Mehr und bessere Radwege durch eine zusätzliche Abgabe im Benzinpreis? Für die meisten Deutschen wäre das keine Option. Bildrechte: dpa

Bundesweite MDR-Umfrage

Die meisten Sachsen-Anhalter würden eine Radwegesteuer im Benzinpreis ablehnen

Stand: 15. Juli 2020, 09:28 Uhr

Den Spritpreis anheben und dafür mehr Geld in den Ausbau von Radwegen investieren: Für die Mehrheit wäre das nach einer Umfrage von MDR-SACHSEN-ANHALT keine Option – mit Ausnahme einer Bevölkerungsgruppe.

Für Radwege in Deutschland sind aktuell die Kommunen, Länder und der Bund zuständig. Sie planen und finanzieren den Bau und Erhalt des Radverkehrsnetzes. Darüber hinaus den Ausbau der Radweg-Infrastruktur durch eine zusätzliche Steuer beim Benzin zu stärken, wäre für die Mehrheit der Bevölkerung keine denkbare Option. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten, repräsentativen Online-Umfrage von MDR SACHSEN-ANHALT:

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Deutschlandweit lehnen mehr als 60 Prozent der Befragten eine – so bislang nur in der Theorie existierende – zusätzliche Radwegesteuer ab. Die Ablehnung ist in den neuen Bundesländern höher als im übrigen Bundesgebiet, allerdings nur sehr geringfügig. Die höchsten Zustimmungswerte kamen von Befragten aus den dicht besiedelten Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin:

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Höchste Zustimmung bei jungen Menschen und Grünen-Wählern

Aufschlussreich ist auch ein Blick auf die Wahlabsichten der Befragten. Einzig die Grünen-Wähler würden einer Radwegesteuer mehrheitlich zustimmen (63 Prozent "Ja", 28 Prozent "Nein"). Anhänger aller anderen Parteien hingegen würden eine zusätzliche Abgabe für Radwege mehrheitlich ablehnen, am deutlichsten war das Ergebnis bei AfD-Anhängern (7 Prozent "Ja", 89 Prozent "Nein").

Betrachtet man das Alter der Befragten, überwiegt die Zustimmung allein bei der jüngsten Altersgruppe (18 bis 29 Jahre). Mit steigendem Lebensalter nimmt die Ablehnung dann immer mehr zu:

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Wie setzt sich der Benzinpreis zusammen?Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums setzt sich der Benzinpreis wie folgt zusammen:

• Produkteinstandspreis: Preis, zu dem die Ware importiert wird.

• Deckungskosten: Deckt die Kosten der Konzerne und ihren Gewinn ab. Darin enthalten ist auch der Anteil für den gesetzlichen Bevorratungsverband von rund einem halben Cent. Im Falle einer Krise sichert er einen Ölvorrat von 90 Tagen ab.

• Energiesteuer: Höhe unterscheidet sich nach den Kraftstoffarten. Die umweltverträglichen Energieträger besteuert der Staat am geringsten.

- Erdgas (CNG, LNG): rund 19 Cent/kg
- Flüssiggas (Autogas): rund 23 Cent/kg
- Diesel: 47,04 Cent/Liter
- Benzin: 65,45 Cent/Liter

• Mehrwertsteuer: Wird auf den Warenpreis und die Energiesteuer erhoben.

Auch wenn Steuern grundsätzlich nicht zweckgebunden erhoben werden dürfen, wird immer wieder öffentlich diskutiert, für welche Zwecke wie viel Geld aus dem jeweiligen Haushalt aufgewendet werden soll. Wird beispielsweise zu viel für Auto- und zu wenig für Radfahrer investiert? Braucht es mehr Platz für Radwege oder strengere Kontrollen von Radfahrern? Im MDR Fernsehen geht am Mittwochabend "exakt - Die Story" diesen Fragen nach:

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Über die Umfrage

Die genaue Fragestellung der bevölkerungsrepräsentativen Umfrage lautete: "Sollte der Benzinpreis eine Radwegesteuer beinhalten, die ausschließlich für den Ausbau des Fahrradnetzes in Deutschland genutzt wird?", mit den Antwortmöglichkeiten:

  • "Ja, auf jeden Fall", "Eher ja" (zusammen: "Ja")
  • "Eher nein", "Nein, auf keinen Fall" (zusammen "Nein")
  • "Unentschieden"


Das Meinungsforschungsinstitut Civey berücksichtigte für das Gesamtergebnis die Antworten von 10.001 Befragten. Das Gesamtergebnis ist repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse beträgt 2,5 Prozent. Damit ist die maximale Abweichung der Ergebnisse, die man mithilfe der Stichprobe erzielt hat, von den realen Werten in der Grundgesamtheit gemeint.

