Ein Fichtenwald im Sommer im Harz
Sachsen-Anhalts Wald – Foto aus dem Harz – hat 2018 unter Hitze und Trockenheit gelitten. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

#MDRklärt Wie Stürme und Dürre Sachsen-Anhalts Wald zugesetzt haben

Der Gesundheitszustand von Sachsen-Anhalts Wald hat sich verschlechtert. Sowohl der Anteil geschädigter als auch abgestorbener Bäume steigt. Grund dafür sind die lange Hitze und Trockenheit sowie ein Wintersturm. Auch 2019 könnte ein hartes Jahr für den Wald werden. Teil 1 der Serie über Waldschäden in Sachsen-Anhalt.

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Maria Hendrischke, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein Fichtenwald im Sommer im Harz
Sachsen-Anhalts Wald – Foto aus dem Harz – hat 2018 unter Hitze und Trockenheit gelitten. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

2018 war geprägt von langanhaltender Hitze und Dürre. Der Umweltverband BUND hat am Dienstag darauf aufmerksam gemacht, dass dadurch Wald verloren gegangen ist. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner kündigte ein Programm zur Wiederaufforstung an. Auch in Sachsen-Anhalt hat sich der Zustand des Waldes im Vergleich zu den Vorjahren verschlechtert: Mehr Bäume wiesen starke Schäden auf oder waren sogar abgestorben, wie aus dem Waldzustandsbericht 2018 hervorgeht, den die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt herausgegeben hat.

Der Gesundheitszustand von Bäumen wird ermittelt, indem die Kronen ausgewählter Bäume verschiedener Arten begutachtet werden. Dabei gilt: Je dichter ihr Laub beziehungsweise Nadelkleid, desto besser. Die sogenannte mittlere Kronenverlichtung soll also möglichst gering ausfallen. In Sachsen-Anhalt ist dieser Wert 2018 im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozentpunkte angestiegen. Die begutachteten Braumkronen waren 2018 zu 21 Prozent gelichtet. Besonders betroffen waren Laubbäume.

Was mittlere Kronenverlichtung bedeutet

Das ist laut Umweltbundesamt ein Mittelwert aus der Kronenverlichtung aller Bäume. Die Kronenverlichtung ist ein Prozentwert, der sich auf die Dichte der Baumkronen bezieht. Je belaubter oder benadelter Bäume sind – also je besser der Kronenzustand – desto geringer ist der Wert. Die mittlere Kronenverlichtung wird genutzt, um den Gesundheitszustand von Wäldern zu ermitteln.

Dass Baumkronen sich lichten, kann verschiedene Gründe haben: lange Trockenheit oder Käferbefall zum Beispiel sorgen dafür. Außerdem haben ältere Bäume weniger dichte Kronen als jüngere.

Etwa 60 Prozent der Bäume geschädigt

Die begutachteten Bäume werden aufgrund ihres Kronenzustands in eine Schadstufe von 0 bis 4 eingeordnet. Schadstufe 0 bedeutet, dass der Baum keine Schadmerkmale hat – also gesund ist. Die höchste Schadstufe 4 dagegen heißt, dass der Baum abgestorben ist.

Nach Einstufung der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt waren im vergangenen Jahr 41 Prozent der Bäume in Sachsen-Anhalt gesund. 36 Prozent waren schwach geschädigt (Schadstufe 1). Die übrigen 23 Prozent wiesen deutliche Schäden auf (Schadstufen 2 bis 4). 2017 war noch die Hälfte der begutachteten Bäume gesund gewesen.

Rekordwert bei Bäumen mit starken Schäden

2018 fielen fast sechs Prozent der geprüften Bäume in die höchsten Schadstufen 3 und 4 – ein Rekordwert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1991. Im Durchschnitt sind nur etwa 2,5 Prozent aller Bäume derart stark geschädigt.

Allerdings sind 2018 nicht alle Baumarten gleichermaßen in Mitleidenschaft gezogen worden. So sind Kiefern vergleichsweise glimpflich davongekommen. Nur 1,5 Prozent der Kiefern sind stark geschädigt. Bei einigen Laubbaumarten sind es dagegen fast 15 Prozent.

Sehr viele Bäume abgestorben

Aufräumarbeiten nach Sturmschäden wegen Sturmtief Friederike im Südharz.
Schäden nach Sturm Friederike im Südharz Bildrechte: IMAGO

Das vergangene Jahr war außerdem ein besonders tödliches für Bäume. Im Durchschnitt machen abgestorbene Bäume am gesamten Baumbestand lediglich 0,4 Prozent aus. 2018 jedoch war dieser Wert dreimal so hoch und erreichte dadurch ebenfalls einen Rekordstand seit 1991: 1,3 Prozent aller Bäume waren tot.

Für diesen Anstieg ist nur eine einzige Baumart verantwortlich: die Fichte. Während bei allen anderen Arten die Rate der abgestorbenen Bäume im Durchschnitt liegt, sind mehr als drei Prozent aller Fichten in Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr gestorben. Die Todesursache: Sturm Friederike hat im Januar 2018 besonders im Harz viele Fichten entwurzelt, außerdem hat dort der Borkenkäfer zugeschlagen. Friederike hinterließ insgesamt in Sachsen-Anhalt einen Holzschaden von zwei Millionen Kubikmetern.

