Moskitos werden in einer Petrischale untersucht.
Vor allem Mücken dienen als Überträger des Virus. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Infektionen West-Nil-Virus in Sachsen-Anhalt: Gekommen, um zu bleiben

Im zweite Jahr in Folge sind in Sachsen-Anhalt Tiere nach einer Infektion mit dem West-Nil-Virus verendet. Experten zufolge wird das Problem auch noch weiter zunehmen. Sogar Menschen sind in Gefahr, denn einen Impfschutz gibt es nicht.

Moskitos werden in einer Petrischale untersucht.
Vor allem Mücken dienen als Überträger des Virus. Bildrechte: imago/ZUMA Press

In Sachsen-Anhalt wird das exotische West-Nil-Virus offenbar auch in Zukunft eine Bedrohung bleiben – vor allem für Vögel. Hintergrund sind ein gutes Dutzend nachgewiesener Infektionen mit dem tropischen Virus in diesem Jahr. Im Magdeburger Zoo und im Tierpark Wittenberg verendeten infolgedessen drei Schneeeulen. Experten gehen davon aus, dass das Problem in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird.

Übertragung auf Pferde und Menschen möglich

Tierärztin Kerstin Albrecht, Landesamt Verbraucherschutz
Rät zu Mückenschutz: Tierärztin Kerstin Albrecht Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doreen Werner, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg bei Berlin, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, seit zwei Jahren werde eine zunehmende Tendenz registriert. "Zurückzuführen, wahrscheinlich, auf den Klimawandel, die wärmer werdenden Sommer, und damit die besseren Bedingungen für das Virus, sich eben auch in Deutschland zu vervielfältigen", so die Expertin. Als Überträger dienten Mücken. Gelegentlich würden auch Pferde und Menschen infiziert, erklärte Werner: "Bei Pferden und auch beim Menschen sind ähnliche Symptome zu verzeichnen. Das kann bei ganz einfachen Schwächesymptomen anfangen, sich über Fieber und Muskelzittern zeigen. Aber das Fatale ist, dass es auch beim Pferd und beim Menschen zu Todesfällen kommen kann."

Da es nur für Pferde einen wirksamen Impfschutz gibt, müsse beim Mückenschutz aufgerüstet werden, sagt Kerstin Albrecht, Tierärztin im Landesamt für Verbraucherschutz. "Man sollte zusehen, dass man die Stechmücken-Population gering hält", so die Dezernatsleiterin. Sie geht auch davon aus, dass das Virus 2018 über einen Zugvogel mit einer Mücke eingeschleppt worden ist. Sie empfiehlt daher Mückennetze, um Häuser und Käfige zu schützen. Außerdem sollten Regentonnen abgedeckt und Vasen ausgeleert werden, um Mückenplagen vorzubeugen. "Wenn wir die Mücken verringern oder in Schach halten und nicht an uns rankommen lassen, dann sind wir auch sehr wirksam vor dem West-Nil-Virus geschützt."

Sechs Virus-Tote in Südeuropa

2018 war das West-Nil-Virus erstmals in Deutschland bei einem Vogel nachgewiesen worden – bei einem Bartkauz im Bergzoo Halle. Eulen-, Greif- und Rabenvögel sind die wichtigsten Wirte des Virus, das ursprünglich aus den Tropen stammt. Erstmals wurde es 1937 in der Region West Nil in Uganda nachgewiesen, später in anderen Ländern Afrikas und Asiens, danach breitete es sich rasch über fast alle Erdteile aus, schaffte in den Neunzigerjahren sogar den Sprung über den Atlantik.

Die europäische Gesundheitsbehörde ECDC meldete bis Mitte August für dieses Jahr 69 infizierte Menschen, vor allem aus Griechenland und anderen südeuropäischen Ländern. Sechs davon starben. In Deutschland hatte sich 2018 ein Tierarzt bei der Obduktion eines toten Vogels infiziert.

Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 14. September 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2019, 17:19 Uhr

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