Virus-Epidemie Erste Coronavirus-Fälle in Sachsen-Anhalt

Bis zuletzt war das Coronavirus in Sachsen-Anhalt nicht nachweisbar – als letztes Bundesland in Deutschland. Nun gibt es die ersten bestätigten Fälle im Land.

Eine Krankenschwester verarbeitet einen Behälter mit einer Probe mit einem Nasenabstrich
Ein Test hat bestätigt: In Sachsen-Anhalt gibt es den ersten Corona-Fall. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Acht Infektionen mit dem Coronavirus in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt sind die ersten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen worden. Bis Dienstagabend wurde das Virus bei acht Menschen im Land nachgewiesen. Unter ihnen sind laut Sozialministerium zwei 39 und 42 Jahre alte Männer aus dem Landkreis Börde, die aus Südtirol zurückgekehrt seien. Einer von ihnen lebe in Klein Ammensleben, der andere in Barleben, sagte ein Sprecher des Landkreises Börde MDR SACHSEN-ANHALT. Auch ein 36 Jahre alter Mann aus Aschersleben im Salzlandkreis hat sich laut Ministerium offenbar bei einem Urlaub in Tirol in Österreich infiziert. Er ist zu Hause in Quarantäne. Außerdem wurde eine 68 Jahre alte Frau aus dem Saalekreis positiv auf das Coronavirus getestet. Laut Landkreis war sie bis vor kurzem in Israel und hatte dort Kontakt zu einem Infizierten. Betroffen sind auch ein Magdeburger und eine Frau aus dem Burgenlandkreis.

Über die aktuellen Ereignisse halten wir Sie in einem Live-Ticker auf dem Laufenden.

Kurz zuvor war die erste bestätigte Infektion mit dem Coronavirus aus Halle gemeldet worden. Der Mann war am Montag im Fieberzentrum der Stadt positiv getestet worden, sagte ein Sprecher der Diakonie MDR SACHSEN-ANHALT. Ein Labor in Dessau habe das Ergebnis noch einmal geprüft und sei zu dem selben Schluss gekommen. Bei dem Infizierten handele es sich um einen Mann, der zuvor in Norditalien war. Er befindet sich in häuslicher Quarantäne. Der infizierte Mann kommt demnach aus Halle. Der Mann ist etwa 20 Jahre alt. Zuvor hatte die Mitteldeutsche Zeitung darüber berichtet. Am Dienstagabend meldete das Sozialministerium Sachsen-Anhalt dann, dass auch der Vater des Mannes positiv auf das Coronavirus getest wurde. Er war gemeinsam mit seinem Sohn im Urlaub gewesen.

Sozialministerium berät über weitere Schritte Wie geht es weiter, nachdem auch aus Sachsen-Anhalt die ersten Infektionen mit dem Coronavirus bekannt geworden sind? Zur Stunde berät das Sozialministerium nach eigenen Angaben genau über diese Frage. Die Gesundheitsämter der betroffenen Kommunen seien nun gefragt, schnell Kontaktpersonen der Infizierten zu testen.

Sachsen-Anhalt war bis zu Beginn der Woche das letzte Bundesland, in dem das Coronavirus nicht aufgetreten war. Deutschlandweit gibt es inzwischen mehr als 1.100 offiziell gemeldete Fälle (Stand: 9. März 2020). Die aktuellen Fallzahlen werden auf der Seite des Robert-Koch-Instituts ständig aktualisiert.

Corona, Sars-CoV-2, Covid-19: Wofür die Abkürzungen stehen

Das neuartige Coronavirus hat seit dem 11. Februar 2020 den Namen SARS-CoV-2. Dabei steht SARS für "Severe Acute Respiratory Syndrome", englisch für "Schweres Akutes Atemwegssyndrom". Mit diesem Namen soll laut Bundesgesundheitsministerium auf die Verwandschaft zum SARS-Virus hingewiesen werden, das in den Jahren 2002 und 2003 eine Epidemie ausgelöst hatte. Dieses Virus stammt aus der Familie der Coronaviren.

Die Lungenkrankheit wird Covid-19 genannt. Dabei steht das "Co" für Corona, das "vi" für Virus und der Buchstabe "d" für "Disease", englisch für "Krankheit" und "19" steht für das Jahr 2019.

Das Coronavirus kann zu Lungenentzündungen, Fieber und Atembeschwerden führen.

