Ein Radfahrer faehrt auf einem Radweg an der Elbe in Magdeburg entlang
Der Elberadweg war 14 Jahre am Stück der beliebteste Fernradweg Deutschlands. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann

Elberadweg und Co. Was Radtourismus Sachsen-Anhalt bringt

Der Elberadweg war jahrelang Deutschlands beliebtester Radwanderweg. 2019 landete er jedoch auf Platz 2. Der Fahrrad-Club ADFC fordert Investitionen. Das Argument: Radtourismus sei ein Wirtschaftsfaktor. Gerade ländlichen Regionen könne er Geld einbringen.

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Maria Hendrischke, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein Radfahrer faehrt auf einem Radweg an der Elbe in Magdeburg entlang
Der Elberadweg war 14 Jahre am Stück der beliebteste Fernradweg Deutschlands. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann

In Sachsen-Anhalt gibt es 18 Radwanderwege, die überregional wichtig und touristisch interessant sind. Drei Routen davon – Europaradweg, Saale-Radwanderweg und Elberadweg – gehören zur höchsten Radwege-Klasse 1. Sie sind also deutschland- oder sogar europaweit relevant.

Insbesondere der Elberadweg hat es Radfahrern angetan. 14 Jahre in Folge war er der beliebteste Fernradweg Deutschlands. Im vergangenen Jahr fiel er laut Radreiseanalyse 2019 vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und dem E-Bike-Vermieter Travelbike jedoch auf den zweiten Platz. Der Weser-Radweg war bei Radfahrern noch beliebter.

Touristisches "Premiumprodukt": Elberadweg

Etwa 330 Kilometer des insgesamt 1.300 Kilometer langen Elberadwegs – also etwa ein Viertel der Strecke – verlaufen durch Sachsen-Anhalt. Unter anderem liegen Tangermünde, Magdeburg, Dessau und Wittenberg an der Route, ebenso viele kleinere Orte. Landeswirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) bezeichnete den Fernradweg 2017 neben dem Harz als Premiumprodukt in Sachsen-Anhalts Tourismuswirtschaft.

Radtourismus als Wirtschaftsfaktor

Volker Preibisch, der sich beim ADFC mit Radtourismus befasst, wundert sich, dass nach diesem Ergebnis nicht mehr Reaktionen und Bestrebungen aus dem Land kommen, um den Elberadweg wieder auf Platz 1 zu bringen. Denn Sachsen-Anhalt profitiert von Radtouristen: "Fernradwege sind ein Umsatzbringer, besonders für den ländlichen Raum", sagt Preibisch MDR SACHSEN-ANHALT. Allein der Elberadweg bringt ihm zufolge dem Land jährlich etwa 100 Millionen Euro Umsatz.

Fernradwege sind ein Umsatzbringer, besonders für den ländlichen Raum.

Volker Preibisch, ADFC

Radfahrer, die mehrere Tage am Stück unterwegs sind, müssen bei ihren Zwischenstopps demnach übernachten und zudem Verpflegung kaufen. Dabei kämen sie durch die Radwege in Regionen und Orte, die sie sonst nicht besuchen würden. Und: "Radtouristen sind keine Billig-Touristen", sagt Preibisch. Etwa 50 Euro am Tag zahlen sie nach Schätzungen des ADFC im Schnitt allein für ihre Unterkunft.   

Ministerium: Keine Zahlen zu Radtouristen oder Einnahmen

Das Wirtschaftsministerium teilte MDR SACHSEN-ANHALT auf Nachfrage mit, dass lediglich auf dem Elbe- und dem Saaleradweg Radfahrende gezählt würden – allerdings könne dabei nicht unterschieden werden, ob es sich um Radtouristen oder etwa Pendler handele. Außerdem gebe es im Bereich Tourismus und Gastgewerbe keine Erhebungen, mit welchem Verkehrsmittel Gäste angereist seien. Daher lägen "keine belastbaren quantitativen Angaben zur Entwicklung des Radtourismus in Sachsen-Anhalt vor", heißt es vom Wirtschaftsministerium. Nach Einschätzung der Tourismusanbieter lasse sich allerdings sagen, dass diese Art des Urlaubs auch in Sachsen-Anhalt seit Jahren im Trend liege.

Dass es keine genauen Zahlen gibt, wie viele Touristen jährlich die 18 Radwanderwege Sachsen-Anhalts nutzen, hält Preibisch vom ADFC für problematisch. Ohne diese Zählungen fehle ein wichtiges Argument für Investitionen in diese Radwege. Es könne nicht gezeigt werden, wie viele Einnahmen durch Radtouristen generiert würden. "Das ist unprofessionell", kritisiert er.

