Friede auf Erden Warum die Weihnachtsbotschaft noch immer aktuell ist

Am Heiligen Abend werden die Kirchen in Sachsen-Anhalt wieder voll sein. Der Kirchgang zu Weihnachten hat in vielen Familien Tradition. Den meisten reicht dieser eine Gottesdiensts pro Jahr, weswegen ja auch von sogenannten Weihnachtschristen die Rede ist. Doch was können wir auch heute noch von der alten Weihnachtsbotschaft lernen? Uli Wittstock sprach dazu mit Sachsen-Anhalts Bischöfen.

Portrait-Bild von Uli Wittstock
Bildrechte: Uli Wittstock/Matthias Piekacz

von Uli Wittstock, MDR SACHSEN-ANHALT

Der Magdeburger Dom erhebt sich in der Dämmerung über der Elbe.
An Weihnachten strömen die Menschen in die Kirchen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Seit über 2000 Jahren gibt es die Weihnachtbotschaft. Und obwohl sich die Lebenswelt der Menschen seitdem dramatisch verändert hat, bleibt die Botschaft doch immer die gleiche: Friede auf Erden. Und seit 2000 Jahren trifft diese Hoffnung auf eine Welt des Unfriedens. Derzeit werden weltweit 18 Kriege gezählt, manche davon, wie der Bürgerkrieg in Somalia, dauern schon über dreißig Jahre an.

Aber auch hierzulande geht es nicht immer friedlich zu. Erbittert wird gestritten über Klimawandel und Zuwanderung, über abgehängte Regionen und eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft.

Gegenentwurf zur Spaltung

Diese Sichtweise teilt jedoch Friedrich Kramer, Bischof der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands nicht. "Unsere Gesellschaft ist bunt und vielfältig, was natürlich zu Konflikten führen kann. Aber es gibt Kräfte in diesem Land, die Gräben aufschütten wollen, zwischen denen, die angeblich dazugehören und denen, die angeblich nicht dazu gehören." Aus Kramers Sicht ist das Teil einer Ideologie, die mit dem Christentum nicht vereinbar sei: "Das Christentum ist eine weltoffene Religion, weil es davon ausgeht, dass der Feind von heute der Bruder von Morgen werden kann."

Die Weihnachtsbotschaft sei folglich der klare Gegenentwurf zum aktuellen Diskurs, denn nicht Spaltung sondern Versöhnung stehe im Mittelpunkt. Wer also von einem christlichen Abendland rede, um damit sich von anderen Regionen zu unterscheiden, der sollte nicht vergessen, dass die Wiege des Christentums im Orient liegt.

Bischof: "Nehmen Forderungen nach Mitmenschlichkeit ernst"

Mauritius im Chor des Magdeburger Dos
Mauritius ist der Schutzheilige des Magdeburger Doms. Bildrechte: Dommuseum Ottonianum Magdeburg

Dieser Anspruch zeigt sich zum Beispiel im Magdeburger Dom, dessen Schutzpatron nicht Otto oder Heinrich heißt, sondern Mauritius, ein Schwarzafrikaner, wie man deutlich an der Heiligenstatue sehen kann. Einer Legende nach soll Mauritius sich geweigert haben, ein christliches Dorf niederzubrennen. Als Offizier im Dienst Roms bezahlte er dafür mit dem Leben.

Sachsen-Anhalts katholischer Bischof Gerhard Feige verweist darauf, dass Advent und Weihnachtszeit auch eine Zeit der Umkehr sei, um das eigene Tun zu hinterfragen. Aus deshalb führten die Kirchen mitunter schwierige Debatten, wenn es zum Beispiel um die Kluft zwischen reichen und armen Ländern geht, oder die Forderungen nach mehr Klimaschutz.

Dies tue die Kirche jedoch nicht als Selbstzweck, sondern weil sie aufgerufen sei, die biblischen Forderungen nach Mitmenschlichkeit und Solidarität ernst zu nehmen. "Deshalb beziehen wir Stellung gegen populistische Vereinfachungen, gegen Rassismus und Antisemitismus oder gegen Verschwörungstheorien und damit machen wir uns nicht nur Freunde. Aber wenn es um die Menschenwürde und das Gemeinwohl geht, sind die Kirchen aufgerufen, ihre Stimme zu erheben."