Wegen der Ausbreitung des neuartigen Virus werden auch in Sachsen-Anhalt immer mehr Veranstaltungen vorsichtshalber abgesagt. Die Stadt Magdeburg hatte bereits Montag Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen verboten. Davon sind auch die Fußball-Spiele des FCM gegen Kaiserslautern und das geplante Länderspiel der Handball-Nationalmannschaft gegen die Niederlande am Wochenende betroffen. Am Dienstag zog die Stadt Halle nach: Auch sie verbietet nach eigenen Angaben ab sofort und "bis auf Weiteres" Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Gästen.

Erst am Sonntag war das Coronavirus bei einem Arzt am Helios-Krankenhaus in Zerbst nachgewiesen worden. Weil der Mann in Sachsen lebt, wurde der Fall dort in die Statistik aufgenommen. Der Mediziner wird seit der Diagnose zu Hause unter Quarantäne behandelt. Er klage nur über leichte Symptome, hieß es zuletzt. Von den 40 Kontaktpersonen – darunter Mitarbeiter des Krankenhauses und Patienten – hat sich offenbar niemand angesteckt. Wie das Krankenhaus MDR SACHSEN-ANHALT am Montag mitteilte, fielen sämtliche Tests negativ aus.

Zuletzt hatten das Gesundheitsministerium in Sachsen-Anhalt und die Kassenärztliche Vereinigung Spekulationen von Internet-Usern zurückgewiesen, wonach es in Sachsen-Anhalt nur deshalb so lange keine bestätigte Infektion gab, weil Patienten hierzulande anders behandelt würden.

Verdachtsfälle bereits im Januar

Bereits im Januar 2020 waren in Sachsen-Anhalt Verdachtsfälle auf das Coronavirus gemeldet worden. Diese hatten sich aber nicht bestätigt. Die beiden Männer aus Dessau und dem Burgenlandkreis waren in Isolierstationen untergebracht worden. Sie waren kurz zuvor von einer Reise aus China zurückgekehrt.

Ansprechpartner in Sachsen-Anhalt

Sie haben den Vedacht, sich angesteckt zu haben? Sie wollen wissen, an wen man sich im Notfall wenden kann und was zu tun ist? Hier können Sie Telefonnummern, Ansprechpartner und Verhaltensregeln nachlesen:

Grippe in Sachsen-Anhalt – sechs Tote

Neben der Gefahr durch eine Ansteckung mit dem Coronavirus hat seit Anfang des Jahres auch die Grippe Sachsen-Anhalt erreicht. Das Landesamt für Verbraucherschutz teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, in der laufenden Grippe-Saison seien bislang sechs Menschen in Sachsen-Anhalt an den Folgen der Infektionskrankheit gestorben. Es handle sich unter anderem um zwei Frauen und zwei Männer im Alter von 53 bis 86 Jahren aus dem Landkreis Börde, dem Saalekreis sowie Stendal und Wittenberg.

Die Grippewelle ist nach den Angaben aber weniger stark als in den vergangenen Jahren. "Nach den hier vorliegenden Daten deutet sich in Sachsen-Anhalt ein tendenziell milder Verlauf der Grippewelle an", der Leiter der entsprechenden Stabsstelle beim Landesamt für Verbraucherschutz, Andreas Gramatke.

Als Grippesaison wird die Zeit bezeichnet, in der die Viren hauptsächlich zirkulieren – in der Regel von Oktober bis Mai.

Quarantäne und Pandemieplan

Quelle: MDR,dpa/mp,ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 10. März 2020 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2020, 19:34 Uhr

3 Kommentare

mattotaupa vor 4 Wochen

sie glauben spahn entscheidet allein? er macht zumindest einen besseren eindruck als das stabile genie von der anderen teichseite, der da meint sein medizinisches (un)wissen vom onkel geerbt zu haben.

Bernd L. vor 4 Wochen

Ich mache mir keine großen Sorgen wegen Corona. Die Gesundheitsminister Spahn (Bankkaufmann) und Grimme-Behne (Juristin) werden schon die richtigen Fachentscheidungen treffen. Ich frage schließlich auch meinen Friseur, wenn ich Zahnschmerzen habe.

jackblack vor 4 Wochen

Infiziert ist noch nicht GESTORBEN !!!!!!

Mehr aus Sachsen-Anhalt