Eine Eichenalle bei Sonnenaufgang.
Eine ethische, juristische und vor allem persönliche Frage: der Umgang mit Sterbehilfe. Bildrechte: imago images/blickwinkel

Umfrage Würden Sie Sterbehilfe in Anspruch nehmen?

Das Thema Sterbehilfe wird immer wieder kontrovers diskutiert. Über Leben und Tod zu entscheiden, ist nicht rechtens und unvereinbar mit dem Schutz des Lebens, heißt es auf der einen Seite. Die Befürworter halten dagegen, jeder Mensch sollte das Recht haben, über seinen eigenen Tod selbst zu entscheiden. MDR SACHSEN-ANHALT möchte von Ihnen erfahren: Können Sie sich vorstellen, Sterbehilfe durch tödliche Mittel in Anspruch zu nehmen?

Eine Eichenalle bei Sonnenaufgang.
Eine ethische, juristische und vor allem persönliche Frage: der Umgang mit Sterbehilfe. Bildrechte: imago images/blickwinkel

Wie wollen wir sterben – und: Wie können wir sterben? Besonders in Grenzsituationen, bei schwerer Krankheit, Schmerzen und anhaltender Bewusstlosigkeit betrifft diese Frage Patienten, Angehörige und Ärzte.

Seit Jahren wird in Deutschland über Sterbehilfe diskutiert. Nach Umfragen möchte eine Mehrheit der Befragten im Falle schwerster Krankheit eine Möglichkeit haben, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen.

Brauchen Sie Hilfe?

Telefon 0800 1110111

Die Telefon-Seelsorge ist rund um die Uhr erreichbar. Der Anruf ist kostenfrei.

Internet www.telefonseelsorge.de

Die einen führen an, dass es nicht richtig sei, über Leben und Tod zu entscheiden. Außerdem verbiete der ärztliche Eid zum Schutz des Lebens, Sterbehilfe zu leisten. Besser als aktive Sterbehilfe sei eine Sterbebegleitung, zum Beispiel durch Hospize, Ehrenamtliche oder Palliativmediziner. So beschreibt beispielsweise der Hospiz- und Palliativverband Sachsen-Anhalt den Leitgedanken seiner Arbeit mit den Worten: "Leben bis zuletzt!". Dazu zähle nicht nur ein menschenwürdiges Sterben, sondern auch die bestmögliche Lebensqualität sowie menschliche Zuwendung.

Die Befürworter hingegen sind der Meinung, dass jeder Mensch das Recht haben sollte, über seinen eigenen Todeszeitpunkt und die Todesart selbst zu entscheiden. Beide Seiten argumentieren mit der unantastbaren Würde des Menschen.

Wie ist Ihre Meinung zu dem Thema?

Die Situation in Deutschland

In Deutschland wird aktive Sterbehilfe als Tötung auf Verlangen (§216 StGB) gewertet und seit 2015 steht mit der Einführung des Paragrafen 217 im Strafgesetzbuch die "geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung" unter Freiheitsstrafe. Oberste deutsche Gerichte befassen sich seit Jahren mit dem Thema. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe verhandelt aktuell wieder Verfassungsbeschwerden (Az Aktenzeichen: 2 BvR 2347/15 u.a.), die sich gegen das Verbot geschäftsmäßiger Sterbehilfe (Paragraf 217 StGB) richten. Ein Urteil wird im Herbst erwartet. Und der Bundesgerichtshof in Leipzig hat im Juli 2019 Ärzte freigesprochen, die Patienten beim Sterben begleitet haben.

In Belgien ist die Sterbehilfe unter bestimmten Umständen erlaubt, in der Schweiz, den Niederlanden und Luxemburg auch.

Welche Formen der Sterbehilfe es gibt

Aktive Sterbehilfe

Ein Arzt oder ein Dritter verabreicht dem Patienten auf Wunsch ein tödliches Medikament. Juristisch wir das als "Tötung auf Verlangen" (Paragraf 216 StGB) bezeichnet, was mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft wird.