Dürre und Hitze machen den Bäumen zu schaffen

Außerdem haben dem Wald 2018 die Hitze und der geringe Niederschlag zugesetzt. Zu Beginn des Jahres sah es noch gut aus: Die Wasserspeicher im Boden waren gut gefüllt. Aber bereits ab Anfang Juni fehlte in Sachsen-Anhalt nach einem trockenen April und Mai Wasser im Boden.

Den Kiefern war der sogenannte Trockenstress bereits ab Juli anzusehen, den Laubbäumen dann gegen Ende des Sommers. Zeichen für Trockenstress sind beispielsweise gelbe Nadeln oder zusammengerollte Blätter. Außerdem typisch: Blätter verfärben sich vorzeitig herbstlich oder fallen vorzeitig ab. Eine weitere Folge der Dürre waren Waldbrände. In Sachsen-Anhalt brannte es laut Waldbrandstatistik 2018 bis Anfang Oktober 162 Mal auf insgesamt 122 Hektar.

Trockenjahr kann auch 2019 Folgen für die Bäume haben

Die Dürre von 2018 könnte auch noch in diesem Jahr Auswirkungen auf den Wald haben. Die Erfahrungen aus vorangegangenen Trockenjahren zeigten, dass die Folgen zum Teil mehrere Jahre anhalten könnten, teilte die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt MDR SACHSEN-ANHALT mit.

Es kann daher sein, dass in diesem Jahr wieder viele Bäume starke Schäden aufweisen oder sterben werden. Hinzu kommt, dass es im vergangenen Winter nicht genug geregnet hat, sodass die Böden immer noch sehr trocken sind. In der vergangenen Woche hat die Versuchsanstalt mit ihren Außenaufnahmen für die Waldzustandserhebung 2019 begonnen. Die Ergebnisse sollen Mitte November veröffentlicht werden.

Dürreentwicklung in Sachsen-Anhalt

Bodenfeuchte bis 1,80 Meter für Juli 2018 (links) und 2019 (rechts)

Eine Karte, die die Bodenfeuchtigkeit des Gesamtbodens (bis etwa 1,80 Meter) im Juli 2018 zeigt.
Dürre im Gesamtboden (bis etwa 1,80 Meter) am 7. Juli 2018 Bildrechte: MDR/Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ
Eine Karte, die die Bodenfeuchtigkeit des Gesamtbodens (bis etwa 1,80 Meter) im Juli 2018 zeigt.
Dürre im Gesamtboden (bis etwa 1,80 Meter) am 7. Juli 2018 Bildrechte: MDR/Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ
Eine Karte, die die Bodenfeuchtigkeit des Gesamtbodens (bis etwa 1,80 Meter) im Juli 2019 zeigt.
Dürre im Gesamtboden (bis etwa 1,80 Meter) am 7. Juli 2019 Bildrechte: MDR/Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ
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Wie geht es weiter mit dem Wald in Sachsen-Anhalt?

Seit den 1960er Jahren wachsen gerade jüngere Bäume in Sachsen-Anhalt stärker, als es der durchschnittlichen Entwicklung entsprechen würde, stellt der Waldzustandsbericht fest. Ein Grund dafür könnte ein besserer Waldboden sein, da abgefallenes Laub nicht mehr als Einstreu abgesammelt werden darf. Und tatsächlich könnte es sein, dass der Klimawandel das Baumwachstum in Sachsen-Anhalt mit der höheren CO2-Konzentration in der Atmosphäre und den wärmeren Temperaturen begünstigt.

Aber: Die derzeit für Bäume günstigen Wachstumsbedingungen werden sich wohl Mitte des 21. Jahrhunderts verschlechtern – und zwar ebenfalls wegen des Klimawandels. Denn dann könnte es zu warm und trocken werden. Außerdem erhöht der Klimawandel das Risiko für Stürme – und damit für Bäume die Gefahr, entwurzelt zu werden.

Waldzustandsbericht Sachsen-Anhalt

Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt gibt jährlich einen Waldzustandsbericht für Sachsen-Anhalt heraus. Der aktuelle Waldzustandsbericht 2018 wurde im vergangenen Dezember veröffentlicht. Die vorangegangenen Waldzustandsberichte bis 2007 sind auf der Webseite des Landesumweltministeriums abrufbar.

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Maria Hendrischke arbeitet seit Mai 2017 als Online-Redakteurin für MDR SACHSEN-ANHALT - in Halle und in Magdeburg. Ihre Schwerpunkte sind Nachrichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts, Politik sowie Erklärstücke und Datenprojekte. Ihre erste Station in Sachsen-Anhalt war Magdeburg, wo sie ihren Journalistik-Bachelor machte. Darauf folgten Auslandssemester in Auckland und Lissabon sowie ein Masterstudium der Kommunikationsforschung mit Schwerpunkt Politik in Erfurt und Austin, Texas. Nach einem Volontariat in einer Online-Redaktion in Berlin ging es schließlich zurück nach Sachsen-Anhalt, dieses Mal aber in die Landeshauptstadt der Herzen – nach Halle. Ihr Lieblingsort in Sachsen-Anhalt sind die Klausberge an der Saale. Aber der Harz ist auch ein Traum, findet sie.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 26. Juli 2019 | 05:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juli 2019, 16:59 Uhr

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