künste wies bei Deutschlandfunk Kultur darauf hin, die Daten der Funkzellen seien viel zu grob, um eine tatsächliche körperliche Nähe festzustellen. Auch bei GPS-Daten sei unklar, ob sich Personen beispielsweise in unterschiedlichen Etagen aufhielten. Dennoch unterstützt er das Vorhaben, sofern sich dann öffentliche Institutionen um die Datenauswertung kümmern, dieser Prozess demokratisch geregelt und die Daten abschließend gelöscht werden.

15:42 Uhr | Magdeburg: Ab morgen Hotline bei psychischen Krisen

Das Klinikum Magdeburg will ab Montag eine Hotline für Menschen in akuten psychischen Krisen einrichten. Hintergrund sind laut Ankündigung die massiven Einschränkungen des normalen Lebens. Sie könnten sich stark auf die psychische Gesundheit auswirken, teilte das Klinikum mit. Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie bietet deshalb eine telefonische Beratung an. Patienten sollen so stabilisiert und über weiterführende Hilfe informiert werden.

Psychosoziale Notfallversorgung Die telefonische Beratung der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Magdeburg für Akut-Patienten ist von Montag bis Freitag von 9:00 bis 15:00 Uhr unter der Telefonnummer 0391 7917 348 erreichbar.

15:29 Uhr | Deutschland macht Druck bei Nachschub von Masken und Kitteln

Etliche Kliniken, Praxen und andere medizinische Einrichtungen in Sachsen-Anhalt gelangen bei ihren Schutzkleidungs-Vorräten an ihre Grenzen. Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand wies am Sonntag darauf hin, dass die Mittel in der gesamten Stadt nur noch für neun Tage ausreichen würden.

Derweil versucht die Bundesregierung offenbar, die Beschaffung von Schutzmasken und -kitteln zu beschleunigen. Wie die "Welt am Sonntag" berichtet, wurde ein sogenanntes "Open-House-Verfahren" gestartet. Bei dieser Vorgehensweise finden keine Verhandlungen statt, die Geschäfte sollen dadurch schneller abgewickelt werden. Unternehmen, die auf das Angebot eingehen, müssen dem Bericht zufolge mindestens 25.000 Masken oder Kittel liefern und einen Mindeststandard garantieren.

15:13 Uhr | Deutschland – uneinig Corona-Land

Seit fast einer Woche gelten in Deutschland verschärfte Verhaltensregeln in der Öffentlichkeit, um die Ausbreitung des Coronavirus in Schach zu halten. Die gemeinsamen Leitlinien von Bund und Ländern haben die einzelnen Länder anschließend aber sehr unterschiedlich ausgestaltet. Das zeigt eine Übersicht, die der Berliner Autor Sebastian Erb für die Tageszeitung taz am Wochenende zusammengestellt hat.

Ein Beispiel: Ausweispflicht und geöffnete Buchläden – beides gibt es außer in Sachsen-Anhalt nur in Berlin.

14:55 Uhr | Kontrollen zeigen Corona-Verstöße im Harz, in Magdeburg und Halle

Während das Sonntagswetter das Zuhausebleiben leicht macht – war der milde Sonnabend offenbar für viele Ausflügler zu verführerisch.

Denn obwohl touristische Reisen nach Sachsen-Anhalt wegen des Coronavirus untersagt sind, hat es viele Gäste in den Harz gezogen. Wie die Polizei mitteilte, wurden am Sonnabend im Ilse-Tal und an der Rappbode-Talsperre mehrere hundert Autos und Menschen überprüft. Viele davon seien aus angrenzenden Bundesländern angereist und hätten von den Einschränkungen in Sachsen-Anhalt nichts gewusst. Die Beamten verteilten daraufhin Info-Flyer zum Thema.

Auch Magdeburg meldet Verstöße gegen die Corona-Verordnung. Der Stadt zufolge wurden bei Kontrollen am Sonnabend fünf größere Personengruppen festgestellt. Die größte Gruppe umfasste demnach sieben Personen. Mehrere Strafverfahren wurden eingeleitet. Bei Corona-Kontrollen in Halle sind im gleichen Zeitraum rund 30 Strafanzeigen geschrieben worden.