Assistierter Suizid

Ein Arzt oder Dritter besorgt und/oder stellt ein tödliches Medikament zur Verfügung. Der Patient nimmt es selbst zu sich. Seit Dezember 2015 gibt es den Paragrafen 217 StGB, der  die "geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung" unter Strafe stellt. Hier drohen bei Verstößen bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Ausgenommen sind Angehörige und dem Menschen Nahestehende, die nicht geschäftsmäßig handeln.

Passive Sterbehilfe

Das Unterlassen oder Abbrechen lebensverlängernder Maßnahmen, wie zum Beispiel künstliche Ernährung, Flüssigkeitszufuhr, Medikamentengabe, Beatmung oder Dialyse.

Die indirekte Sterbehilfe

Der Patient bekommt starke Beruhigungsmittel, der Tod wird in Kauf genommen.

Mehr zum Thema

Quelle: MDR,epd/mp

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | "FAKT IST!"-Bürgertalk | 16. September 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. August 2019, 14:13 Uhr

4 Kommentare

J.Heder vor 10 Wochen

Es ist gut, daß dieses Thema offen angesprochen wird! Ich bin selbst von einer unheilbaren seltenen Krankheit betroffen. Es gibt KEINE Chance auf Heilung, die einzige bekannte Möglichkeit der LINDERUNG hatte ich in 2012. Jetzt lebe ich täglich mit schweren Schmerzen und Ausfällen von Armen und Händen in wechselnder Intensität. Die Füße und Beine haben noch keine Ausfälle aber Schmerzen.
Die Krankheit ist nicht tödlich aber in ständig wechselnden Schmerzen und Ausfällen fortschreitend. Irgendwann lande ich im Rollstuhl und auch in Windeln und dies mit dem Wissen um die unhaltbaren Zustände in der Pflege. Wenn die Schmerzen unbeherrschbar werden; weil die ersten verfügbaren Schmerzmittel den Schmerz bereits nicht mehr wirksam abdecken, möchte ich legal das oder die Mittel zur bewussten Selbsttötung in Würde verfügbar haben. Was ist das für ein Leben, wenn einen die Schmerzmittel halb in Trance versetzen, in die Abhängigkeit führen und die Schmerzen trotzdem nicht mehr erträglich sind!?

Gross vor 10 Wochen

Zunächst Dank, dass Sie dieses dringende Thema in solch ausführlicher Weise besprochen haben. Zwei Anmerkungen dazu:
1. Der "Eid des Hippokrates" ist ein Mythos, den kein Arzt zu schwören hat. Heute gilt das s. g. Genfer Gelöbnis, an das sich Ärzte halten sollen. Es enthält keinerlei Hinweis darauf, dass Sterbehilfe verboten sei.
2. Zum Zeitpunkt der Abstimmung über den § 217 StGB (Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe) sprachen sich wiederholt 75 % der deutschen Bevölkerung für die ärztlich ass. Sterbehilfe aus. In der Ärzteschaft waren es gut 30 % , d. h., vor Allem diejenigen die direkt mit totkranken Menschen zu tun haben. Fazit: Die Parlamentarier hielten bei aller Gewissensfreiheit Parteiraison und kirchliche Forderungen für höherwertig als die Wünsche der großen Mehrheit der Bevölkerung bzw. das Leiden zahlreicher Schwerkranker oder wenigstens die Verringerung leidensbedingter z. T. grausamer Suizide
Es steht zu hoffen, dass das BVerfG diesem Treiben im Herbst ein Ende setzt

Endegutallesgut vor 10 Wochen

Ich möchte jederzeit von dieser Welt gehen, ohne Vorbedingungen, wie Krankheit oder Schmerzen. Wer das nicht versteht, dem entgegne ich, dass dieser, mein Wunsch eine unheilbare, tödliche Krankheit ist, und die Nichterfüllung dieses Wunsches mich psychisch unerträglich schmerzt. So lange man nicht jederzeit milde von dieser Welt gehen kann, werdet ihr weiterhin den Matsch von Eisenbahnschienen einsammeln müssen - aber jammert nicht darüber!

Mehr aus Sachsen-Anhalt