Tierseuche Sachsen-Anhalt wappnet sich gegen Vogelgrippe

Nach einem Vogelgippefall im benachbarten Brandenburg befinden sich die zuständigen Behörden Sachsen-Anhalts in Alarmbereitschaft. Analysen sollen jetzt das Risiko bewerten. Die letzte Epidemie hierzulande liegt drei Jahre zurück.

Hühner hinter einem Maschendrahtzaun
Noch gilt keine Stallpflicht – aber die Notfallpläne stehen. Bildrechte: imago/Christian Schroth

Ein Vogelgrippefund in Brandenburg hat nun auch die Landkreise in Sachsen-Anhalt alarmiert. Wie das Agrarministerium mitteilte, sind die Behörden der zuständigen Kommunen über den Befund informiert und erarbeiten derzeit eine Risikobewertung. Sollten diese Analysen zu dem Schluss kommen, dass eine Einschleppung der Vogelgrippe durch Wildvögel drohe, könne eine Stallpflicht für Geflügel erlassen werden. Derzeit hat der Fund in Brandenburg noch keine direkten Auswirkungen auf Sachsen-Anhalt.

Noch gilt keine Stallpflicht

Nahe der polnischen Grenze in Brandenburg war bei einer toten Blessgans der Vogelgrippe-Erreger H5N8 festgestellt worden. Das hat zur Folge, dass im Nachbarland derzeit verstärkt Proben bei Wildvögeln und Haustieren gemacht werden. Brandenburgs Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) sagte, aus einem Einzelfund könnten momentan noch keine weiteren Anordnungen begründet werden, wie etwa eine Stallpflicht. Es werde aber sehr engmaschig kontrolliert, so Nonnemacher im RBB-Interview.

Was ist die Vogelgrippe?

Die Vogelgrippe ist eine Geflügel-Tierseuche, die vor allem bei Hühnervögeln – Hühnern, Puten, Fasanen – oder Entenvögeln – Enten, Gänse, Schwäne – auftritt.  Der offizielle Name lautet Geflügelpest oder aviäre Influenza. Sie wird durch verschiedene Grippeviren übertragen, beispielsweise die Virustypen H5N1 oder H5N8, die unterschiedlich krank machen.

Wie wird die Vogelgrippe übertragen?

Das Vogelgrippevirus wird mit dem Kot der Vögel ausgeschieden. Darüber überträgt sich die Krankheit auf andere Tiere. Aber auch Aasfresser können sich infizieren. Die Vogelgrippe ist unter Vögeln äußerst ansteckend und führt schnell zum Tod. Allerdings: Singvögel und Tauben spielen als Überträger laut Experten keine Rolle. Forscher aus Sachsen-Anhalt arbeiten zudem an einem Impfstoff, der Tiere immunisieren kann.

Können sich Menschen mit Vogelgrippe anstecken?

Menschen können sich nur schwer mit Vogelgrippe anstecken – etwa durch intensiven Kontakt mit infizierten Tieren oder durch das Einatmen von Staubpartikeln, die mit dem Virus verunreinigt sind. Mutierte Vogelgrippeviren können ein stärkeres Ansteckungsrisiko bedeuten.

Können Geflügelprodukte bedenkenlos gegessen werden?

Eier und Geflügelprodukte können ohne Einschränkungen gekauft und gegessen werden. Influenzaviren sterben bei Temperaturen über 70 Grad ab. Vor Verzehr sollte das Geflügel also gekocht oder gebraten werden.

Können Hunde und Katzen gefahrlos draußen herumlaufen?

Solange in einem Gebiet kein Vogelgrippefall dokumentiert ist, können sich Hunde und Katzen uneingeschränkt draußen bewegen. Das ändert sich, sobald Sperrbezirke oder Überwachungsgebiete eingerichtet wurden. Dort müssen dann Hunde an die Leine und Katzen eingesperrt bleiben.