14:41 Uhr | Jessens Bürgermeister fühlt mit seinen Bürgern

"Emotional wird es große Probleme geben" – das sagt der Bürgermeister von Jessen, Michael Jahn (SPD), über die Quarantäne, unter die Jessen und Schweinitz vergangenen Donnerstag gestellt worden waren. Zwar ist die Stimmung laut Jahn überwiegend "vernünftig, klug und besonnen". Der Rathauschef weiß aber dennoch, dass die Einschränkungen gravierend sind. "Das trifft die Stadt schon extrem", sagte Jahn. Man habe zwar Erfahrung mit Bränden und der Flut. Nun könne man aber nichts entgegensetzen. Die zwei Wochen Quarantäne können laut Jahn "sehr lang werden". Am Wochenende meldete sich Jahn bei MDR SACHSEN-ANHALT per WhatsApp-Sprachnachricht. Mit Verweis auf die Stadtfarben beider Orte sagte er:

Michael Jahn, Bürgermeister von Jessen,
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schwarz-Gelb und Grün-Weiß halten zusammen. Leute, ich bin stolz auf euch, wie ihr den Einstieg in die Quarantäne geschafft habt. Und ich weiß, wie beschissen das für viele von euch war.

Michael Jahn (SPD), Bürgermeister von Jessen (Elster)

In der Stadt Jessen gibt es laut Jahn aktuell 43 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus. Im ganzen Landkreis Wittenberg sind es 64. (Anmerkung der Redaktion, Stand 18:50 Uhr: Im gesamten Landkreis Wittenberg gab es am Sonntagnachmittag 80 nachgewiesene Infektionen.)

14:16 Uhr | Ergänzung: Ein Covid-19-Erkrankter in Pflegeheim gestorben

Im besagten Pflegeheim im Johannes-Jänicke-Haus in Halle hat es auch einen Todesfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus gegeben. Das erklärte Oberbürgermeister Bernd Wiegand. Dies ist der bislang dritte Fall in Sachsen-Anhalt. Der Mann aus Halle starb demnach am Sonntagmittag. Er war den Angaben zufolge mit dem Coronavirus infiziert – und hatte per Patientenverfügung ausdrücklich keine medizinische Behandlung gewünscht.

14:07 Uhr | Zwei Pflegeheime in Halle melden Covid-19-Fälle

In Halle ist in gleich zwei Pflegeheimen Covid-19 bei Pflegepersonal festgestellt worden. Darauf hat Halles Oberbürgermeister Wiegand am Mittag in seiner täglichen Pressekonferenz hingewiesen. Teile des Heims im Johannes-Jänicke-Haus stünden nun unter Quarantäne – 55 Bewohner sind davon betroffen. Zuvor war bei einer Pflegerin der Corona-Test positiv ausgefallen, sagte Wiegand. Daraufhin seien alle 152 Bewohner getestet worden, 13 von ihnen seien mit dem Coronavirus infiziert. Sie alle hätten keinerlei Symptome. Amtsärztin Gröger sagte, das zeige, wie tückisch das Virus sei.

Wie Wiegang außerdem informierte, wurde auch im Seniorenheim Am Theater ein Mitarbeiter aus der Pflege positiv auf Covid-19 getestet. Nun seien bei 24 Bewohnern Abstriche genommen worden. Ergebnisse der Tests sollen am Montag kommen.

13:50 Uhr | Brockengipfel ist menschenleer

Das Wetter in Sachsen-Anhalt ist heute ziemlich ungemütlich. Dank Regen, Wind und Schnee im Harz hält es viele in der Wohnung. Auf dem Brocken ist auch kaum eine Menschenseele unterwegs. Und gemütlich ist es dort nicht wirklich, zeigen Bilder unseres Reporters.

Blick auf den menschenleeren Brockengipfel bei Schneesturm
Menschenleer: Auf dem winterlichen Brockengipfel war am Sonntagmittag niemand unterwegs. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß

Die Devise lautet also weiterhin: Zu Hause bleiben! Und dabei vielleicht einen neuen Podcast hören?! Die Bundeszentrale für politische Bildung hat etwas Neues im Angebot. Es geht um Fake News in Zeiten der Corona-Krise.

13:37 Uhr | Knapp 40 neue Infektionen gemeldet

Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus ist in Sachsen-Anhalt auf 635 gestiegen. Das zeigen soeben veröffentlichte Zahlen der Behörden. Zuletzt hatte die Zahl der bestätigten Infektionen bei knapp unter 600 gelegen.

13:29 Uhr | Katzenblues

Was machen eigentlich Künstler, die wegen der Corona-Krise nicht auftreten können? Die Bühnen Halle lassen ihre Follower auf Twitter Tag für Tag daran teilhaben. Heute: Wenn Puppenspielerinnen einen Katzenblues präsentieren. Etwas Abwechslung am Sonntagnachmittag!

