Feuerwehrleute löschen einen Brand in einem Wald.
Auch in diesem Frühjahr hat es in Sachsen-Anhalt schon kleinere Waldbrände gegeben. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Matthias Strauss

Anhaltende Trockenheit Wie sich Feuerwehren in Sachsen-Anhalt auf Waldbrände vorbereiten

Wegen der Trockenheit in Sachsen-Anhalt ist die Waldbrandgefahr hoch. Die Feuerwehren sind in Alarmbereitschaft, haben aber aus dem Hitze-Sommer 2018 gelernt. Sie brauchen allerdings dringend weitere Ausrüstung, die sie aus Geldmangel jedoch erst einmal nicht bekommen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Feuerwehrleute löschen einen Brand in einem Wald.
Auch in diesem Frühjahr hat es in Sachsen-Anhalt schon kleinere Waldbrände gegeben. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Matthias Strauss

Was haben die Feuerwehren aus dem letzten Hitze-Sommer gelernt?

Durch die Erfahrungen aus dem Jahr 2018 hat die Feuerwehr ihre Alarm- und Ausrückordnung für Vegetationsbrände angepasst, außerdem neue Technik wie Pumpen und Schläuche angeschafft. Laut Vorsitzendem des Landesfeuerwehrverbands Sachsen-Anhalt werden nun beispielsweise bei Waldbränden dünnere, leichtere Schläuche eingesetzt, die weniger Wasser verbrauchen.

Bis Mitte Mai soll dazu ein "Waldbrandzug" aufgestellt werden. Er wird aus 50 Mann und 10 bis 15 Fahrzeugen bestehen, die dezentral stationiert sind – nämlich weiterhin an ihren Heimatwachen. So soll der Zug schnell vor Ort sein und trotzdem überregional angefordert und eingesetzt werden können. Der "Waldbrandzug" soll Fahrzeuge mit viel Tankinhalt umfassen und die Wasserversorgung über Strecken bis zu zwei Kilometern sicherstellen können. Dazu werden spezielle Schulungen im Amt für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst durchgeführt.

Wie werden die Wälder überwacht?

In Sachsen-Anhalt gibt es 38 Feuerwachtürme, fast alle sind zurzeit besetzt – aber nicht mit Menschen, sondern mit modernster Technik. Mit Kameras und Sensoren werden große Gebiete überwacht, die Daten gehen an die Waldbrand-Meldezentrale.

Auf einem Hinweisschild werden die Kraftfahrer gebeten, die Zigarettenkippen nicht aus dem Fahrzeug zu werfen.
So gut wie alle Waldbrände werden in Sachsen-Anhalt durch den Menschen verursacht. Bildrechte: dpa

Auch der Waldbrandbereitschaftsdienst ist schon jetzt aktiv, es geht um die Abstimmung mit den Feuerwehren und auch um die Pflege von Waldbrandschutzstreifen. Das sind 200 Kilometer im Land, die laufend "wund gehalten", also umgepflügt, werden. So kann dort nichts wachsen, was in Brand geraten könnte. Die Streifen verlaufen in Abstand von fünf bis zehn Metern parallel zu den Straßen und wurden insbesondere dort angelegt, wo viele Kiefern stehen.

Wichtig: Jeder Einzelne kann laut den Feuerwehren auch selbst etwas tun. Dazu gehört, nicht zu rauchen und keine glimmenden oder brennenden Gegenstände in Wald und Feld sowie angrenzende Straßen zu werfen. Denn 95 Prozent alle Waldbrände in Sachsen-Anhalt werden durch fahrlässiges Verhalten verursacht.

Was brauchen die Feuerwehren in Sachsen-Anhalt?

Wie der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbands Sachsen-Anhalt MDR SACHSEN-ANHALT sagte, brauchen die Kameraden unbedingt leichtere Schutzkleidung. "Bisher sind wir vor allem auf Wohnungsbrände und Brände innen und außen an Gebäuden spezialisiert", so Kai-Uwe Lohse. Dafür sei die dicke Kleidung perfekt, für den Wald jedoch nicht, wo sich Feuerwehrleute Hänge hoch und runter bewegen und sehr mobil sein müssen.