Kompromiss ist zum Schimpfwort geworden

Doch dieser Anspruch bleibt nicht unwidersprochen, sowohl innerhalb wie auch außerhalb der Kirchen kritisiert so mancher, die Kirchenvertreter seien Teil einer gesellschaftlichen Elite. Diesen Vorwurf weist Bischof Feige klar zurück, denn auch gegenüber dem Staat äußere man sich kritisch, wenn das notwendig sei.

Allerdings haben die Kirchen weder den politischen Auftrag noch die politische Macht, Dinge zu ändern. Das stellt der Präsident der Landeskirche Anhalt, Joachim Liebig klar. Er bemängelt jedoch eine fehlende Diskussionskultur, sowohl im Politischen, wie auch im Privaten: "Wenn der Weihnachtsstress nachlässt und allmählich Ruhe einzieht, dann gehe ich davon aus, dass in so mancher Familie über die politischen Themen gestritten wird, die das Land auch sonst beschäftigen. Leider scheint es inzwischen so zu sein, dass das Wort Kompromiss eine Art Schimpfwort geworden ist."

Blick auf die Schlosskirche in Wittenberg
Viele Menschen besuchen nur einen Gottesdienst im Jahr – an Weihnachten. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

"Niemand muss die Welt retten"

Wer aber die Forderung nach Frieden auf Erden ernst nehme, müsse bereit sein, auf den anderen Zuzugehen. Niemand sei ein besserer Mensch, bloß weil er dies tue oder jenes unterlasse. Für den gesellschaftlichen Frieden sei eine Debatte ohne moralische Vorurteile wichtig, so Liebig. "Niemand muss die Welt retten, denn das hat ja Jesus schon getan. Natürlich sollte man versuchen, im Rahmen seiner Möglichkeiten die Dinge zu verbessern. Aber daraus sollte man keine moralische Überlegenheit ableiten, diese Art der Selbstvergottung ist mir fremd."

Nach zweitausend Jahren bleibt also "Friede auf Erden" die zentrale Weihnachtsbotschaft. Wie jedoch dieser Friede erreicht werden kann, sowohl im Inneren wie auch im Äußeren, bleibt bis auf weiteres strittig.

Portrait-Bild von Uli Wittstock
Bildrechte: Uli Wittstock/Matthias Piekacz

Über den Autor Geboren ist Uli Wittstock 1962 in Lutherstadt Wittenberg, aufgewachsen in Magdeburg. Nach dem Abitur hat er einen dreijährigen Ausflug ins Herz des Proletariats unternommen: Arbeit als Stahlschmelzer im VEB Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann. Anschließend studierte er evangelische Theologie. Nach der Wende hat er sich dem Journalismus zugewendet und ist seit 1992 beim MDR-Hörfunk. 2016 erschien sein Roman "Weißes Rauschen oder die sieben Tage von Bardorf" im Mitteldeutschen Verlag Halle.

Mehr zum Thema

Zwei Männer mit weißem Stock werden von einer Frau über den Fußweg geführt.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Weihnachtsmann mit kurzer Hose und Surfbrett am Strand
Bildrechte: imago images / Panthermedia

Quelle: MDR/olei

Zuletzt aktualisiert: 24. Dezember 2019, 17:09 Uhr

2 Kommentare

Chemnitzer vor 15 Wochen

Ich beurteile die Menschen nach ihren Taten. Die unerhörte Nachricht über die Messerstecherei im Pfarrhaus in Aue sprengt für mich alles, was ich bis jetzt für möglich gehalten habe. Nur traurig.

Leonardi vor 15 Wochen

Rudolph hat ‘ne rote Nase,
ihm drückt der Glühwein auf die Blase,
bedröhnt fliegt er von Haus zu Haus
und richtet meine Grüße aus....

Mehr aus Sachsen-Anhalt