13:16 Uhr | Wie Corona ein Dorf in der Altmark belastet

Was macht die Corona-Krise mit Menschen auf dem Dorf? Mit Spargelbauern oder Schaustellern, denen nun Einnahmen wegbrechen. Eines können wir Ihnen sagen: Die Lage ist dramatisch. MDR SACHSEN-ANHALT-Reporter Daniel George hat das bei einem Besuch im Altmark-Dorf Cobbel erfahren. Seine Eindrücke finden Sie hier.

13:02 Uhr | Initiativen, um Unternehmen zu retten

Wie können Unternehmer trotz geschlossener Geschäfte wenigstens ein bisschen Geld verdienen? Diese Frage treibt viele Händler um. Glücklicherweise gibt es in Sachsen-Anhalt inzwischen mehrere Initiativen, die sich darum kümmern wollen. In Magdeburg etwa ist seit dieser Woche ein lokaler Online-Marktplatz am Start, MDR SACHSEN-ANHALT hat darüber berichtet. In Halle gibt es die Initiative "Start-Ups gegen Langeweile". Mehrere Start-Ups aus der Saalestadt bieten eine Probierbox mit Produkten von sieben Start-Ups aus der Lebensmittelbranche. Die Aktion läuft seit Donnerstag und wurde den Initiatoren zufolge bislang gut angenommen.

Und auch in der Altmark gibt es Ideen: Dort listet der Regional- und Tourismusverband jetzt alle Gewerbetreibenden auf, die ihre Produkte trotz aller Einschränkungen zum Abholen anbieten oder gar ausliefern.

12:46 Uhr | #miteinanderstark: Café in Magdeburg bedankt sich bei medizinischem Personal

#miteinanderstark – das ist in diesen Wochen die Devise, um die Corona-Krise zu überstehen. Eine tolle Aktion hat sich das Magdeburger Café am Domfelsen einfallen lassen. Mit kostenlosen belegten Brötchen hat das Café allen Ärzten, Pflegern und dem Personal im Klinikum Olvenstedt gedankt.

12:18 Uhr | Andrang beim Wertstoffhof

"Wenigstens ein bisschen was machen" – das wünschen sich im Moment viele Menschen in Sachsen-Anhalt. Viele zieht es da – soweit vorhanden – in die Gärten. Gut, dass im Salzlandkreis die Wertstoffhöfe weiterhin geöffnet sind. Dort bringen viele im Moment ihren Grünabfall hin. Oft den ersten der Saison. Doch auch hier macht Corona sich bemerkbar: Um ausreichend Abstand zu gewährleisten, dürfen immer nur fünf Kunden auf den Hof. Bislang läuft alles gut, haben wir vor Ort erfahren.

11:57 Uhr | Hunde-Ausführen weiter ohne Bedenken möglich

Wer einen Hund hat, weiß das: Trotz Corona-Krise verlangen Vierbeiner ihren Auslauf – und der ist ja auch nicht verboten. Sachsen-Anhalts Tierschutzbeauftragter Marco König hat jetzt darauf hingewiesen, dass es nach jetzigem Wissensstand nicht nötig ist, Kontakte zwischen Mensch und Tier zu reduzieren. Hunde könnten weiter ausgeführt werden, solange Menschen dabei nicht in Kontakt träten. "Quarantänemaßnahmen für Tiere sind nach bisherigen Kenntnissen nicht notwendig und entbehrlich", sagte König.

11:40 Uhr | Post erarbeitet Notfallplan

Um für alle Fälle vorbereitet zu sein, hat die Deutsche Post einen Notfallplan erarbeitet. Das schreibt die "Welt am Sonntag". Danach listet der Plan auf, wie in Quarantäne-Gebieten zugestellt werden kann. In abgeriegelte Gebiete sollen in Extremsituationen nur Einschreibungen und Sendungen an Behörden oder Gesundheitseinrichtungen geliefert werden.

Sollten 30 Prozent der Post-Zusteller krank werden, sollen Briefe und Pakete nur noch an drei Tagen ausgeliefert werden. Erkranken 80 Prozent der Mitarbeiter, soll nur noch einmal in der Woche zugestellt werden.

Mehr Nachrichten aus Deutschland und der Welt bei MDR AKTUELL.

11:19 Uhr | Haseloff dankt allen Mitbürgern

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hat denen gedankt, die in der Corona-Krise zum Wohle der Gesellschaft arbeiten. In einer auf YouTube veröffentlichten Rede zählte Haseloff eine Reihe von Berufen auf, die in der Krise unverzichtbar seien. Ärzten, Pflegern und Helfern des Gesundheitssystems sagte Haseloff, ohne sie würde das Gesundheitssystem aus den Fugen geraten.

