Saisonkräfte fehlen Spargelernte wegen Coronavirus in Gefahr

Auch die Landwirtschaft fürchtet die Folgen der Corona-Epidemie. Aktuell sind besonders die Spargelbauern im Land betroffen. Kurz vor Saisonstart fehlen die polnischen Erntehelfer. Mancher Betrieb kämpft mit der Existenz. Der Bauernverband befürchtet Ernteeinbußen – nicht nur beim Spargel.

Saisonstart beim Spargelstich in Genthin, im Landkreis Jerichower Land
Wer Appetit auf Spargel hat, muss das Edelgemüse in diesem Jahr vermutlich selber stechen. Bildrechte: MDR/Marila Zielke

Das Coronavirus trifft auch die Landwirtschaft in Sachen-Anhalt. Die Spargelbauern rechnen mit erheblichen Einbußen, weil viele der ausländischen Erntehelfer voraussichtlich in diesem Jahr nicht dabei sein können. Für manch alteingesessenen Betrieb ist die Lage existenzbedrohend. Denn bei vielen sind die finanziellen Reserven aufgrund der vergangenen beiden Dürrejahre aufgebraucht.

Einer dieser Betriebe ist der Spargelhof Kalkofen bei Tangerhütte im Landkreis Stendal. Senior-Chefin Sieglinde Kalkofen fürchtet den kompletten Ernteausfall, weil in diesem Jahr keine Wanderarbeiter aus Rumänien und Polen gekommen seien. Wenn das Wetter so bleibe, könne zwar nächste Woche schon der erste Spargel gestochen werden, allerdings nähmen große Abnehmer wie Hotels mangels Gästen derzeit keinen Spargel, beklagt Kalkofen.

Niemand kauft jetzt Spargel, weder auf Bauernmärkten noch im Laden. In diesen Zeiten haben die Menschen andere Sorgen. Spargel braucht da kein Mensch.

Sieglinde Kalkofen

Nach Hitzesommern nun Corona

Spargelfeld und Erntehelfer
Die Spargelsaison steht vor der Tür, die Helfer nicht – viele Landwirte haben nicht genügend Kräfte für die Ernte. Bildrechte: MDR / Barbara Brähler

Auch Spargelbauer Patrick Wolter aus Hohenseeden kämpft mit den Folgen der zwei vergangenen Hitzesommer und der Coronakrise. Der Landwirt aus dem Jerichower Land rechnet in diesem Jahr nur mit einem Bruchteil der sonst 120 polnischen Erntehelfer. Kopfzerbrechen bereite ihm besonders, dass Polen die Grenze zugemacht hat. Zwar kämen die Helfer aus Polen heraus, aber nicht wieder rein, so Wolter.

Sollten nicht alle Helfer anreisen können, könnte der Spargel auf rund 80 Prozent der 120 Hektar großen Fläche nicht abgeerntet werden. Deshalb wolle er nun erstmal mit einem kleineren Team starten. Er habe einen Bus mit acht Mann geordert und werde schauen, ob das funktioniere. Die polnischen Erntehelfer gegen deutsche ungelernte Kräfte auszutauschen, sei schwierig, so Wolter:

Sicherlich wäre das möglich, aber erfahrungsgemäß kann man die Leistung der Polen nicht an den Deutschen messen. Die sind für uns unverzichtbar […]. Mit ungelernten Kräften die aktuelle angespannte Situation durchzuführen, mit Abstand halten und so, das halte ich für fast nicht möglich.

Patrick Wolter

Idee: Spargel zum Selberstechen anbieten

Alternativ überlegt Landwirt Wolter, dass seine Kunden den Spargel für einen kleinen Obolus teilweise selber stecken können.

Diese Idee ist auch für Ingo Hindorf vom Spargelhof in Langeneichstädt nicht abwegig. Auch er überlegt, im "Corona-Jahr" seinen Spargel zum Selberstechen freizugeben. Denn auch auf den Feldern im Saalekreis fehlen die Erntehelfer. Zwei Wochen vor Saisonstart sind dort zurzeit drei Kräfte auf den Feldern, normalerweise wären es 50. Als Grund nennt der Landwirt einerseits die geschlossene Grenze zu Polen. Andererseits kämen viele Helfer aus Angst vor einer Ansteckung nicht, einige seien zudem in Quarantäne, sagt Hindorf.

Bauernverband fürchtet Einbußen

Angesichts der fehlenden Erntehelfer in der Landwirtschaft fürchtet auch Sachsen-Anhalts Bauernverband Einbußen. Verbandspräsident Olaf Feuerborn erklärte, die Situation könne noch zu Problemen führen, die man heute noch nicht kenne. Viele Salat- und Gemüsepflanzen müssten auch erstmal in die Erde gebracht werden: "Wenn dafür die Arbeitskräfte fehlten, kann man nichts aufs Feld bringen. Und wenn man es nicht abernten kann, bleibt das Obst und Gemüse auf dem Acker."

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 20. März 2020 | 12:00 Uhr

5 Kommentare

nutzer2020 vor 32 Wochen

@Anhaltiner
Es geht hier nicht um irgendeinen "überteuerten" Spargel. Es geht hier um Existenzen. Un wenn in Deutschland nichts mehr rein oder rauskommt dann bringt Ihnen der billige Spargel aus Polen auch nichts!

Dab vor 32 Wochen

Leider gibt es die gute alte Meinung.Der in Deutschland geerntete Spargel,ist nicht um die halbe Welt gereist und hat damit ,die Umwelt nicht so stark belastet.Dies sollte man bei im Ausland gestochenen Spargel immer bedenken.Den es wird auch deutscher Spargel,im Discounter verramscht...Auch die Spargelbauern sind Teil unserer Landwirtschaft,sie finanzieren unseren Staat mit.Auch sie haben,wie alle Landwirte hohe Zukunftssorgen.Da der Verbraucher nur alles Billig will und die Handelsriesen daher,die Preise drücken.Alls Beispiel im letzten Jahr wurde der "Deutsche" Spargel für 2,50 - 4,00€/kg aufgekauft und danach Gewinn bringend weiter Verkauft...Ich kaufe auch weiter den Regionalenspargel und Unterstütze damit die Landwirtschaft!

DER Beobachter vor 32 Wochen

Ich schlage vor, dass alle Befürworter einer Abschottungspolitik gegenüber Fremden zur Landarbeit zwangsverpflichtet werden - bei gleichem Lohn!

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