Bündnis gegen Lehrermangel Volksbegehren für mehr Lehrer scheitert

In Sachsen-Anhalt gibt es zu wenige Lehrer. Etwa 14.300 waren es zuletzt an öffentlichen Schulen. Rund 800 weniger als zwei Jahre vorher – bei steigenden Schülerzahlen. Ein Bündnis aus Gewerkschaften, Verbänden und der Politik wollte das nicht mehr hinnehmen und startete ein Volksbegehren. Doch das ist nun gescheitert.

Eine Schülerin meldet sich in einem Klassenzimmer.
Das Bündnis gegen Lehrermangel konnte nicht die Menge an benötigten Unterschriften sammeln. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Das Volksbegehren für mehr Lehrer in Sachsen-Anhalt ist gescheitert. Das hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mitgeteilt. Landeschefin Eva Gerth sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Dienstag, es seien nicht die erforderlichen 163.000 Unterschriften zusammengekommen.

Schlechte Chancen durch Corona

Die Corona-Pandemie hat Gerth zufolge dem Bündnis gegen Lehrermange, das das Volksbegehren initiiert hat, den Wind aus den Segeln genommen. "Hätten wir von März durchsammeln können, hätten wir das Quorum möglicherweise tatsächlich geschafft." Ihren Angaben zufolge waren Unterschriftensammlungen in großem Umfang geplant, auch auf Straßen und Plätzen. Zum Beispiel hatte sich der Elternrat mit der Fanhilfe des 1. FC Magdeburg in Verbindung gesetzt, um vor dem Fußballstadion zu sammeln. All das war wegen der Corona-Krise nicht möglich.

Zu Beginn des Schuljahres habe es nochmal einen Sprung gegeben, sagte Gerth. Vermutlich hätten viele Eltern und Lehrkräfte gemerkt, wie groß der Unterrichtsausfall tatsächlich sei.

Eva Gerth
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Wir wollen weiter die Mahner sein und diejenigen, die den Finger in die Wunde legen bei allen Fragen, die Bildung in Sachsen-Anhalt betreffen und diskutiert werden müssen.

Eva Gerth, GEW-Landeschefin

Bündnis will Arbeit fortsetzen

Der GEW- Landeschefin zufolge will das Bündnis gegen Lehrermangel aber weiterarbeiten: "Wir wollen weiter die Mahner sein und diejenigen, die den Finger in die Wunde legen bei allen Fragen, die Bildung in Sachsen-Anhalt betreffen und diskutiert werden müssen. Wir sind der Meinung, dass die knapp 77.000 Unterschriften, die zusammengekommen sind, nicht einfach ignoriert werden können." Es seien alles Sachsen-Anhalter und Sachsen-Anhalterinnen, die mit der Bildungspolitik im Land unzufrieden seien und sich Veränderungen wünschten.

Die Landesregierung will das Ergebnis des Volksbegehrens ernst nehmen. Das Bildungsministerium teilte MDR SACHSEN-ANHALT am Dienstag mit, man setze weiter auf Verständigung mit dem Bündnis. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Bildungsminister Marco Tullner (CDU) würden sich am Donnerstag auf einer Pressekonferenz dazu äußern.

Ziel: verbindlicher Personalschlüssel

Ziel des Bündnisses war, im Schulgesetz verbindlich festzuschreiben, wie viele Lehrer, Pädagogen und Schulsozialarbeiter pro Schüler eingesetzt werden müssen. Ein fester Personalschlüssel wäre eine bundesweit einmalige Regelung gewesen. Derzeit fehlen in Sachsen-Anhalt knapp 500 Lehrkräfte.

Das Volksbegehren gegen den Lehrermangel war im Januar 2020 gestartet. Damit sich der Landtag damit hätte befassen müssen, wären 163.000 Unterschriften nötig gewesen.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. September 2020 | 13:00 Uhr

3 Kommentare

Steffen 1978 vor 3 Wochen

Traurig das unsere Politik nicht die Auffassungsgabe hat um festzustellen das es einen Lehrermangel gibt egal aus welcher Partei in diesem Land man muss täglich feststellen das dieser Staat nichts für Kinder und Nachwuchsförderung übrig hat.Diese Personen unter Führung unseres völlig inkompetent MP stellen sich auch noch zur Wiederwahl das ist an perversion nicht zu toppen

Connie Connewitz vor 3 Wochen

Der Lehrermangel zeigt das Totalversagen der CDU/SPD- Bildungs- und Personalpolitik der vergangenen knapp drei Jahrzehnte. Die Verantwortlichen waren noch nie an etwas Anderem als dem eigenen Platz an den vollen Tischen interessiert. Denen kam es immer nur darauf an, die in den Klassen die einzig sinnvolle Arbeit des Systems Leistenden mit allen Mitteln ruhigzustellen und eigenen ministerialen resp. amtlichen Fleiß sowie Erfolge zu suggerieren. Vom Kultusministerium bis in die Schulämter und häufig bis in die Büros der Schulleiter funktioniert das bis heute so.


Anni22 vor 3 Wochen

Hm die Eltern der Schüler waren also nicht erreichbar? Verstehe wer will, ich nicht! Die Bürger müssen lernen sich für IHRE Interessen einzusetzen.....

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