Sexueller Missbrauch Bischof Feige: "Kirche muss sich Vergangenheit massiv stellen"

Im Vatikan sind am Donnerstag hunderte Bischöfe aus der ganzen Welt zusammengekommen, um mit Papst Franziskus den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche aufzuarbeiten. Zwischen 1946 und 2014 waren allein in der katholischen Kirche in Deutschland mindestens 3.677 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht worden, davon 18 im Bistum Magdeburg. Die Erwartungen an das Treffen sind deshalb hoch – auch in Sachsen-Anhalt.

Gewitterwolken ziehen über den von der Sonne angestrahlten Petersdom
Der Petersdom steht wie kaum ein anderes Gebäude für den Vatikan. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Im Vatikan soll ab Donnerstag der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche aufgearbeitet werden. Papst Franziskus hat dazu knapp 200 Bischöfe und Geistliche aus aller Welt eingeladen.

Bischof Gerhard Feige
Bischof Gerhard Feige setzt Hoffnungen in das Treffen im Vatikan. (Archivfoto) Bildrechte: IMAGO

Bischof Gerhard Feige aus dem Bistum Magdeburg sagte MDR SACHSEN-ANHALT vor Beginn des Treffens, die Kirche müsse sich ihrer Vergangenheit "kritisch und massiv" stellen. Es sei wichtig, dass Kirchenvertreter aus aller Welt an dem Treffen teilnähmen. Nicht überall werde sexueller Missbrauch so konsequent wie in Deutschland aufgearbeitet. Das Treffen sei ein Versuch, Bischöfe zu sensibilisieren. Ihnen müsse deutlich gemacht werden, "dass das ein echtes Problem ist und keine Bagatelle".

18 Opfer im Bistum Magdeburg

Große Hoffnungen in die Konferenz setzt auch der Leiter der Kommission, die im Bistum Magdeburg Verdachtsfällen von sexuellem Missbrauch nachgeht, Nikolaus Särchen. Särchen sagte MDR SACHSEN-ANHALT, ihm sei aber klar, dass sich nächste Woche noch nichts verändert habe. Die Konferenz könne nur ein erster Impuls sein, dem weitere Schritte folgen müssten: "Wir sprechen über eine Weltkirche mit vielen Nuancen. Nicht alle werden sagen: 'Hurra, jetzt gehen wir einen neuen Weg.'"

Nicht alle werden sagen. 'Hurra, jetzt gehen wir einen neuen Weg.'

Nikolaus Särchen, Leiter einer Kommission, die Missbrauchsverdachtsfälle im Bistum Magdeburg prüft

Eine Studie im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz hatte vergangenes Jahr gezeigt, dass in Deutschland zwischen 1946 und 2014 mindestens 3.677 Kinder und Jugendliche Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche geworden sind. Im Bistum Magdeburg wurden in dieser Zeit 18 Opfer ermittelt.

Die katholische Kirche in Deutschland wird bei dem Treffen im Vatikan vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, vertreten. Das Treffen soll bis Sonntag gehen, auch Vertreter mehrerer Betroffeneninstitutionen sind vor Ort.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21.02.2019 | 07:00 Uhr

Quelle: MDR/ld

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2019, 19:30 Uhr

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5 Kommentare

23.02.2019 02:53 Querdenker 5

Vielleicht müssen Täter sich am Ende wirklich vor einer höheren Instanz verantworten und landen in der Hölle, die sie selbst auf Erden erschaffen haben?

Denke ich an die Kirche, dann denke ich nicht an Gott.

Zitat Bibel (Matthäus - Kapitel 7): „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringt gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“

Die Kirche hat viele „arge Früchte“ in ihrer Geschichte hervorgebracht.

22.02.2019 20:32 Querdenker 4

@Denkschnecke 3

Die Kirche ist nicht nur ein Konzern der Profite erwirtschaftet, sondern auch ein Konzern der sich in die Politik zu oft einmischt.

siehe „hdp Religion ist Privatsache und hat in der Politik nichts verloren“
Zitat: „Religion ist Privatsache und hat in der Politik nichts verloren. Warum das so sein sollte, zeigt ein Blick in die Geschichte oder in heutige Staaten, in denen diese Trennung nicht herrscht (beispielsweise in Saudi Arabien).“

Jesus hätte eine Zitat „derartige Kirche“, mit diesen Skandalen und Verfehlungen in der Geschichte denke auch nicht gut geheißen.

Diese „derartige Kirche“ ist finde als „Stellvertreter Gottes“ unwürdig.

Die „Kirchenprivilegien“ sollten eingeschränkt werden. Gerade auch in Hinblick auf andere Weltanschauungen.

22.02.2019 13:29 Denkschnecke 3

@2 Querdenker:
Das könnte manchem so passen, auf diesem Wege Kirche an sich abzuschaffen. Am besten die lutherische und alle anderen Konfessionen gleich mit, oder wie?
Sie verstehen unter "Privatsache" offenbar, dass Christen öffentlich gar nicht sichtbar sind. Aber zum chrristlichen Glauben - genauso wie zum Islam - gehört die Gemeinschaft elementar dazu. (Der Meinung war der von Ihnen zitierte Jesus übrigens selbst.) Gott sei Dank ist die Religionsfreiheit nach wie vor im Grundgesetz geschützt.

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