Autos auf der Straße
Allmorgendlich am Hegel-Gymnasium in Magdeburg: haltende Autos in zweiter Reihe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Problem "Elterntaxi" Wenn der Schulweg zur Gefahr wird

Viele Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. Was für mehr Sicherheit sorgen soll, führt immer wieder zu brenzligen Situationen, vor allem in den Innenstädten. Der morgendliche Verkehr am Magdeburger Hegel-Gymnasium ist ein Beispiel dafür.

von Mario Köhne, MDR SACHSEN-ANHALT

Autos auf der Straße
Allmorgendlich am Hegel-Gymnasium in Magdeburg: haltende Autos in zweiter Reihe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vor den Schulen in Sachsen-Anhalt spielen sich jeden Morgen dieselben Szenen ab. Neben den Kindern, die mit Bahn, Bus oder Rad zur Schule kommen, steigen auch viele aus den sogenannten "Elterntaxis".

Hälfte der Schüler wird gefahren

Vor allem an den großen Schulen in den Innenstadtbereichen ist es ein Problem, wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto zum Unterricht bringen. Der Direktor des Magdeburger Hegel-Gymnasiums, Konrad Woitag, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er gehe davon aus, dass mehr als die Hälfte seiner 950 Schülerinnen und Schüler mit dem Auto zur Schule gebracht werden.

Konrad Woitag
Konrad Woitag, Schulleiter des Hegel-Gymnasiums Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Gymnasium liegt am Rande der Innenstadt und direkt am viel befahrenen Schleinufer. Eltern, die ihre Kinder morgens dort hinbringen parken entweder in der einzigen Einfahrt und damit auch quer auf Rad- und Fußweg. Oder sie halten in einer der anliegenden Innenstadtstraßen in der zweiten Reihe, weil am Straßenrand schon alles zugeparkt ist. Das sorgt nicht nur für Stau und Unmut bei den folgenden Autofahrern, sondern auch täglich zu gefährlichen Situationen. Schulleiter Woitag:

Es ist Glück, dass bisher noch nie etwas passiert ist.

Konrad Woitag, Direktor Hegel-Gymnasium
Dirk Breitung
Dirk Breitung, Schulelternratsvorsitzende am Hegel-Gymnasium Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch Tim Liebe vom Stadtelternrat und Dirk Breitung von der Schulelternvertretung am Hegel-Gymnasium kennen das Problem. "Uns liegt vor allem an der Sicherheit der Kinder. Aber gerade in der dunklen Jahreszeit ist es extrem", berichtet Liebe MDR SACHSEN-ANHALT. Kinder seien im Straßenverkehr oft weniger aufmerksam als Erwachsene. Das berge große Gefahren. Liebe beobachtet in Magdeburg solche Situationen auch immer wieder am Norbertusgymnasium.

Dabei ist Verständnis für die Eltern da. Stadtelternratssprecher Liebe sagte, man könne es den Eltern nicht verdenken. Sowas sei auch normal. Liebe spielt auf die Bedenken der Eltern gerade im Herbst und im Winter an. Schulleiter Woitag pflichtet ihm bei. Für viele Eltern sei es einfach praktisch, ihr Kind auf dem Weg zur Arbeit an der Schule abzusetzen. Die Schule könne da wenig tun.

Autos auf der Straße
Viele Eltern bringen ihre Kinder auf dem Weg zur Arbeit zu Schule. Dabei halten sie nur kurz an und die Kinder eilen raus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Maßnahmen bleiben bisher aus

Woitag, Liebe und Breitung sehen vor allem den Gesetzgeber am Zug. Der Stadtelternrat fordert von der Stadt als Schulträger, dass vor allen Schulen in Magdeburg Tempo 30 gelten soll. Seit November gibt es eine Novellierung des entsprechenden Landesgesetzes. Liebe: "Wir haben aber das Gefühl, dass die Stadt das verhindern will". Bei Neubauten von Schulen sollten außerdem Wendeschleifen für die Autos mitgeplant und mitgebaut werden. In anderen Bundesländern würden das Schulbaurichtlinien regeln. Die gebe es aber in Sachsen-Anhalt nicht.

Die Polizei habe sich die Situation vor dem Hegel-Gymnasium in Magdeburg nur selten genauer angesehen, berichtet Direktor Woitag. Dazu passt die knappe Auskunft, die MDR SACHSEN-ANHALT von Seiten der Polizeidirektion Nord zu dem Thema bekommen hat. Sinngemäß hieß es aus der Pressestelle: Es gibt in der Region kein Problem mit sogenannten "Elterntaxis".

Mehr zum Thema:

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 31.01.2018 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 01.02.2018 | 07:10 Uhr

Quelle: MDR/pat

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2018, 09:51 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

18 Kommentare

02.02.2018 17:48 Einer aus der Frühschicht 18

Liebe Frauke Garstig mit den Fahrzeugen von damals kennst Du Dich nicht so richtig aus. Es waren H3A, S4000, Opel Blitz, EMW`s, Troll`s, SR2, ab und zu ein Pferdegeschirr usw. Im übrigen haben wir den Fußweg benutzt und nicht die Fahrbahn. Also war das Verkehrsaufkommen relativ uninteressant. Benutzen heutzutage die PKW u.ä. den Fußweg? Einige Minuten zur Schule gehen schadet den Kinder/Jugendlichen bestimmt nicht, zumal der Sportunterricht oftmals ausfällt.
Demnächst plädierst Du auch noch für GPS Sender am Ranzen um die Kinder zu orten (überwachen?).

02.02.2018 12:28 Frauke Garstig 17

@15 Du solltest dir ein Bild vom Geschehen machen, den Artikel lesen und nicht nur die bunten Bilder auf der MDR-Seite anschauen! Vielleicht sollte man vor Schulen auf Tempo 10 oder sogar auf Schrittgeschwindigkeit regulieren, aber selbst dann verstehen viele nicht den Sinn hinter diesen Schildern und erst recht nicht, warum diese ausgerechnet vor Schulen und Kitas stehen müssen!

02.02.2018 10:27 Sr.Raul 16

Puh, @7 (Leser), das ist ja ein Denkanstoß der knallharten Sorte. Mit kalten Schauern über den Rücken laufend wird die Aufgabe des WE wohl rückblickend in der Beantwortung der Frage bestehen: Wie haben wir Das einst nur überlebt? Schicksal, Fügung, glückliche Umstände?