Was tun, wenn ein toter Vogel gefunden wird?

Tote Vögel sollten nicht angefasst werden. Sofern der Fund nicht in einer Sperr- oder Überwachungszone liegt, können Kadaver beispielsweise per Schaufel aufgenommen und vergraben oder entsorgt werden.
Wird innerhalb einer der Kontrollzonen ein toter Wasser- oder Greifvogel entdeckt, sind Polizei, Feuerwehr oder die Gemeinde zu informieren, damit Maßnahmen ergriffen werden können.

Experten vermuten, dass das Virus durch Zugvögel eingeschleppt wurde. Es breitet sich seit Jahresbeginn sehr schnell in Osteuropa aus. Laut Agrarministerium ist Sachsen-Anhalt sehr gut auf einen möglichen Vogelgrippefall vorbereitet. Abläufe und Maßnahmen seien etabliert, hieß es. Sollte eine Geflügelhaltung betroffen sein, werden Sperrbezirke eingerichtet und der betroffene Bestand getötet.

Mitarbeiter der Stadtwerke Plön bringen am 10.11.2016 in Plön (Schleswig-Holstein) an der Ortseinfahrt ein Schild mit der Aufschrift «Wildvogelgeflügelpest Sperrbezirk» an.
Bei einem Wildvogel-Fund wird sofort ein Sperrbezirk eingerichtet. Bildrechte: dpa

Wann greifen welche Maßnahmen? Die Geflügelpestverordnung sieht vor, dass bei einem Grippeverdacht mit Ausbreitungsrisiko bei Nutztieren der betroffene Bestand getötet wird. Es kann, zeitlich befristet, eine Überwachungszone eingerichtet werden. Bestätigt sich der Verdacht, werden auch Fleisch, Eier, Futtermittel und Einstreu beseitigt. Ställe und Fahrzeuge müssen gereinigt und desinfiziert werden. Es wird ein Sperrbezirk mit einen Radius von mindestens drei Kilometern um einen dokumentierten Fund eingerichtet. Darin gilt die Stallpflicht.

Bei einem Verdacht auf Geflügelpest bei einem Wildvogel kann laut Verordnung ein Sperrbezirk mit einem Radius von mindestens einem Kilometer sowie ein Beobachtungsgebiet mit einem Radius von mindestens drei Kilometern eingerichtet werden. Bestätigt sich der Verdacht, greifen schärfere Maßnahmen, etwa zur Ausfuhr von Eiern und Fleisch. Quelle: Geflügelpestverordnung https://www.gesetze-im-internet.de/geflpestschv/

Vogelgrippe seit 2017 nicht mehr in Sachsen-Anhalt

Den letzten großen Vogelgrippe-Fall in Sachsen-Anhalt gab es Ende 2016/Anfang 2017. Die ersten Funde gab es im Jerichower Land – dort wurde ein toter Schwan entdeckt – sowie dem Landkreis Harz, wo es eine kleine private Hühnerhaltung traf. Am Ende wurden landesweit 41 Infektionen mit dem H5N8-Erreger bei Wildvögeln und in vier Vogelhaltungen festgestellt. Rund 43.000 Tiere mussten seinerzeit vorsorglich getötet werden – darunter 9.200 Enten aus einem Geflügelbetrieb in Möser im Jerichower Land und 33.000 Legehennen aus einem Betrieb in Brumby im Salzlandkreis. Über Monate galt in ganz Sachsen-Anhalt eine strenge Stallpflicht für Geflügel. Mit Blick auf die deutschlandweite Ausbreitung der Vogelgrippe mit dutzenden Funden sprachen Forscher des Friedrich-Löffler-Instituts von der größten jemals dokumentierten Geflügelpest-Epidemie in der Bundesrepublik.

Wie zeigt sich die Vogelgrippe bei Tieren?

