Schüler waehrend einer Unterrichtsstunde.
Wenn Lehrer fehlen, fehlt den Kindern Wissen. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Lehrermangel Von Januar bis April: 240.000 Stunden Schulausfall

Die Unterrichtsversorgung in Sachsen-Anhalt ist laut GEW so schlecht wie noch nie. Zehntausende Stunden sind allein schon in diesem Jahr ausgefallen. Das sei katastrophal. Das Bildungsministerium spricht jedoch von Panikmache.

Schüler waehrend einer Unterrichtsstunde.
Wenn Lehrer fehlen, fehlt den Kindern Wissen. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Die Unterrichtsversorgung an Sachsen-Anhalts Schulen ist so schlecht wie noch nie nach der Wende. Das hat die Lehrergewerkschaft GEW MDR SACHSEN-ANHALT mitgeteilt. Vorsitzende Eva Gerth sagte: "Wir halten das, was im Moment läuft, für eine Katastrophe. So kann mit Schulen nicht weiterverfahren werden." Man brauche endlich mehr Einstellungen. Gerth: "Wir brauchen jeden Kollegen, der sich in Sachsen-Anhalt bewirbt, wenn er nicht gerade eine Vier hat." Noch immer aber würden etliche Bewerber weggeschickt.

Eva Gerth, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
Eva Gerth von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aus einer Anfrage der Linken im Landtag geht hervor, dass zwischen Januar und April dieses Jahres 240.000 Stunden ohne Vertretung ausgefallen sind. Das entspricht laut GEW fast sechs Prozent des Unterrichts. Gerth: "Das Bildungsministerium tut gut daran, hier nicht abzuwinken und zu verharmlosen, sondern das zur Kenntnis zu nehmen und dem entgegen zu wirken." Trotz steigender Schülerzahlen gibt es immer weniger Lehrer. Vor zehn Jahren unterrichteten noch rund 1.000 Lehrer mehr – bei etwa gleicher Schülerzahl wie heute.

Das Schlimme ist, dass wir das Ende der Fahnenstange noch nicht sehen. Dass das, was wir jetzt als schlimm empfinden, im nächsten Schuljahr mit hoher Wahrscheinlichkeit noch schlimmer werden wird.

Thomas Lippmann Bildungspolitischer Sprecher Linksfraktion

Linke-Fraktionschef Thomas Lippmann sagte MDR SACHSEN-ANHALT, was man jetzt als schlimm empfinde, werde im nächsten Schuljahr mit hoher Wahrscheinlichkeit noch schlimmer werden. Es gebe zu wenig Lehrer und von den Lehrern im Dienst würden viele durch die hohe Belastung häufiger krank. Auch er pocht darauf, dass weiter in großem Umfang neue Lehrer eingestellt werden. In den vergangenen vier Jahren ist laut Lippmann das Unterrichtsangebot um zehn Prozent zurückgegangen. Das entspreche einem Schuljahr.

"Enorme Anstrengungen" an den Schulen

Stühle stehen auf Tischen in einem leeren Klassenzimmer
Vor zehn Jahren gab es bei etwa gleicher Schülerzahl noch 1.000 Lehrer mehr. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Der Sprecher des Bildungsministeriums, Stefan Thurmann, nennt das "Panikmache". Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es gebe nicht nur Unterrichtsausfall, sondern es würden bei kranken Lehrern auch Klassen zusammengelegt oder Vertretungsstunden durch fachfremde Lehrer angeboten. Es gebe im Schulamt und in jeder Schule "enorme Anstrengungen", um den Unterrichtsausfall so gering wie möglich zu halten.

Thurmann zufolge lässt sich noch nicht sagen, ob alle zuletzt ausgeschriebenen 610 Lehrerstellen besetzt werden können. Ziel sei es aber, zum 1. August die größtmögliche Zahl an Lehrern in den Schulen zu haben.

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Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 13. Juni 2018 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2018, 12:52 Uhr

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2 Kommentare

14.06.2018 09:59 Thomas Dahnke 2

Diejenigen, die es jetzt erfragen, die haben in den 90iger Jahren mit diesem unseligen Tarifvertrag erst die Personalkatastrophe erzeugt. Und es war absehbar und es ist angesagt worden, dass man mit dieser Bugwelle, die man auf diese Weise ganz bewusst und unsäglich kurzsichtig erzeugt, sich in der Zukunft genau dieses demografische Problem organisiert! Und nun ist die Zukunft da … und die Leute zeigen jetzt mit den Fingern auf die anderen? Und es gibt welche, die fordern, dass genau diejenigen wieder Verantwortung bekommen sollen? Das ist doch ein Witz, oder???

13.06.2018 13:38 J. Hirsch 1

Ich sag mal so, seit 2002 ist S-A CDU-geführt und seit 2006 hilft die SPD kräftig mit, dass solche Artikel eine Grundlage haben.
Vielleicht sollte man mal jemand anderen regieren lassen, beispielsweise diejenigen, die den Umfang der ausgefallenen Stunden erfragt haben?