Je besser wir jetzt zusammenstehen, umso schneller sind wir wieder im normalen Leben angekommen.

Reiner Haseloff Ministerpräsident

Für jeden Einzelnen sei die Situation nicht einfach. Die Krise könne aber auch eine Chance sein. Haseloff rief die Bürgerinnen und Bürger auf, weiter zusammenzustehen. Gemeinsam werde man den Wiedereinstieg in ein normales Leben schaffen.

11:02 Uhr | Kontrollen: Keine großen Probleme im Jerichower Land

"Alle Personen waren einsichtig": Das sind Worte, die man aus Mitteilungen der Polizei nicht unbedingt kennt. Umso schöner, dass die Beamten im Jerichower Land am Sonntagmorgen genau das vermelden: Bei zahlreichen Kontrollen im Landkreis wurde nämlich laut Polizei überprüft, ob die Menschen sich an Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbot halten. Einige kleinere Gruppen auf Straßen und in Gärten wurden zwar festgestellt – aber: Nachdem die Polizei noch mal alles erläutert hatte, gingen alle laut Mitteilung einsichtig nach Hause.

10:41 Uhr | Pflegekassen zahlen zusätzliche Schutzausrüstung

Eine Pflegerin und die Bewohnerin eines Pflegeheims schauen zusammen aus dem Fenster
Menschen pflegen ohne Schutzausrüstung – das ist in diesen Tagen nicht möglich. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Die Nachrichten aus Wolfsburg am Sonnabend haben es gezeigt: Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sind besonders vom Coronavirus gefährdet. In dem Heim in Niedersachsen sind seit Beginn der Woche zwölf Bewohner an dem Virus gestorben, Dutzende haben sich infiziert. Nun sichern die Pflegekassen den Heimen und Pflegediensten in der Corona-Krise finanzielle Hilfe zu. Ein Rettungsschirm soll ermöglichen, dass Mehrkosten für Schutzausrüstung oder Personal voll von der Pflegeversicherung übernommen werden.

Gernot Kiefer vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung sagte, Pflegekräfte könnten nicht auf körperliche Distanz gehen. Noch weniger sei Arbeiten im Homeoffice möglich. Persönliche Schutzausrüstung sei deshalb besonders wichtig. Jede zusätzliche Atemmaske, jedes Paar Einmalhandschuhe und jede zusätzliche Flasche Desinfektionsmittel würden eins zu eins finanziert.

10:29 Uhr | Ein Dankeschön an den Pandemiestab

Einfach mal Danke sagen – vor allem denen, die in der Corona-Krise rund um die Uhr arbeiten, um das Virus einzudämmen. Vermutlich sollten viele von uns das in diesen Tagen häufiger als sonst tun. Im Pandemiestab des Gesundheitsministeriums in Sachsen-Anhalt freut man sich in diesen Tagen über Blumen.

10:11 Uhr | Täglich eine Andacht im Netz

Dompropst Tobias Przytarski steht bei der Probe für einen Gottesdienst, der wegen  des Coronavirus ohne Besucher Live gestreamt wird, in Berlin, vor dem Altar.
Viele Pfarrer und Pastoren predigen in der Corona-Krise vor leeren Reihen. Ihre Gottesdienste werden ins Netz gestreamt – wie auf dem Archivfoto in Berlin. Bildrechte: dpa

Sonntag ist Gottesdienst. Unter normalen Umständen jedenfalls. Weil im Moment aber kaum etwas normal ist, sind auch Gottesdienste verboten – jedenfalls mit vielen Gläubigen in der Kirche. Viele Gemeinden streamen die Predigt deshalb im Netz. Auch die Landeskirche von Sachsen-Anhalt bietet täglich eine Andacht an. Heute am Sonntag wird in der Predigt zu Online-Spenden für das Missionswerk in Berlin aufgerufen. Es ist unter anderem Träger des interreligiösen Schul- und Bildungszentrums "Talitha Kumi" in palästinensischen Gebieten. Aktuell sei es von seiner Existenz bedroht, meldet die Landeskirche.

09:43 Uhr | Hälfte der Deutschen hat nichts gegen Handy-Ortung im Kampf gegen Corona

Im Zuge der Corona-Krise spielt das Thema Handy-Ortung in immer mehr Ländern eine Rolle. Mit Handy-Daten sollen mehr Informationen über die Verbreitung des Virus herausgefunden werden. Jeder zweite Deutsche hätte im Kampf gegen das Coronavirus nichts dagegen, hat jetzt eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergeben.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Kelber warnte dagegen: Auch bei Corona dürften keine Grundrechte über den Haufen geworfen werden. Kelber empfahl stattdessen freiwillige Maßnahmen – beispielsweise eine App, mit der man bei einer Infektion all seine Kontakte informieren kann.