Vogelgrippe-Virus
Hühner- und Entenvögel sind von der Geflügelpest besonders bedroht. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Relativ leicht infizieren sich Hühner und Puten. Meist verendet ein Großteil der Tiere bereits 24 bis 48 Stunden nach Kontakt mit dem Virus. Kranke Hühner oder Puten erscheinen meist apathisch. Hühner legen keine oder stark verformte Eier. Bei manchen Tieren verfärben sich Kamm oder Füße blau. Durchfälle können hinzu kommen. 90 bis 100 Prozent der erkrankten Tiere sterben.

Wasservögel hingegen erkranken seltener und zeigen andere Symptome. In jedem Fall scheiden Wasservögel die Viren aus und werden auch als Virus-Reservoir bezeichnet. Kranke Tiere fallen oft mit Gleichgewichts- oder Verhaltensstörungen auf, schwimmen im Kreis oder halten den Kopf schief. Durchfälle treten auf. Augen- und Lungenentzündungen kommen hinzu - äußerlich wirken die Tiere dann kurzatmig.

Quelle: dpa

Wo wird an der Seuche geforscht?

Die Insel Riems bei Greifswald ist der älteste Tierseuchen-Forschungsstandort der Welt. Im Jahr 1910 gründete hier der Virologe Friedrich Loeffler das Institut, nachdem er für Greifswald ein Forschungsverbot erhalten hatte. Hintergrund des Verbots waren anhaltende Beschwerden über unkontrollierte Ausbrüche der Maul- und Klauenseuche in der Nähe seiner Labore. Seitdem wird auf der Insel an Wirkstoffen gegen Tierseuchen wie Schweinepest, Maul- und Klauenseuche oder Vogelgrippe geforscht.

Mit der Gründung des Instituts für neue und neuartige Tierseuchen im Jahr 2001 stehen auch Prion-Erkrankungen wie der Rinderwahnsinn BSE im Mittelpunkt der Forschungen. Das Institut mit hunderten Mitarbeitern beherbergt dutzende nationale Referenzlabore sowie einige Referenzlabore der Weltorganisation für Tiergesundheit OIE. Im rund 300 Millionen Euro teuren Komplex auf der Insel sind 89 Labore und 163 Stalleinheiten untergebracht.

Das Sicherheitssystem der Hochsicherheitslabore folgt dem sogenannten Box-in-Box-System. Der sensibelste Bereich mit Hochsicherheitslaboren der weltweit höchsten Biosicherheitsstufe L4 ist umschlossen von Laboren mit geringerer Sicherheitsstufe.

Quelle: dpa

Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 22. Januar 2020 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2020, 13:50 Uhr

2 Kommentare

Skoell vor 3 Wochen

Mich würde ja tatsächlich einmal interessieren wie jemand auf die Idee kommt, man könne einen durch Zug- und Rastvögel, die sich zu zigtausenden durch Deutschland bewegen, mit einem Sperrbezirk eingrenzen. Als würden ein Trupp Gänse von denen einzelne Individuen Träger des Erregers sind an der Grenze halt machen, sich der Vorgaben des Gesetzgebers besinnen und warten bis alles überstanden ist. Und also sich auch der Fuchs und der Waschbär an die entsprechenden Vorgaben halten und gefundene Kadaver gesetzestreu nicht über die Grenzen hinweg verschleppen. Aber jeder Brauch schließlich seine Daseinsberechtigung und vielleicht hilft das Aufhängen von hübschen Schildchen ja wirklich. Andernfalls werden tausende Tiere in den Mastställen eben ggf. frühzeitig von ihrem Leid erlöst... sicher auch nicht schlecht.

Rotti vor 4 Wochen

Es wird bestimmt auch manchmal übertrieben. Und ich bin gespannt, wie die Behörden auf diese Sache vorbereitet sind?

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Jörn Rettig
Bildrechte: Jörn Rettig

MDR SACHSEN-ANHALT | Team Jörn Rettig

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