Das Problem sei aber, dass der Brandschutz kommunal geregelt wird – "und über die finanzielle Situation der Kasse muss ich nichts erzählen", so Lohse. Kaufen könne man neue Schutzbekleidung recht schnell, doch die müsse erst einmal finanziert werden.

Feuerwehrleute nachts in der Eisenacher Innenstadt
Viele Feuerwehren haben bisher nur dicke Schutzanzüge für ihre Einsatzkräfte. Bildrechte: MDR/Paul-Philipp Braun

Hat die Feuerwehr in Sachsen-Anhalt Löschhubschrauber?

Nein, das wäre zu teuer.

Wenn Brände aus der Luft bekämpft werden müssen, kann die Feuerwehr aber Hubschrauber von anderer Stelle nutzen: Es gibt in Sachsen-Anhalt einen Polizeihubschrauber mit Außenlastbehälter, der 500 Liter Wasser fasst. Dazu hat die Bundeswehr am Standort Holzdorf zwei Hubschrauber, die je 5.000 Liter Wasser transportieren können.

Was will der Feuerwehrverband?

Der Deutsche Feuerwehrverband fordert deutschlandweit mehr Löschhubschrauber. Auf mindestens "zehn weitere Löschhubschrauber müssten die Wehren zugreifen können, um in der diesjährigen Waldbrandsaison adäquat auf Vegetationsbrände reagieren zu können", so Präsident Hartmut Ziebs.

Ein CH-53 Hubschrauber mit Feuerlöschbehälter der Bundeswehr
Wenn es großflächig brennt, müssen sich Feuerwehren Löschhubschrauber "leihen". Bildrechte: imago/imagebroker

Momentan sei es so, dass die Feuerwehren bei Bundeswehr oder Bundespolizei Hubschrauber anfordern müssten. So sei es bereits vorgekommen, dass im Fall des Falles keine Maschinen zur Verfügung gestellt werden konnten.

Zudem fordert der Präsident des Feuerwehrverbands noch mehr Prävention. Wichtig seien mit Feuerwehrfahrzeugen befahrbare Waldbrandschneisen und ausgewiesene Löschteiche. "Das brennbare Material auf dem Waldboden muss begrenzt werden – je höher sich etwa abgestorbene Äste oder umgefallene Bäume in einem bewirtschafteten Bereich türmen, umso wahrscheinlicher ist eine schnelle Brandausbreitung", so Ziebs.

Wo sind die höchsten Waldbrandstufen ausgerufen? 

Es ist erst Ende April, doch die Waldbrandwarnstufen wurden schon jetzt hoch gesetzt: Vor allem der Norden und Osten von Sachsen-Anhalt sind betroffen. Dort gelten die Stufen 4 und sogar die höchste Waldbrandwarnstufe 5 – wie im Landkreis Stendal und dem Jerichower Land. Dort darf der Wald zwar noch betreten werden, Spaziergänger müssen aber auf den Wegen bleiben. Die Forstbehörde und die Waldeigentümer dürften den Wald sogar sperren.

Die zweithöchste Stufe 4 ist aktuell im Burgenlandkreis erreicht, aber auch im Kreis Wittenberg, im Altmarkkreis Salzwedel und selbst in Halle. Solch einen extrem trockenen Frühling gab es in Sachsen-Anhalt seit zehn Jahren nicht mehr.

Was sagen die Winzer und Obstbauern?

Die Winzer befürchten, dass sich die Situation von 2018 verschärft wiederholen könnte. Der Ertrag war damals durch die Trockenheit um ein Viertel geringer ausgefallen als in normalen Jahren. Dazu gab es auch im Winter 2019 wenig Niederschläge in den Anlagen. So sei noch nicht ausgeglichen, was an Nässe im Boden fehlt. Viele Winzer aus der Saale-Unstrut Region überlegen nun, ob sie sich Bewässerungsmöglichkeiten anschaffen bzw. resistentere Sorten anbauen.