09:21 Uhr | Podcast für Ihren Sonntagmorgen

Die Orte Jessen und Schweinitz im Landkreis Wittenberg stehen wegen des Coronavirus seit Donnerstag dieser Woche unter Quarantäne. Eine Belastungsprobe für die rund 8.000 betroffenen Anwohner. Bürgermeister Michael Jahn (SPD) sagt aber, dass die Stimmung "überwiegend vernünftig, klug und besonnen" sei. Ein Hörtipp dazu für Ihren Sonntagmorgen: In unserem wöchentlichen Podcast "Was bleibt" hat MDR SACHSEN-ANHALT-Redakteur Julien Bremer mit einem Mann gesprochen, der in Jessen lebt und von der Quarantäne erzählt.

Ein abgesperrte Hauptstraße und ein Polizeiauto 77 min
Coronavirus: 8.000 Einwohner in Jessen im Landkreis Wittenberg unter Quarantäne Bildrechte: Telenewsnetwork,colourbox, Florian Leue,

Außerdem im Podcast:

09:08 Uhr | Mehr als 100 Sachsen-Anhalter wieder genesen

In Sachsen-Anhalt sind mehr als 100 Menschen wieder vom Coronavirus genesen. Das geht aus Schätzungen des Sozialministeriums hervor. Ungeachtet dessen steigt die Zahl der Neu-Infizierten auch an diesem Wochenende: Mit Datenstand von Sonnabend-Nachmittag waren knapp 600 Menschen in Sachsen-Anhalt mit dem neuartigen Virus infiziert, 33 mehr als noch Freitag.

Etwa 50 Sachsen-Anhalter werden wegen der Infektion mit dem neuartigen Virus aktuell im Krankenhaus behandelt. Deutschlandweit gibt es nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts von Sonntagmorgen knapp 53.000 Infizierte. Etwa 400 Menschen starben.

08:56 Uhr | Viele Beschwerden bei Ordnungsämtern und Polizei

Polizei und Ordnungsämter in Sachsen-Anhalt kämpfen zunehmend gegen eine Beschwerdeflut mit Hinweisen auf Verstöße gegen die Corona-Regeln. Die Stadt Magdeburg hat ihre Einwohner jetzt aufgerufen, überflüssige Anrufe zu unterlassen – beispielsweise, wenn drei Leute auf einer Parkbank sitzen. Halles Oberbürgermeister Wiegand sprach von einem "Herumpetzen". Die Polizei rief noch einmal dazu auf, sich an Vorschriften zu halten. Man kontrolliere und bestrafe gegebenenfalls.

08:33 Uhr | Das Wichtigste am Sonntagmorgen

Einen schönen Sonntagmorgen wünscht Ihnen MDR SACHSEN-ANHALT! Heute ist der 29. März 2020 und noch immer beschäftigt das Coronavirus und seine Folgen sehr viele Menschen bei uns im Land. Deshalb bieten wir Ihnen auch heute einen Newsblog mit allem Wichtigen zur Ausbreitung des Virus.

Falls Sie noch ein wenig müde sind: In der vergangenen Nacht wurden die Uhren auf Sommerzeit umgestellt. Uns steht also ein Sonntag bevor, der eine Stunde kürzer ist.

Wie sich die Lage am Sonnabend entwickelt hat, können Sie in unserem Newsblog von gestern nachlesen:

Quelle: MDR/ld,ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. März 2020 | 07:00 Uhr

3 Kommentare

eddi vor 8 Wochen

Ich würde es begrüßen wenn Blumenläden wieder öffnen, meistens sind sie klein, ohne viele Menschenansammlungen und ein Blumentopf oder Strauß bringt in der jetzigen Zeit Freude und Geburtstage gibt es auch jetzt noch

jackblack vor 8 Wochen

Hoffentlich bleiben die Wochenmärkte offen, war gestern auf dem Alten Markt, Verkäufer und Kunden verhalten sich entsprechend, aber denkt auch an die kleinen Betriebe oder Bauern, die den Umsatz BRAUCHEN.

Hans Frieder leistner vor 8 Wochen

Vielen Dank an das MDR Team Sachsen-Anhalt. Endlich wird auch mal positiv berichtet, daß Menschen auch wieder gesund werden. Sonst liest man doch nur über neue Fallzahlen.

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