Weltweiter Aktionstag Fridays for Future-Proteste in Sachsen-Anhalt

Tausende Menschen der Bewegung Fridays for Future sind in Sachsen-Anhalt am Freitag auf die Straße gegangen. Sie demonstrierten erneut gegen die aus ihrer Sicht vollkommen unzureichenden Maßnahmen der Bundesregierung gegen die Klimakrise. Proteste gab es unter anderem in Halle, Dessau-Roßlau, Magdeburg und Stendal. Anlass ist der weltweite Protesttag vor der UN-Klimakonferenz in Madrid.

Vierter globaler Aktionstag von Fridays for Future: Am 29. November 2019 nehmen Kinder, Jugendliche und Erwachsene an einer Demonstration in Halle teil.
"Es ist Zeit zu handeln": In Halle sind nach Angabe der Organisatoren etwa 2.200 Menschen dem Demonstrationsaufruf von Fridays for Future gefolgt. Bildrechte: MDR/Martin Paul

Weltweit ist am Freitag zu einem globalen Klimastreik aufgerufen worden – inzwischen zum vierten Mal. Auch in Sachsen-Anhalt beteiligten sich in vielen Städten Schüler und Jugendliche, aber auch etliche Erwachsene, unter dem Motto #NeustartKlima an den Demonstrationen. Protestaktionen gab es unter anderem in Halle, Dessau-Roßlau, in Magdeburg, Salzwedel und Stendal.

Demonstrationen in Halle

In Halle, wo im Januar 2019 die erste Fridays for Future-Demonstration in Sachsen-Anhalt stattgefunden hat, haben sich die Menschen ab 12 Uhr zu zwei Demonstrationszügen durch die Stadt getroffen.

Fridays for Future in Halle "Ich fühle mich verantwortlich, was für eine Welt ich hinterlasse."

Vierter globaler Aktionstag von Fridays for Future: Am 29. November 2019 nehmen Kinder, Jugendliche und Erwachsene an einer Demonstration in Halle teil.
In Sachsen-Anhalt haben am Freitag viele Menschen für eine bessere Klimapolitik gestreikt. Bildrechte: MDR/Martin Paul
Vierter globaler Aktionstag von Fridays for Future: Am 29. November 2019 nehmen Kinder, Jugendliche und Erwachsene an einer Demonstration in Halle teil.
In Sachsen-Anhalt haben am Freitag viele Menschen für eine bessere Klimapolitik gestreikt. Bildrechte: MDR/Martin Paul
Fridays for Future in Halle – am 29. November haben viele Menschen gegen die aktuelle Klimapolitik demonstriert.
Allein in Halle beteiligten sich Polizeiangaben zufolge mehr als 2.000 Menschen. Peter von Lampe, ein Sprecher der Bewegung in Halle, sagte, rund 2.200 Teilnehmer hätten an der Demonstration teilgenommen. Bildrechte: MDR/Martin Paul
"Let's make this planet great again": Fridays for Future in Halle: In Halle haben am 29. November viele Menschen gegen die aktuelle Klimapolitik demonstriert.
Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er sei sehr zufrieden mit der Demonstration. Fridays for Future sei zu einer gesamtgesellschaftlichen Bewegung geworden. Bildrechte: MDR/Martin Paul
"This World is getting hotter than my ass": Fridays for Future in Halle – am 29. November haben viele Menschen gegen die aktuelle Klimapolitik demonstriert.
"Seit Januar sind wir auf der Straße", so von Lampe. Es sei aber schwierig, die Menschen zu motivieren, wenn es keine Lösungsansätze in der Politik gäbe. Bildrechte: MDR/Martin Paul
"There is no plan(et) B": Fridays for Future in Halle – am 29. November haben viele Menschen gegen die aktuelle Klimapolitik demonstriert.
"Noch immer gibt es kein verabschiedetes Kohleausstiegsgesetz. Das steigert die Frustration, wenn auf politscher Ebene nichts passiert", so von Lampe. Bildrechte: MDR/Martin Paul
Fridays for Future in Halle – am 29. November haben viele Menschen gegen die aktuelle Klimapolitik demonstriert.
Diesmal waren bei der Demonstration auch viele Erwachsene dabei: Eltern, Rentner und Studenten und Uni-Mitarbeiter. Bildrechte: MDR/Martin Paul
Fridays for Future in Halle – am 29. November haben auch Scientists for Future gegen die aktuelle Klimapolitik demonstriert.
Die Scientists for Future verstehen sich als ein "überinstitutioneller, überparteilicher und interdisziplinärer Zusammenschluss von Wissenschaftler*innen, die sich für eine nachhaltige Zukunft engagieren." Bildrechte: MDR/Martin Paul
"Weil wir die Erde von unseren Kindern nur geliehen haben": Fridays for Future in Halle – am 29. November haben viele Menschen gegen die aktuelle Klimapolitik demonstriert.
Christoph Eichert (li.) ist mit einem Plakat der Parents for Future, also Eltern für die Zukunft, mit bei der Demonstration. Warum engagiert er sich? "Weil es das drängendste Menschheitsproblem ist und immer noch nicht ernstgenommen wird", erzählt Eichert. Bildrechte: MDR/Martin Paul
"Lass der Natur Raum zum Atmen": Fridays for Future in Halle – am 29. November haben viele Menschen gegen die aktuelle Klimapolitik demonstriert.
... "Ich fühle mich verantwortlich, was für eine Welt ich hinterlasse", so Eichert der sich als Parents for Future für den Klimaschutz engagiert. Bildrechte: MDR/Martin Paul
"Welchen Beitrag leistet die Uni für Zukunftsfähigkeit und Klimagerechtigkeit?": Fridays for Future in Halle – am 29. November haben viele Menschen gegen die aktuelle Klimapolitik demonstriert.
Marianne, eine weitere Demonstrationsteilnehmerin, die sich unter das Banner der Parents for Future gestellt hat, sagte, sie nehme an der Demonstration teil, "weil es sich zu langsam bewegt und die Entscheidungen, angesichts dessen, was auf uns zukommt nicht ausreichen." Das sei nicht ihre Privatmeinung, sondern Wissenschaftler sagen, es reiche nicht aus. "Es wird heruntergespielt, wie dramatisch die Sache ist." Bildrechte: MDR/Martin Paul
Vierter globaler Aktionstag von Fridays for Future: Am 29. November 2019 nehmen Kinder, Jugendliche und Erwachsene an einer Demonstration in Halle teil.
Ein Sprechgesang war oft auf der Demonstration zu hören: "Hoch mit dem Klimaschutz... Bildrechte: MDR/Martin Paul
Vierter globaler Aktionstag von Fridays for Future: Am 29. November 2019 nehmen Kinder, Jugendliche und Erwachsene an einer Demonstration in Halle teil.
...runter mit der Kohle." Bildrechte: MDR/Martin Paul
"Perspektive wechseln: Jetzt!": Fridays for Future in Halle – am 29. November haben viele Menschen gegen die aktuelle Klimapolitik demonstriert.
Obwohl der Protest friedlich und kreativ ablief, wurde der Demonstrationszug nicht immer positiv von den Passanten aufgenommen. Im Vorbeigehen hörte man immer wieder Aussagen wie: "Spinner" oder Sätze wie: "Und dann fahren sie mit Autos, die jungen Leute."

