Neue Liste Viele Gebiete in Sachsen-Anhalt kommen als Standort für Atommüll-Endlager in Frage

Weite Teile Sachsen-Anhalts kommen als Standort für ein Atommüll-Endlager in Frage. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) legte am Montag eine Liste vor. 23 Gebiete in Sachsen-Anhalt werden erwähnt. Konkete Orte sind noch nicht dabei. In den kommenden Jahren soll die bundesweite Suche nach einem Endlager fortgesetzt werden.

Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben
Fast ganz Sachsen-Anhalt besitzt Gebiete, die als atomare Endlager in Frage kämen. Bildrechte: IMAGO

Auf der Bundespressekonferenz in Berlin hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) am Montag die möglichen Gebiete für die Atommüll-Endlagerung in Deutschland verkündet. In einem knapp 400 Seiten langen Bericht sind über 90 Teilgebiete aufgelistet, die als solche in Frage kämen. Laut Stefan Studt, Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung, sind 54 Prozent der bundesdeutschen Fläche momentan geeignet, darunter weite Teile Sachsen-Anhalts.

Norden Sachsen-Anhalts besonders geeignet

Besonders die Altmark kommt nach Meinung der Experten für Standorte in Frage. Dort gibt es viele Böden mit Tongestein und Steinsalze. Insgesamt werden in dem Bericht 23 Teilgebiete in Sachsen-Anhalt aufgeführt, teils reichen sie über Ländergrenzen hinweg. Alle 14 Landkreise und kreisfreien Städte sind mit dabei.

Teilgebiete für ein Atommüllendlager in Deutschland mit markierungen in den Farben lila, blau und orange
Der ausführliche Zwischenbericht erläutert auf über 400 Seiten alle möglichen Flächen mit den jeweiligen Beschaffenheiten. Bildrechte: GDI-TH, Esri, HERE, Garmin, FAO, NOAA, USGS

Vereinzelt werden in der Liste auch konkrete Orte genannt, so etwa die Salzstruktur Waddekath. Der Ort im Altmarkkreis Salzwedel hat bereits in den vergangenen Monaten befürchtet, als Standort ausgewählt zu werden. Die rund 140 Einwohner des Dorfes an der Grenze zu Niedersachsen kündigten Proteste an, falls ihr Ort in die engere Auswahl fallen sollte.

In Waddekath liegt vor allem Steinsalz unter der Erde. Das sei gut geeignet, weil es eine hohe Wärmeleitfähigkeit besitze, geht es aus dem Zwischenbericht zu den Teilgebieten des BGE hervor. Mitte der 1990er Jahre gab es schon einmal erste Überlegungen dort ein Endlager zu errichten. Die Einwohner sind strikt dagegen.

Süden Sachsen-Anhalts käme auch in Frage

Für ein Atommüll-Endlager kommen weitere Regionen in Sachsen-Anhalt in Betracht. Gebiete, die Steinsalze aufweisen, gibt es ebenso in den Landkreisen Börde, Harz und dem Salzlandkreis. Auch Regionen im Burgen- und Saalekreis wurden als geeignet gesehen. Hier lagern Steinsalze in einer angemessenen Lage und Tiefe. Im Landkreis Wittenberg, im Osten Sachsen-Anhalts, sind Gebiete auserkoren wurden, weil sich hier kristallines Wirtsgestein, wie Granit befindet.

Haseloff sieht geringe Wahrscheinlichkeit für ein Endlager in Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sieht bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager vor allem die anderen Bundesländer gefordert. MDR SACHSEN-ANHALT sagte er, dass Sachsen-Anhalt mit dem Endlager für schwach radioaktive Abfälle in Morsleben im Landkreis Börde bereits eine Last trage. Er sehe nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass in Sachsen-Anhalt zusätzlich noch ein weiteres Endlager eingerichtet werde.

Reiner Haseloff
Atommüll dort entsorgen, wo er produziert wird – so argumentiert Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Bildrechte: imago images / Susanne Hübner

Wir haben mit Morsleben schon eins für schwach radioaktive Stoffe. Sodass ich glaube, dass Sachsen-Anhalt damit auch die Aufgabe für die Entsorgung erfüllt hat und demzufolge jetzt andere Bundesländer den Vorrang haben – vor allem die Bundesländer, die in der Nähe von Kraftwerken liegen, denn es geht ja auch um Transportmöglichkeiten. Man sollte ja solche Transporte nicht quer durch die Bundesrepublik transportiert sehen.

Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident Sachsen-Anhalts

Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) erklärte bei MDR SACHSEN-ANHALT, der Verantwortung könne sich niemand entziehen. Alle die sich verschließen würden, hätten nicht begriffen, worum es gehe.

Weitere Untersuchungen notwendig

Einer der Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), Steffen Kanitz, betonte auf der Bundespressekonferenz, dass ein ausgesuchtes Teilgebiet noch lange kein Endlagerort sei. Man müsse erst weitere Daten erheben, um eine perfekte Eignung feststellen zu können. Es müssen jetzt erst in weiteren Phasen über- und untertätige Erkundungen stattfinden.

Das bedeutet, dass noch nicht genau feststeht, ob es in Sachsen-Anhalt, wie beispielsweise bei Waddekath, ein Endlager geben wird. Die BGE hat es sich zur Aufgabe gemacht bis zum Jahr 2031 einen geeigneten Standort zu ermitteln, der die höchsten Sicherheitsstandards erfülle.

Quelle: MDR/mf,ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 28. September 2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

August vor 4 Wochen

Haben unsere Blühenden Landschaften nun auch noch eine strahlende Zukunft ein Fantastischer Deal würde ein berümter Präsident sagen. Gorleben ist raus das steht ja nun mal Fest und wer das Endlager Bekommt und damit Den Zonk oder schwarzen Peter warscheinlich auch. Viele Bundesländer werden sich Freikaufen und Gelder in den neuen Standort investieren wo sich Fuchs und Hase guten Nacht sagen und jeder Arbeitsplatz zählt. Das hat nur einen entscheidenen Nachteil das die Wissenschaftliche Beste Gesteinsformation nicht machbar wäre weil sie im Falschen Bundesland liegt Gorleben wäre nie Gebaut worde wäre die Wiedervereinigung früher zustande gekommen.

Bernd_wb vor 4 Wochen

ja "Wissenschaftler"haben herausgefunden dass sich Sachsen-Anhalt gut eignet fuer Windraeder, Strimtrassen oder Atommuell, also alle Dinge die der Wessi nicht in seiner Naehe haben moechte. Was feiert wir dann am WE unsere Kolonialisierung?

Heimatloser vor 4 Wochen

@Bernd_wb,
eine einfache Antwort.Ja.

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