ADFC empfiehlt nur wenige Radwanderwege im Land

Investitionen in die Radfernwege wären allerdings nötig. "Es gibt nur etwa eine Handvoll Radwanderwege in Sachsen-Anhalt, die ich empfehlen würde", sagt Preibisch. Die meisten der 18 seien in einem miserablen baulichen Zustand. Teils sei auch die Beschilderung sehr schlecht.

Zu denen, die er empfehlen kann, gehört unter anderem der Elberadweg. In diesen sei nach den Schäden durch zwei Hochwasser investiert worden. Die Kosten hat zu 100 Prozent der Bund getragen. Weiterhin sei der Saaleradweg empfehlenswert, der in diesem Jahr 25 wird – aber uneingeschränkt nur auf Teilstücken, etwa im Burgenlandkreis oder auf der Strecke von Halle nach Bernburg. Preibisch nennt außerdem die vergleichsweise kurzen Radwege an der Unstrut und an der Havel. Auch der Europaradweg R1 sei in Ordnung, wobei auch dieser oft nur über geschotterte, landwirtschaftliche Nutzwege führe. Allerdings wollen der Salzlandkreis und Landkreis Harz Millionensummen in den Weg investieren – aber das werde noch dauern.

Radtourismus Radwanderwege in Sachsen-Anhalt – eine Auswahl

Sachsen-Anhalt mit dem Fahrrad bereisen: 18 überregionale und 49 regionale Fernradwege bieten dazu die Möglichkeit. Eine kleine Auswahl im Kurzporträt.

Der Elberadweg am östlichen Ufer der Elbe in Magdeburg.
Elberadweg
Nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern deutschlandweit beliebt: der Elberadweg. Durch Sachsen-Anhalt verläuft er insgesamt etwa 330 Kilometer. Aus Sachsen kommend beginnt der sachsen-anhaltische Abschnitt nahe Pretzsch und führt über Wittenberg, Coswig, Dessau-Roßlau, Schönebeck, Magdeburg und Tangermünde schließlich wieder aus Sachsen-Anhalt heraus und Richtung Norden. Der Weg ist auch an andere Fernradwege oder einzelne Touren, wie zum Beispiel die Bauhaustour in Dessau, angebunden.
Bildrechte: dpa
Der Elberadweg am östlichen Ufer der Elbe in Magdeburg.
Elberadweg
Nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern deutschlandweit beliebt: der Elberadweg. Durch Sachsen-Anhalt verläuft er insgesamt etwa 330 Kilometer. Aus Sachsen kommend beginnt der sachsen-anhaltische Abschnitt nahe Pretzsch und führt über Wittenberg, Coswig, Dessau-Roßlau, Schönebeck, Magdeburg und Tangermünde schließlich wieder aus Sachsen-Anhalt heraus und Richtung Norden. Der Weg ist auch an andere Fernradwege oder einzelne Touren, wie zum Beispiel die Bauhaustour in Dessau, angebunden.
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Schilder mit Hinweisen auf Radwege zeigen in verschiedene Richtungen, aufgenommen in Dessau-Roßlau
Bauhaustour Dessau
Die etwa 22 Kilometer lange Bauhaustour richtet sich an Architekturinteressierte. Die Rundtour verbindet alle Bauhaus-Gebäude in Dessau. Sie startet und endet am Hauptbahnhof.
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Ein asphaltierter Weg führt zwischen zwei Feldern hindurch.
Europaradweg R1
Der Name sagt es schon, der Europaradweg ist wichtig. Auf der Internetseite "Sachsen-Anhalt-Tourismus" zählt er zu den wichtigsten Radwegen auf dem Kontinent. Insgesamt führt er auch über tausende Kilometer von Frankreich bis nach St. Petersburg. Das Teilstück durch Sachsen-Anhalt hat eine Länge von etwa 265 Kilometern. Dennoch sind hier viele Sehenswürdigkeiten gelegen. Von Brandenburg aus kommt man bei Bitterfeld-Wolfen auf dem Europaradweg an und kann ihm über Gräfenhainichen, Oranienbaum, Dessau-Roßlau, Köthen, Bernburg und Staßfurt bis in den Harz (Foto) folgen und weiter nach Niedersachsen fahren.
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Ein Turm in Barby
Saaleradwanderweg
Der Saaleradweg verläuft durch mehrere Bundesländer. Von Bayern aus über Thüringen führt er für insgesamt etwa 175 Kilometer durch Sachsen-Anhalt. Bei Saaleck in der Nähe von Naumburg gelangt man ins Bundesland und folgt dem Verlauf der Saale durch Naumburg, Weißenfels, Halle bis Barby (Foto). Dort endet der Saaleradweg.
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Auf einem Fahrradwegweiser ist eine Hexe auf einem Fahrrad zu sehen. Auf ihrem Gepäckträger hat sie einen Besen.
Harzrundweg
Auf diesem Weg kann man den sachsen-anhaltischen Teil des Harzes auf insgesamt etwa 150 Kilometern von Rottleberode bis hinter Ilsenburg umkreisen. Entlang des Weges liegen verschiedene Attraktionen wie die Ruine der Questenburg, die Brauerei in Wippra oder das Kloster Michaelstein. Weiter führt der Weg durch Niedersachsen und Thüringen. Wegen Steigungen und auch bergab führenden Strecken ist der Weg eine Herausforderung.

