Marco Tullner
Stirnrunzeln bei Bildungsminister Tullner angesichts der aktuellen Lehrerzahlen Bildrechte: dpa

Derzeit fehlen 600 Lehrkräfte Tullner zum Lehrermangel: "Wir stoßen an die Grenze des Machbaren"

Der Lehrermangel sorgt in Sachsen-Anhalt seit Jahren landesweit vermehrt für Unterrichtsausfall. Bildungsminister Marco Tullner hat jetzt erklärt, wie die Situation im laufenden Schuljahr aussieht und wie die weitere Personalsuche läuft. Ein Einblick.

Marco Tullner
Stirnrunzeln bei Bildungsminister Tullner angesichts der aktuellen Lehrerzahlen Bildrechte: dpa

851 Lehrerstellen müssen in Sachsen-Anhalt besetzt werden. Der aktuelle Versuch neues Personal zu finden, ist damit der fünfte in diesem Jahr. Das hat das Bildungsministerium Sachsen-Anhalt am Dienstag bekanntgegeben. Ziel sei es, die ersten Einstellungen, vor allem von Referendaren, noch in diesem Jahr zu realisieren.

Bildungsminister Marco Tullner kommentiert: "Ich hoffe, es gelingt uns, möglichst viele neue Kollegen zu gewinnen. Die derzeit angespannte Situation in der Unterrichtsversorgung werden wir nur mit einem großen Schwung neuer Lehrkräfte beseitigen können. Gleichzeitig wissen wir aber, dass der Bewerbermarkt ähnlich angespannt ist.

So viele Lehrer werden je Schulform gesucht

  • Grundschulen: 139
  • Sekundarschulen: 266
  • Gemeinschaftsschulen: 127
  • Gymnasien: 133
  • Gesamtschulen: 28
  • Förderschulen: 90
  • Berufsbildende Schulen: 67
  • Schulen des zweiten Bildungsweges: 1

Vermehrter Unterrichtsausfall: 600 Lehrer fehlen

Außerdem, so heißt es seitens des Bildungsministeriums weiter, fehlen derzeit etwa 600 Lehrer, um eine Unterrichtsversorgung von 100 Prozent zu gewährleitsten. Dieser Wert hat sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. War im vergangenen Jahr noch zu 99 Prozent der Unterricht gesichert, waren es 2019 nur noch 96,3 Prozent. Die Folge: vermehrter Unterrichtsausfall.

Tullner: "Wir stoßen aber an die Grenze des Machbaren, weil Lehrkräfte derzeit nur begrenzt verfügbar sind. Die aktuelle Situation führt dazu, dass vor allem bei den schulischen Zusatzangeboten Einschränkungen bestehen." Gewerkschaftsvertreter gehen davon aus, dass der Wert im laufenden Schuljahr mit 95 Prozent noch einmal deutlich niedriger sein wird.

Maßnahmen gegen Lehrermangel

In Sachsen-Anhalt ist es für Seiteneinsteiger möglich, Lehrer zu werden. Um die Lehrkräfte wird mit verschiedenen Maßnahmen geworben. So gibt es zum Beispiel die Kampagne "Weltenretter". Hier werden angehende Lehrkräfte schon im Vorbereitungsdienst gezielt nach ihren Wunsch-Einsatzorten gefragt. Gemeinsam mit der Stadt Gardelegen wurde das Programm "Gardelehrer" aufgesetzt – ein regionales Stipendium für Lehrkräfte. Seit 2018 werden zudem sogenannte G-Stellen ausgeschrieben – bei Stellen, die bei früheren Ausschreibungen nicht besetzt werden konnten, wird eine Zulage gezahlt.

Um die aktuelle Ausschreibungspraxis der Stellen zu verbessern, arbeitet das Bildungsministerium jetzt mit einer Globalstelle. Diese soll ermöglichen, dass Personen auch ohne eine schulkonkrete Bewerbung ein Einstellungsangebot bekommen. Außerdem ist ein dauerhafter Stellenpool geplant, auf den die Interessierten auch unabhängig von den Bewerbungsrunden zugreifen können.

Die aktuelle Runde, bei der 851 Lehrerstellen ausgeschrieben wurden, endet am 27. November.

Quelle: MDR/jd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. November 2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 15:36 Uhr

12 Kommentare

Willie vor 3 Wochen

"Wenzel" volle Zustimmung. genauso ist es. Die Aussagen von Herrn Tullner sind reine Heuchelei. Mir sind allein 3 Fälle aus dem eigenen Bekanntenkreis bekannt wo ausgebildete bzw. erfahrene Lehrkräfte abgewiesen wurden und nach Niedersachsen gegangen sind. Ein besonderer Fall: eine erfahrene Mathematik/ Physik Lehrerin wurde, obwohl sie weiter arbeiten wollte in den Ruhestand geschickt!!!! Alles ein Skandal.

nilux vor 3 Wochen

Aus der Schulpflicht ergibt sich für den Staat eine Beschulungspflicht. Dieser Pflicht kommt der Staat (also in diesem Fall Sachsen-Anhalt) nur unzureichend nach. Man könnte ein Einsehen haben, wenn sich dieser Lehrer-Engpass mal auf ein oder zwei Jahre beschränkt. Das Problem ist aber chronisch.
Herr Tullner musste schon unmittelbar nach den ersten Sommerferien nach seinem Amtsantritt seinen Satz "In jeder Klasse wird ein Lehrer stehen" wieder selbst kassieren. Die CDU regiert dieses Land nun schon bereits seit 17 Jahren, die SPD seit 13 Jahren. Somit sind beide Parteien direkt für die Misere verantwortlich. So deutlich muss man das sagen.




Chef vor 3 Wochen

Der Tullner hat keinen Plan und kapituliert auf ganzer Linie!!! Diese Landesregierung wird ihrer Verantwortung nicht gerecht. Wen interessiert es, wenn durch Unterrichtsausfall die Vorbereitung auf das Abitur leidet. Ich schäme mich für Haseloff und Co. Die schlechteste Politik seit der Wende!!!!

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