Dieses Thema im Programm:
SACHSEN-ANHALT HEUTE | 29.11.2019 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/mp
Bildrechte: MDR/Martin Paul
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Start war am Rannischen Platz und am August-Bebel-Platz. Am Leipziger Turm hat es dann eine gemeinsame Kundgebung gegeben. Danach war ein Fahrrad-Demonstrationszug über die Hochstraße und Magistrale geplant.

Nach Angaben der Polizei beteiligten sich geschätzt rund 2.000 Menschen an der Demo. Der Sprecher der Fridays for Future-Bewegung in Halle, Peter von Lampe, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er sei sehr zufrieden mit der Demonstration gewesen. Etwa 2.200 Menschen hätten an den Demonstrationen und Kundgebungen teilgenommen.

Kirchen unterstützen das Anliegen

In Halle und der Region wurden außerdem ab Mittag außer der Reihe die Kirchenglocken geläutet. Der Kirchenkreis Halle-Saalekreis hatte mitgeteilt, dass die "Kirchglocken der Region zum Gebet für die bedrohte Schöpfung und zur Teilnahme an den Demonstrationen rufen".

Superintendent Hans-Jürgen Kant sagte weiter: "Die Sorge um die Bewahrung der Schöpfung verbindet uns mit den jungen Leuten. Was bisher für das Klima auf den Weg gebracht wurde, reicht nicht aus. Darin sind sich Wissenschaftler und Forscher ziemlich einig."

Die Organisatoren von Fridays for Future seien in Halle an die Evangelische Kirche mit der Bitte herangetreten, das Anliegen bestmöglich zu unterstützen. Deswegen waren die Gemeinden aufgerufen, sich mit ihren Möglichkeiten an der Aktion zu beteiligen.

Die Sorge um die Bewahrung der Schöpfung verbindet uns mit den jungen Leuten. Was bisher für das Klima auf den Weg gebracht wurde, reicht nicht aus. Darin sind sich Wissenschaftler und Forscher ziemlich einig.

Hans-Jürgen Kant, Superintendent des Kirchenkreis Halle-Saalkreis

Demonstration in Magdeburg

In Magdeburg sind laut Polizei etwa 550 Menschen zusammengekommen. Laut Veranstalter hatten sich rund 1.000 Demonstranten versammelt. Die Demonstration startete hier 15 Uhr am Domplatz. Die Route führte über die Erzberger Straße, die Julius-Bremer-Straße und den Breiten Weg zurück zum Landtag. Am Opernhaus wurde ein Klima-Aktionsmarkt veranstaltet. Außerdem wurde bei Einbruch der Dunkelheit eine Lichter-Menschenkette gebildet.