Quelle: MDR/mh
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Investitionen in die Radwanderwege nötig

Doch viele Fernradwege entsprechen nicht den baulichen Qualitätsstandards. Als Negativbeispiele nennt Preibisch den Saale-Harz-Radweg, der außerdem sehr schlecht ausgeschildert sei, und den Altmarkrundkurs, bei dem die Abstände zwischen einzelnen Orten teils zu lang seien.

Auf der Webseite "Sachsen-Anhalt-Tourismus" werden auch diese Radtouren trotzdem beworben. Radtouristen könnten von diesen Wegen enttäuscht werden, befürchtet Preibisch. Und selbst auf den empfehlenswerten Routen seien Investitionen nötig, etwa beim Europaradweg oder auch beim in der Gunst der Radtouristen etwas gesunkenen Elberadweg.

Das Problem ist laut ADFC-Landesgeschäftsstelle, dass die Kommunen, die eigentlich für Pflege und Instandhaltung des Elberadwegs zuständig wären, mit der Aufgabe überfordert sind. Einige Abschnitte des Weges lägen zudem in der Zuständigkeit des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW), das den Radwegeausbau aber nicht als seine Aufgabe sehe. "Das müsste auf ministerieller Ebene dringend geklärt werden", fordert der ADFC. Auch Konsequenzen bei der Vermarktung des Elberadwegs seien nötig.

Maria Hendrischke
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Über die Autorin Maria Hendrischke arbeitet seit Mai 2017 als Online-Redakteurin für MDR SACHSEN-ANHALT - in Halle und in Magdeburg. Ihre Schwerpunkte sind Nachrichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts, Politik sowie Erklärstücke und Datenprojekte. Ihre erste Station in Sachsen-Anhalt war Magdeburg, wo sie ihren Journalistik-Bachelor machte. Darauf folgten Auslandssemester in Auckland und Lissabon sowie ein Masterstudium der Kommunikationsforschung mit Schwerpunkt Politik in Erfurt und Austin, Texas. Nach einem Volontariat in einer Online-Redaktion in Berlin ging es schließlich zurück nach Sachsen-Anhalt, dieses Mal aber in die Landeshauptstadt der Herzen – nach Halle. Ihr Lieblingsort in Sachsen-Anhalt sind die Klausberge an der Saale. Aber der Harz ist auch ein Traum, findet sie.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. Juni 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2019, 17:16 Uhr

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4 Kommentare

22.06.2019 16:24 Eckehard zu Hechler 4

Der R1 Radweg im Landkreis Harz und im Landkreis Salzlandkreis ist teilweise in einem sehr schlechten Zustand hier müssen die Landkreise
dringend etwas tun denn ich wohne unmittelbar in der Nähe dieser Radwege.

22.06.2019 13:21 Klaas aus Holland 3

Danke MDR, fuer dieses Bericht. Stimmt absolut. Viele Touren im Osten gemacht. Kaum Verkehr und tolle Landschaften.

22.06.2019 09:38 Didi 2

Da gibt's Ordnungsämter die diese Sache torpedieren und mit strafen drohen das der Elberadweg wackelt. Dort sind Leute die sich in ihrer Freizeit Kuchen u. Getränke anbieten zum allgeimeinnutzen ,da kommen Unterstellungen sondersgleichen vor. Einfach diese Ämter welche auf die Hände schlagen da wird wohl keiner sein der das tut (ich schon )

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