Umfrage von MDR SACHSEN-ANHALT Klimaschutz: Mehrheit will nicht auf Flugreisen und Kreuzfahrten verzichten

Fernreisen liegen bei der Urlaubsplanung im Trend, auch Kreuzfahrten werden immer beliebter – und die Mehrheit der Deutschen will auch aus Klimaschutz- und Umweltgründen nicht darauf verzichten. Das hat MDR SACHSEN-ANHALT mit einer repräsentativen Umfrage gefragt. Hier die Ergebnisse.

Flugzeuge mit Kondensstreifen am Himmel
Weniger Reisen wegen des Klimaschutzes? Mehr als die Hälfte der Umfragen-Teilnehmer wollen nicht auf Flugreisen und Kreuzfahrten verzichten. (Fotomontage) Bildrechte: imago images/Christian Ohde

Ist nachhaltiger Tourismus Reisenden wichtig? Denkt man bei der Buchung von Flugreisen oder Kreuzfahrten an die klimaschädlichen Wirkungen des Reisens?

Das wollte MDR SACHSEN-ANHALT mit einer repräsentativen Umfrage, durchgeführt von dem Meinungsforschungsinstitut Civey, wissen. Auf die Frage: "Haben Sie vor, 2020 aus Klimaschutzgründen auf Flugreisen oder Kreuzfahrten zu verzichten?" haben mehr als die Hälfte der Teilnehmer ablehnend geantwortet. Demnach haben knapp 55 Prozent mit "Nein, auf keinen Fall" oder "Eher nein" abgestimmt.

Zustimmend haben sich fast 40 Prozent der Befragten geäußert. 39,8 Prozent der Befragten hat die Frage mit "Ja, auf jeden Fall" oder "Eher ja" beantwortet. Das heißt, diese Teilnehmer können sich vorstellen, im neuen Jahr 2020 den Klimaschutz bei ihrem Reise- und Urlaubsverhalten zu beachten (statistischer Fehler: 2,5 Prozent).

Die Ergebnisse der Umfrage: "Haben Sie vor, aus Klimaschutzgründen auf Flugreisen oder Kreuzfahrten zu verzichten?"

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Eine kleine unterschiedliche Tendenz lässt sich in der Aufteilung zwischen Ost und West ablesen. Während 63,9 Prozent der Ostdeutschen nicht auf Flugreisen und Kreuzfahrten verzichten wollen, ist die Ablehnung im Westen mit 52,5 Prozent nicht ganz so hoch (statistischer Fehler: 3,8 Prozent).

Große Unterschiede bei Alter und Geschlecht gibt es für bei dieser Haltung nicht. In allen Altersgruppen, von den 18 bis 29-Jährigen bis zu der Gruppe 65 plus, liegt die Ablehnung zwischen 56,9 und 50,1 Prozent (statistischer Fehler: 5,8 Prozent). Auch Frauen und Männer beantworten diese Frage relativ homogen zwischen 53,8 und 55,6 Prozent (statistischer Fehler: 3,2 Prozent).

Über die Umfrage

Die genaue Fragestellung der bevölkerungsrepräsentativen Umfrage lautet: "Haben Sie vor, 2020 aus Klimaschutzgründen auf Flugreisen oder Kreuzfahrten zu verzichten?", mit den Antwortmöglichkeiten "Ja, auf jeden Fall", "Eher ja", "Unentschieden", "Eher nein" und "Nein, auf keinen Fall".

Das Meinungsforschungsinstitut Civey berücksichtigte für das Gesamtergebnis die Antworten von 5.023 Befragten. Das Gesamtergebnis ist repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse beträgt 2,5 Prozent. Damit ist die maximale Abweichung der Ergebnisse, die man mithilfe der Stichprobe erzielt hat, von den realen Werten in der Grundgesamtheit gemeint. Der Befragungszeitraum war vom 18. Dezember 2019 bis zum 7. Januar 2020.

Starke Ablehnung bei CDU/CSU-, FDP- und AfD-Wählern

Interessant ist auch ein Blick auf das Wahlverhalten der Befragten. Hier ist deutlich sichtbar, dass eine ablehnende Position zu dieser Frage mehrheitlich, mehr als 70 Prozent, bei Wählern der CDU/CSU, FDP und AfD vorkommt (statistischer Fehler: 6,8 Prozent). Am deutlichsten ist die Ablehnung unter AfD-Wählern zu sehen. 80,9 Prozent der Befragten gaben an, auf keinen Fall auf Flugreisen und Kreuzfahrten verzichten zu wollen. 7,8 Prozent der AfD-Wähler beantworteten diese Frage mit "Eher nein".