Die Demonstranten kritisierten das bereits ausgehandelte Klimapaket der Bundesregierung scharf und forderten einen Neustart der Klimaschutzbemühungen.

Demonstration in Dessau-Roßlau

Vierter globaler Aktionstag von Fridays for Future: Am 29. November 2019 nehmen Kinder, Jugendliche und Erwachsene an einer Demonstration in Dessau-Roßlau teil.
Fridays for Future in Dessau-Roßlau: Mit rund 100 Teilnehmern war es keine große Demo, aber eine laute. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau

Auch in Dessau-Roßlau haben sich die Klimaschützer getroffen. Los ging es in den Mittagsstunden am Lily-Herking-Platz. Eigentlich hätten viele Schülerinnen und Schülerinnen frei gehabt. Doch trotz des beweglichen Ferientages kamen sie zum Lily-Herking-Platz in der Innenstadt.

Danach war ein Protestzug zur Elbbrücke geplant. Dort sollte auch herumliegender Müll eingesammelt werden. Rund 100 Schülerinnen und Schüler haben sich an den Demonstrationen beteiligt.

Demonstration in Salzwedel und Stendal

Auch in der Altmark sind wieder Menschen für eine bessere Klimapolitik auf die Straße gegangen. In Salzwedel haben sich rund 120 Demonstranten getroffen. In Stendal waren knapp 200 unterwegs.

Vierter globaler Aktionstag von Fridays for Future: Am 29. November 2019 nehmen Kinder, Jugendliche und Erwachsene an einer Demonstration in Stendal teil.
Fridays for Future in Stendal: Etwa 200 Menschen haben an der Aktion teilgenommen. Bildrechte: MDR/Jan-Malte Wagener

Los ging es in der Salzwedeler Innenstadt: Hier starteten Demonstrationen am Bahnhof und an der Mönchskirche ab 11:30 Uhr.

In Stendal hatte die "Aktion Zukunft" um 14 Uhr auf den Marktplatz eingeladen. Bei der Veranstaltung auf dem Markt ging es dabei nicht nur um lautstarkes Protestieren, sondern umweltfreundliche Ideen im Sinne der Klimarettung zu entwickeln. Die Teilnehmer waren aufgefordert, Beispiele vorzustellen.

Einen Überblick über alle Regionalgruppen in Deutschland findet sich auf der Seite von Fridays for Future.

Klimakonferenz in Madrid

In ganz Deutschland haben sich nach Angaben der Veranstalter rund 630.000 Menschen an den Klimaprotesten beteiligt. Aktionen habe es an mehr als 520 Orten gegeben, darunter Fahrraddemonstrationen, Blockaden, Picknicks und Demonstrationen an Kohlekraftwerken.

Der Grund für den Demonstrationstag ist die 25. UN-Klimakonferenz, die vom 2. Dezember 2019 bis zum 13. Dezember 2019 in Madrid stattfindet. Mit den Protesten wollten die Demonstrierenden nach eigenen Angaben vor der Weltklimakonferenz deutlich machen, dass sie die Abkehr der Bundesregierung vom 1,5-Grad-Ziel nicht akzeptieren.

Insgesamt lag die Beteiligung unter den Rekordwerten von September, als deutschlandweit nach Schätzungen der Aktivisten 1,4 Millionen Menschen auf den Straßen waren. Weltweit hatten sich mehr als sieben Millionen Demonstrierende beteiligt.

Quelle: MDR,dpa/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. November 2019 | 12:00 Uhr

43 Kommentare

Ekkehard Kohfeld vor 43 Wochen

Ach übrigen wie kann ich das noch in Prozente umrechnen?
Da bekommt selbst ein Wissenschaftlicher Taschenrechner Probleme.

01.11.2019
Chinesische Schülerin (fast) allein im Klimastreik | Asien | DW ...

Soviel zu Weltweiten Protesten,wohl etwas überheblich das Ganze.
🤭🤭🤭🤭🤭🤭🤭🤭🤭🤭🤭🤭🤭🤭🤭🤭🤭🤭🤭🤭🤭🤭

aus Elbflorenz vor 43 Wochen

Aha, Sender und Presse werden dafür bezahlt, dass sie berichten. Die journalistische Qualität der Berichte spielt anscheinend für eine bestimmte Klientel keine Rolle, solange die ideologische Ausrichtung passt.

aus Elbflorenz vor 43 Wochen

Es wäre schön, wenn wir (so geniale Nachwuchswissenschaftler und) Jugendliche hätten, welche sich sich eine faktenbasierte Meinung zum menschlichen Einfluss auf das Klima machen können.

Dazu dass die Bewegung nicht durch politische Beeinflussung entstanden sein soll, kann sich dagegen jeder halbwegs informierte Bürger eine faktenbasierte Meinung bilden, und auch dazu, warum der MDR solches behauptet (u. a. basierend auf dem Fakt, dass Jakob Blasel (FFF, Grüne Jugend) für den ÖRR (funk) arbeitet).

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