Der Befragungszeitraum war vom 15. Juni bis 17. Juni 2020.

Was ist Civey?

Das Meinungsforschungsinstitut Civey ist ein Unternehmen mit Sitz in Berlin. Civey wurde 2015 gegründet und erstellt repräsentative Umfragen im Internet. Aus diesem Grund arbeitet Civey mit Medienpartnern zusammen – darunter Spiegel Online, Welt, die Funke Mediengruppe, die Sächsische Zeitung, die Mediengruppe Thüringen, Phoenix, der Bayerische Rundfunk – und seit Juni 2019 auch mit MDR SACHSEN-ANHALT. Die Umfragen sind aber auch auf der Homepage von Civey einsehbar.

Was ist das Ziel von Civey?

Nach eigenen Angaben ist Ziel des Unternehmens "allen Menschen, Zugang zu repräsentativer Meinungsforschung zu geben". Um ein wirklichkeitsgetreues Bild der Meinungen zu ermitteln, werden laut Civey die Stimmen in der Umfragenauswertung so gewichtet, wie sie deutschlandweit in der Bevölkerung vorkommen. Außerdem können Nutzer in Echtzeit verfolgen, was Menschen über bestimmte Themen denken. Civey-Mitgründerin Janina Mütze begründete das Ziel: "Der Anreiz bei uns ist, dass du zum allerersten Mal in Echtzeit beziehungsweise die live berechneten repräsentativen Ergebnisse siehst. Wir agieren dabei wirklich mit Transparenz und sagen: Wir bekommen sehr viele Daten von euch Nutzern, aber im Gegenzug bekommt ihr auch etwas zurück."

Wie funktioniert die Methode?

Viele etablierte Meinungsforschungsinstitute wie Infratest dimap, Kantar Emnid, Forsa, Forschungsgruppe Wahlen etc. stützen ihre Erhebungen auf Telefonumfragen. Civey hat sich zum Ziel gesetzt, repräsentative Ergebnisse durch Online-Befragungen zu erreichen. Die Umfragen werden deutschlandweit auf mehr als 25.000 Webseiten monatlich (Stand November 2018) ausgespielt. Dadurch sollen die unterschiedlichsten Zielgruppen erreicht werden. Da, wie auch am Telefon, nicht alle Menschen online erreicht werden können, werden Verzerrungen der Ergebnisse ausgeglichen und Manipulationen verhindert. Die Methode wird durch die Hochschule Rhein-Waal erforscht und wissenschaftlich begleitet.

Woher weiß ich, ob eine Umfrage repräsentativ ist?

Um repräsentative Ergebnisse zu erhalten, benötigt man in der ausgewählten Stichprobe die gleiche Verteilung wie in der Gesamtheit – auf die Bevölkerung bezogen heißt das beispielsweise: Alter und Geschlecht müssen in der Stichprobe die gleichen Verhältnisse aufweisen, wie in der Bevölkerung. Um das zu gewährleisten, muss man in ausreichender Zahl unterschiedliche Menschen befragen. Mit den Farben rot, orange und grün zeigt Civey in den Umfragen an, wie aussagekräftig die Ergebnisse bereits sind. Rot bedeutet zum Beispiel, dass die statistischen Fehler noch über zehn Prozent liegen, bei grün liegen sie unter fünf Prozent. Das Unternehmen zeigt außerdem an, wie viele Menschen an der Umfrage teilgenommen haben, wie viele in der statistischen Berechnung berücksichtigt wurden und legt die Rohdaten offen.

Nach Aussage des Unternehmens erreicht Civey bei etwa 1.200 bis 3.000 Teilnehmer einen statistischen Fehler von drei Prozent. Diese Quote meint die maximale Abweichung der Ergebnisse der Stichprobe von den realen Werten in der Grundgesamtheit gemeint.

Wie kann man an einer Umfrage teilnehmen?

Entdeckt man in einem Artikel eine Umfrage, die einen interessiert, kann man seine Stimme abgeben. Nutzer müssen vorher Alter, das Geschlecht, die Postleitzahl angeben und der Datenverarbeitung zuzustimmen. Nutzer können sich aber auch bei Civey direkt anmelden und dort an verschiedenen Umfragen teilnehmen.

Was passiert mit meinen Daten?

Bei der Registrierung werden sogenannte Stammdaten wie Alter, Geschlecht. Familienstand und Postleitzahl abgefragt. Laut Civey werden diese Daten anonym, ohne Klarnamen erhoben. Nutzer- und Abstimmungsdaten werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert. Vor der Registrierung werden keine Daten von Civey gespeichert.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm:Exakt - Die Story | 15. Juli 2020 | 20:45 Uhr

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