Weniger Straßenkriminalität durch Corona-Pandemie Kriminalität in Sachsen-Anhalt sinkt, Polizei warnt vor Betrügern

In Zeiten von Corona und Ausgangsbeschränkungen ist die Zahl der angezeigten Straftaten im Land signifikant zurückgegangen. Dennoch ist Vorsicht geboten – vor allem im Internet.

Ein Bundespolizist scannt mit einem Mobiltelefon einen Reisepass.
Seit Beginn der Corona-Epidemie werden deutlich weniger Straftaten begangen (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Wo weniger Menschen zusammentreffen, gibt es auch weniger Kriminalität. Bars, Diskotheken oder Ausflugsziele haben geschlossen. Straßenkriminalität – also Schlägereien oder Raubstraftaten – werden seltener angezeigt. Landesweit hat die Polizei über alle Tatgruppen gerechnet in der Woche ab dem 9. März insgesamt noch 3.609 Anzeigen aufgenommen. Zwei Wochen später waren es nur noch 2.889  – also 700 Anzeigen weniger. Gestiegen ist in den vergangenen Wochen die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt und die Zahl der Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz. Die Zahlen im Detail:

Wo die Kriminalität zurückgegangen ist

Besonders signifikant ist der Rückgang im Fall der Straßenkriminalität. 598 Fällen in der Kalenderwoche 11 stehen 364 Anzeigen in Kalenderwoche 13 gegenüber. Grund ist nach Angaben des Innenministeriums, dass Bars und Diskos genau wie viele Ausflugsziele geschlossen sind – und weniger Alkohol in der Öffentlichkeit getrunken wird. Ähnliches ist im Bereich der Rohheitsdelikte – wie etwa Körperverletzungen – und bei Straftaten gegen die persönliche Freiheit zu beobachten: Hier fielen die angezeigten Fälle von 497 auf 345. Außerdem gibt es weniger bekannt gewordene Diebstähle. Die Zahl sank von 1.178 auf 981. Das hänge damit zusammen, dass ein Kontaktverbot gilt – und viele Läden dicht sind. Laut Innenministerium muss aber noch abgewartet werden, ob im Gegenzug nicht die Zahl der Einbrüche, zum Beispiel in Keller, steigt.

Auch die Zahl der festgestellten Verkehrsunfälle ist gesunken. Das wird ebenfalls auf die Kontaktbeschränkungen und den dadurch reduzierten Verkehr zurückgeführt.

Wo die Fallzahlen angestiegen sind

Während die Kriminalitätszahlen in vielen Feldern sinken, steigen sie auch in einigen Bereichen. So gibt es mehr Fallzahlen, wenn es um Gewalt "in engen sozialen Beziehungen" geht. Im Bereich der häuslichen Gewalt stiegen die Anzeigen innerhalb von zwei Wochen von 17 auf 28. Inwieweit das mit den derzeit geltenden Ausgangsbeschränkungen zusammenhängt, sei aber noch nicht endgültig klar. Die Zahlen schwankten regelmäßig, heißt es vom Innenministerium.

Neu ist zudem die Erfassung von Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz. Dieser Straftatbestand spielte bis vor wenigen Wochen in Sachsen-Anhalt gar keine Rolle. Null Fälle in Kalenderwoche 11 belegen das. Mit Stand vom 2. April wurden dann 158 Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Gesetz im Land eingeleitet.

So werden die Zahlen erfasst Um einen seriösen Vergleich in der tatsächlichen Kriminalitätsbelastung anstellen zu können, bedarf es statistisch bereinigter und somit valider Daten aus der polizeilichen Kriminalstatistik, erklärt das Innenministerium. Diese Daten liegen derzeit noch nicht final vor. Insofern erfolgen die Aussagen zu den Fallzahlen einzelner Deliktsfelder auf Basis des erstatteten Anzeigen.

Warnung vor neuen Kriminalitätsfeldern

Während viele Menschen zu Hause bleiben und die Kriminalität auf den Straßen sinkt, ergeben sich neue Schwerpunkte. So warnt das Innenministerium vor Betrügern. Im Bundesgebiet seien bereits Täter in Erscheinung getreten, die den durch die Corona-Maßnahmen bedingten Ausnahmezustand für sich nutzen wollen. So sollen bereits mehrfach falsche Mitarbeiter von Gesundheitsämtern aufgetreten sein, die verunsicherten Bürgern Corona-Tests zu horrenden Preisen angeboten haben. Andere hätten mit Schutzbekleidung ausgestattet versucht, sich Zutritt zu Häusern oder Wohnungen zu verschaffen. Dort würden dann Wertgegenstände und Bargeld gestohlen, so das Innenministerium.

Der Rückzug ins Private sorgt außerdem für einen verstärkten Onlinehandel. Das führe dazu, dass auch hier zunehmend Betrugsversuche beobachtet würden. Vor einigen Tagen warnte etwa die Arbeitsagentur vor betrügerischen Emails. Zudem kursiert eine angebliche Mitteilung des Bundeskriminalamts, die für den Kauf einer Corona-Karte wirbt. Dabei handelt es sich jedoch um Schadsoftware.

Abschließend rät das Innenministerium zu prüfen, ob im Internet angebotene Schutzkleidung oder Medikamente tatsächlich das halten, was versprochen wird. Hier bestehe die Gefahr, dass völlig wirkungslose Plagiate verkauft werden oder Transaktionen einseitig zum Nachteil der Geschädigten verlaufen.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 06. April 2020 | 07:30 Uhr

1 Kommentar

Erichs Rache vor 7 Wochen

"Kriminalität in Sachsen-Anhalt sinkt" ist eine begrüßenswerte Nachricht.
"Polizei warnt vor Betrügern" kann ich nachvollziehen:

https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/landespolitik/kritik-umgang-studie-zuwanderung-ueberalterung-fremdenfeindlichkeit-100.html

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