Befragte, die Grüne, SPD und Linke wählen würden, beantworteten die Frage zustimmend. 66,3 Prozent der Grünen Wähler gaben die Antwort "Ja" und "Eher ja", bei der SPD sind 56,5 Prozent und bei der Linken 42,5 Prozent.

Wissenschaftlerin: Trend zu nachhaltigem Reisen

Der Airport Heraklion Kazantzakis International Airport, Innenaufnahme in der antiquierten und lieblos gestalteten Check-In Halle. EIne Familie mit Kindern wartet auf den Koffern sitzend auf ihre Abfertigung. 4 min
Bildrechte: imago/MiS

Einen Trend zu nachhaltigerem Reisen scheint zumindest Louisa Klemmer, Professorin für Tourismus an der Hochschule Harz, auszumachen. Sie sagte MDR SACHSEN-ANHALT im Interview: "Nachhaltiger Tourismus geht auf jeden Fall, sehr gut sogar." Man müsse sich nur darüber Gedanken machen, wie man Natur und Kultur erhalten können und was man für die Region vor Ort einbringe. "Weniger All-Inclusive. Das ist für mich nachhaltig", so Klemmer. "Wir können weiterhin reisen, das ist auch wichtig. Wir müssen nur darauf achten, die negativen Auswirkungen so gering wie möglich zu halten."

Zahlen des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) für das Jahr 2019 unterstützen diesen Trend. Tagesreisen mit dem Auto sind laut BTW 2019 überdurchschnittlich stark zurückgegangen. Reisen mit der Bahn haben zugelegt. Auch wenn die Reiselust insgesamt leicht gesunken ist – die Zahl der privaten Reisetage ist im Vergleich zum Jahr 2018 um 0,5 Prozent auf rund 1,7 Milliarden gesunken, haben Flugreisen ins europäische Ausland zugelegt. Kreuzschifffahrten sind sogar im zweistelligen Prozentbereich gewachsen. Für BTW-Präsident Michael Frenzel ist damit klar: "Die viel herbeigeredete Flug- und Kreuzfahrtscham spiegelt sich im Reiseverhalten nicht wider."

Zahlen und Fakten zum CO2-Austoß von Flug- und Schiffsreisen

Laut Umweltbundesamt hat im Jahr 2015 weltweit der zivile Luftverkehr rund 770 Millionen Tonnen CO2 produziert. Das entspricht etwa zwei Prozent der globalen CO2-Emissionen.

Im Jahr 2017 habe in Deutschland der zivile Luftverkehr und 31,2 Millionen Tonnen CO2 produziert. Davon würden etwa 2,1 Millionen Tonnen auf Inlandsflüge entfallen. Im Jahr 1990 lagen die CO2-Emissionen des zivilen Luftverkehrs noch bei rund 14,3 Millionen Tonnen. In dem Zeitraum von 27 Jahren seien damit die CO2- Emissionen des Luftverkehrs in Deutschland um 117 Prozent gestiegen.

Auch wenn Flugreisen und der Schiffsverkehr global relativ wenig zum weltweiten CO"-Ausstoß beitragen, kann Corinna Gather, Emissionsexpertin des Umweltbundsamtes, daher keine Entwarnung geben. Sie sagte dem MDR: "Mit der Zunahme des Luftverkehrs werden immer mehr Treibhausgasemissionen in großer Höhe emittiert. Und in dieser Höhe haben diese Treibhausgasemissionen eine viel schädlicheren Effekt als unten am Boden. In der Höhe wirken sie ungefähr zwei bis vier Mal so stark.

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Quelle: MDR,dpa/mp

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | FAKT IST! | 13. Januar 2020 | 22:05 Uhr

6 Kommentare

C.T. vor 30 Wochen

Ein Klimawandel bedeutet aber auch neue Chancen für die Starken. Das Schwache auf der Strecke bleiben ist nunmal ein Teil der Evolutionsmechanik. Nur diesem Ausschlussprinzip haben wir unsere heutige Existenz zu verdanken.

Rain Man vor 30 Wochen

Warum sollte ich auf Urlaubsreisen verzichten? Weil linke Klimaextremisten gerade verrückt spielen? Und gerade Grüne und deren Wähler fliegen ja bekanntlich am meisten durch die Gegend, da werde ich als AfD-Wähler natürlich einen Teufel tun und auf meinen verdienten Urlaub verzichten.

Ekkehard Kohfeld vor 30 Wochen

Doch sehen die das,nur sind die nicht so Arrugant und glauben sie können das ändern
anstatt sich,wie die Natur das immer gemacht hat,drauf ein zu stellen.
Es wird nur versucht aus der Situation Geld zu machen und der Lemming fällt wieder drauf rein.
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