Die Obstbauern können dagegen nicht klagen. Die Blüte bei Äpfeln, Kirschen, Birnen und anderen Obstsorten liefe hervorragend, hieß es vom Landesverband "Sächsisches Obst", der auch in Sachsen-Anhalt Betriebe hat.

Wird es 2019 für Ernteausfälle wieder Geld vom Land geben?

Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert schließt aus, dass es ein weiteres Mal Dürrehilfen für Landwirte gibt. Sie sagte MDR AKTUELL, dass die Hilfen im Jahr 2018 eine einmalige Aktion gewesen seien. Das könne man nicht jedes Jahr wiederholen. Sie teile allerdings die Befürchtung, der kommende Sommer könne schlimmer als der im vergangenen Jahr werden. Schon jetzt gebe es zu wenig Wasser, die Bodenwasservorräte seien nur zur Hälfte gefüllt. Die Lösung für sie: Bauern müssten sich kundig machen, wie sie sich im Umgang mit derartigen Wetterextremen besser aufstellen können. Dafür würden vom Land Angebote gemacht.

Wann regnet es endlich?

Am Freitag wird es laut Wetterstudio des MDR im Lauf des Tages Schauer und Gewitter geben, vor allem im Osten und Süden von Sachsen-Anhalt. Sonnabend sollen dann flächendeckend Schauer kommen und der Tag wechselhaft werden. Vom Deutschen Wetterdienst (DWD) hieß es, durch den Regen müsste die Waldbrandgefahr in den meisten Regionen in Sachsen-Anhalt voraussichtlich auf die Stufen 1 bis 2 sinken. Wie ein Sprecher des DWD aus Leipzig sagte, werden die Niederschläge aber nicht genügen, die bisherige Trockenheit in den Böden auszugleichen. Im Vergleich zum langjährigen Mittel sei der April viel zu trocken.

Quelle: MDR/lk,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 23. April 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. April 2019, 08:24 Uhr

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11 Kommentare

26.04.2019 21:31 DER Beobachter 11

Unter Wikipedia war zu lesen, dass di Einrichtung einer Berufsfeuerwehr im jeweiligen Landesrecht geregelt sei, aber das Übliche, dass Städte ab 100 000 EW eine BF haben. Ich glaube mich zu erinnern, dass es mal eine Regelung gab, die das an der Anzahl der tatsächlichen Einsätze im Jahr festmachte?

26.04.2019 16:37 DER Beobachter an C.T. 8 10

Unsere schönen Deutschen Eichen und die märkischen Fichten abholzen? Oh nein... Lammbraten übrigens, Lammbraten! Hühnchen ist auch ok..., sogar Rindfleisch. OmG, was für ein Kommentar!

26.04.2019 15:00 Mediator an Leser(5) 9

Wenn man bedenkt, dass es in Deutschland nur um die 110 Berufsfeuerwehren gibt und denen über 20.000 Freiwillige Feuerwehren entgegenstehen, dann wird klar, dass es wohl einen Grund dafür geben mag.

Man darf sich gerne vorstellen welche Kommune sich eine Berufsfeuerwehr leisten kann, deren Stärke bei einem Löschzug ja durch die geforderte Schichtfähigkeit schon bei mindestens 60 Mann liegen muss. Weiterhin wird sehr schnell klar, dass ein einzelner Löschzug bei einem Flächenbrand nur eine begrenzte Wirkung hat.

@DER Beobachter(6): Respekt gegenüber anderen Menschen lässt sich leider nicht verordnen. Dass es dumm ist Hilfskräfte zu beschimpfen die mir grade den Weg zur Arbeit erschweren, mir aber morgen vielleicht mein Leben retten, liegt auf der Hand.

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