Schulstart in Sachsen-Anhalt Ab Donnerstag: Unterricht für Abschlussjahrgänge – Wie die Schulen vorbereitet sind

Mehr als fünf Wochen waren die Schulen im Land verwaist. Ab Donnerstag zieht wieder Leben ein. Die Abschlussjahrgänge kehren zurück, um sich auf ihre Prüfungen vorzubereiten. Das betrifft die 10. und 12. Klassen und die Berufsschüler im letzten Ausbildungsjahr – und die Schulen scheinen gut vorbereitet.

Frau steht in leerem Klassenzimmer
Direktorin Gabriele Lorenz freut sich die ersten Schülerinnen und Schüler. Bildrechte: MDR/Thomas Tasler

Wenn am Donnerstag die Schüler der Eike von Repkow Berufsschule in Magdeburg wieder zum Unterricht kommen, dürfen sie nicht wie üblich einfach die Schule betreten. Direktorin Gabriele Lorenz sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Alle Schüler müssen zuerst in die Sporthalle kommen. Dort werden sie einzeln an Tischen empfangen, an denen sie einen Gesundheitsbogen ausfüllen müssen." Dieser sei zu unterschreiben, erst dann gehe es in die Klassenräume. "Wir haben es ja mit Erwachsenen zu tun", erklärt Lorenz. Sie gehe davon aus, dass sie allen Schülern vertrauen kann und jeder richtige Angaben macht und bei Krankheitssymptomen gleich zuhause bleibt.

Festlegungen des Gesundheitsamtes Magdeburg:


1. Es ist zu sichern, dass kranke Schüler*innen und Lehrkräfte nicht am Unterricht teilnehmen. Es ist eine Anwesenheitsliste zu führen. Die Schüler*innen und Lehrkräfte sind zu belehren.  

2. Auch in den Klassenräumen sollten die Schüler*innen in der jetzigen Phase einen Abstand von ca. 1,5 Meter einhalten. Eine Belehrung zum Abstandsgebot und auch zum Aufenthalt in den Pausen ist notwendig. Das Händegeben oder Umarmungen sollen unterbleiben.

3. Händewaschen ist und bleibt das A und O. Schüler*innen und Lehrkräfte müssen in den Klassenräumen Gelegenheit zum Händewaschen haben. Ausreichend Seife und Papierhandtücher sind notwendig. Das Händewaschen sollte mehrfach am Tag erfolgen.

4. Dies wird durch den Schulträger in der Form abgesichert, dass neben den Waschbecken in den Schultoiletten bis zur Beendigung der Krise auch zusätzlich alle Klassenräume, in denen ein Waschbecken vorhanden ist, mit mobilen Seifenspendern und Papierhandtüchern ausgestattet werden. Die Reinigung wird durch die Reinigungsfirmen erfolgen.

5. Klassen- und Verwaltungsräume müssen mehrfach täglich ausreichend gelüftet werden. Zuständig sind hier die Lehrkräfte, sonstige Mitarbeiter und die Hausmeister.

6. Eine Reinigung mit handelsüblichen Reinigungsmitteln von Tischen (einmal am Tag) und von Türklinken, Handläufen, Schaltern etc. (zweimal am Tag) ist notwendig. Hierzu erfolgt eine zusätzliche Beauftragung der Reinigungsfirmen durch den Schulträger.

7. Bei Einhaltung der Abstandsregelungen sind für den Schulbetrieb Schutzmasken nach jetzigem Stand nicht notwendig.

Hinweisschild zur Abstandsregelung
In der Schule werden die Abstandsregeln auf der Tafel erklärt. Bildrechte: MDR/Thomas Tasler

In den vergangen Tagen haben Lehrer und Hausmeister in der Schule alles vorbereitet. Die Abschlussjahrgänge sollen gute Bedingungen vorfinden, um sich bestmöglich auf die Prüfungen vorzubereiten. In jedem Klassenraum seien nur noch zwölf Schüler erlaubt, sagt Gabriele Lorenz.

Das hat die Direktorin vor eine große Herausforderung gestellt, denn sie könne zwar Klassen teilen und den Unterricht verdoppeln, die Lehrer aber nicht. Hinzu kämen Lehrer, die wegen Vorerkrankungen nicht in den Unterricht dürften. Diese würden weiter von zuhause die ersten und zweiten Ausbildungsjahrgänge betreuen.

Hausforderung: Seife und Desinfektionsmittel

Eine weitere Herausforderung sei die Bereitstellung von Seife. Sie habe diesbezüglich beim Gebäudemanagement Nachschub angefragt. Desinfektionsmittel oder Masken gebe es aber gar nicht. Gabriele Lorenz: "Ich habe schon gesagt, wenn es eine Stelle in Magdeburg gibt, wo das gelagert wird, dann hole ich es mir auch selbst ab."

Oberbürgermeister Lutz Trümper sagte, er sichere allen Schulen in Magdeburg zu, dass sie mit Seife zum Händewaschen versorgt werden. Das reiche völlig aus. Von der Stadt Magdeburg heißt es dazu, dass alle Schulen bis zum 27. April vom Bildungsministerium mit Masken und Desinfektionsmitteln versorgt sein sollen.

Das sind die Vorgaben des Landesschulamtes für Prüfungen:

1. Zwischen den Teilnehmenden muss ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Dies gilt für die Prüfung und die gesamte Dauer des Aufenthalts auf dem Schulgelände und in den Schulgebäuden.

2. Alle anwesenden Personen werden in einer Anwesenheitsliste erfasst, die mindestens 4 Wochen von der Schule aufbewahrt wird.

3. Niemand mit erkennbaren Symptomen einer COVID-​19 Erkrankung oder jeglichen Erkältungssymptomen darf an einer Prüfung teilnehmen.

4. Alle Teilnehmenden werden befragt, ob sie innerhalb der letzten 14 Tage aus dem Ausland zurückgekehrt sind, in persönlichem Kontakt mit Rückkehrern standen oder Kontakt zu einer infizierten Person hatten.

5. Wer eine dieser Fragen mit "Ja" beantwortet, darf nicht teilnehmen. Alle Teilnehmenden werden über die Einhaltung hygienischer Regeln und Schutzmaßnahmen informiert.

Diese Information hat auch Andreas Slowig, Schulleiter des Christian-Wolff-Gymnasiums in Halle. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, seine Lehrer hätten sich gefreut, endlich wieder in die Schule kommen zu dürfen. "Und ich bin so froh, dass wir die Schüler wieder für ihr Abitur trainieren können."

Besondere Vorkehrungen an den Schulen

Auch er hat besondere Vorkehrungen getroffen. Höchstens acht Schüler dürfen sich in einem Raum befinden. Alles sei streng ausgemessen worden. Mindestens 1,5 Meter Abstand gebe es vor neben und hinter jedem Schüler. "So wie früher beim Versteckspielen, bei eins zwei drei vier Eckstein", meint Slowig.

Auch seine Lehrer müssen nun doppelt unterrichten, weil die Klassen aufgeteilt sind. Alle seien aber hochmotiviert und freuten sich, dass es endlich wieder losgehe. In seiner Schule seien zur Vorsorge zusätzliche Seifen-und Papierhandtücher installiert worden.

Mit dem prüfungsvorbereitenden Unterricht wird laut Landesschulamt an den weiterführenden allgemeinbildenden (einschließlich einiger weniger Förderschulen) und berufsbildenden Schulen begonnen. Dies betrifft in Sachsen-Anhalt insgesamt etwa 290 Schulen in öffentlicher und freier Trägerschaft.

Quelle: MDR/jw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 22. April 2020 | 19:00 Uhr

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