Tourismus Sommerurlaub in Sachsen-Anhalt: Diese Regionen sind besonders gefragt

Nach den Lockerungen der Corona-Verordnungen läuft der Tourismus in Sachsen-Anhalt wieder an. Welche Regionen bei Gästen besonders beliebt sind und wo noch Urlaub gebucht werden kann – ein Überblick.

Außenansicht des Havelberger Doms St. Marien
Urlaub in Sachsen-Anhalt: In der Altmark und im Elb-Havel-Winkel, wie hier in Havelberg, gibt es noch Platz für Sommergäste. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Beliebte Ziele: Harz, Goitzsche, Wittenberg

Den Sommerurlaub verbringen in diesem Jahr viele wegen der Corona-Beschränkungen in Deutschland. Auch einige Reiseziele in Sachsen-Anhalt sind beliebt: Im Harz etwa stiegen die Übernachtungszahlen stark an, berichtet der dort ansässige Tourismusverband. So sei zum Beispiel Wernigerode sehr gefragt. Der Family Club Harz in Quedlinburg sowie die Ferienparks in Bad Suderode und Hasselfelde melden bereits höhere Buchungszahlen als im vergangenen Jahr.

Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld ist der Andrang an der Goitzsche besonders groß. Nach Angaben der Goitzsche-Tourismus GmbH stehen viele Wohnwagen am See; der Parkplatz am Pegelturm sei an den Wochenenden voll. "Hier an der Goitzsche ist es so, als ob Corona gar nicht existent wäre", sagte Niklas Jung von der Goitzsche-Tourismus-GmbH. Das Wasser ziehe viele Urlauber an, die sonst zu dieser Zeit zum Beispiel nach Mallorca gereist wären.

Auch die Lutherstadt Wittenberg verzeichnet eine deutliche Zunahme im Tourismus. Besonders stark nachgefragt sind laut Touristeninformation vor allem Camping- und Caravanstellplätze, Ferienhäuser und -wohnungen sowie Privatzimmer. Als Touristen kämen vorwiegend Radtouristen, Familien und Urlauber mit dem Wohnmobil.

Natur funktioniert richtig gut. Die Urlauber wollen ins Grüne und unter sich bleiben. Auf Menschenansammlungen hat derzeit niemand große Lust.

Kristin Ruske, Leiterin Touristeninformation Wittenberg

Auch Radtouren, etwa auf dem Elbe-Radweg, im Elb-Havel-Winkel oder an Saale und Unstrut, sind in diesem Jahr für viele Sachsen-Anhalter eine Urlaubsalternative. Paddeltouren sind ebenfalls beliebt. Veranstalter sehen allerdings Probleme durch die Hygieneauflagen, etwa das ständige Desinfizieren der Kanus und die Bedienung der Gäste anstatt der Verpflegung am Buffet.

Wo noch Urlaub gebucht werden kann

Weniger Nachfrage vermelden derzeit viele Anbieter von Gruppenreisen und Ferienlagern. Die Anbieter setzen nun verstärkt auf Angebote für Familien und kleinere Gruppen. Mit den weiteren Corona-Lockerungen ab Juli hoffen sie auf eine steigende Nachfrage.  

So gibt es beispielsweise in der Altmark und im Elb-Havel-Winkel noch Kapazitäten für Sommergäste. Dem Tourismusverband zufolge sind die Buchungen im Vergleich zum Vorjahr um etwa die Hälfte zurückgegangen. Beim Kindererholungszentrum Arendsee ist von den 54.000 Buchungen Anfang März nur ein Drittel übrig geblieben. Freie Kapazitäten gebe es auch noch an sonst ausgebuchten Orten wie Tangermünde.

Themenbild Urlaubsregion Altmark: Der Sonnenuntergang über dem Arendsee.
Bildrechte: Andrea Schulze | Grafik: Annalise Batista/Pixabay/MDR

Auch rund um das Gartenreich Dessau-Wörlitz gibt es noch freie Betten. Michael Pirl, Inhaber des Hotels "Zum Stein" in Wörlitz und Vizepräsident des deutschen Hotel-und-Gaststätten-Verbands (DEHOGA) von Sachsen-Anhalt, hofft, dass die Zahlen noch anziehen.

Es ist für alle eine große Herausforderung. Wir hoffen, dass der Sommer und der Herbst erfolgreich sein werden. Momentan reichen die Zahlen noch nicht aus.

Michael Pirl, DEHOGA-Vizepräsident Sachsen-Anhalt

Die Jugendherberge in Schierke im Harz ist ebenfalls noch nicht völlig ausgelastet. Erfahrungsgemäß würden die Buchungen aber zu Beginn der Ferien anziehen, hieß es von der Herberge am Brocken.

Corona und Urlaub in Sachsen-Anhalt

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) erwägt, Touristen aus Corona-Risikogebieten die Einreise nach Sachsen-Anhalt zu verbieten. Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bayern haben bereits erste Beschränkungen erlassen. In diese Bundesländer dürfen keine Touristen reisen, wenn sie aus einer Gegend mit vielen Corona-Infektionen kommen. Sachsen-Anhalt will am kommenden Dienstag über ein Verbot entscheiden.

Trotz des Coronavirus können Gäste in Sachsen-Anhalt viele touristische Angebote nutzen. Bei allen gelten die aktuellen Corona-Regelungen. Urlauber sollten an einen Mund-Nasen-Schutz denken, empfehlen Tourismusbetriebe.

Der DEHOGA-Präsident in Sachsen-Anhalt, Michael Schmidt, sagt, dass für Gäste trotz Corona kein Grund zur Sorge bestehe. Es gebe ein tragfähiges Hygienekonzept. "Ich denke, man kann mit gutem Gewissen in Sachsen-Anhalt Urlaub machen."

Corona-Verordnungen: Herausforderung für Gastronomen

Einige Gastronomen haben mit den noch geltenden Corona-Verordnungen zu kämpfen. Ramona Wolf vom Tourismusverband Altmark berichtet, dass die Gastronomen im Umgang mit den Corona-Regeln stark verunsichert seien. "Vor allem fürchten sie, etwas falsch zu machen und dann bei Kontrollen harte Strafen zu bekommen."

Der DEHOGA-Präsident in Sachsen-Anhalt, Michael Schmidt, nennt die Situation eine Herausforderung. Durch die Vorschriften gebe es einen höheren Personalaufwand: Speisekarten und Tische müssten desinfiziert werden. Statt Buffets anzubieten, müssten die Restaurants die Gäste direkt bedienen. Das sei mit Mehrkosten verbunden. Für Landgasthöfe und große Restaurants seien die Regeln leichter umzusetzen als bei kleinen Betrieben oder in der Event-Gastronomie.

Eine steigende Nachfrage sei für einige Betriebe enorm wichtig, so Schmidt. Denn sie müssten die Verluste durch die Corona-Schließungen ausgleichen.

Ich sehe da ein großes Problem für die Gastronomen. Wir haben gut ein Quartal verloren, auch mit der jetzigen Anlaufphase. Das wird im Winter fehlen – in der saisonschwachen Zeit, die im November beginnt.

Michael Schmidt, Präsident des deutschen Hotel-und-Gaststätten-Verbands (DEHOGA) Sachsen-Anhallt

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Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 27. Juni 2020 | 11:10 Uhr

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