Versorgungsmangel droht Wie Sachsen-Anhalts Spediteure um neue Lkw-Fahrer kämpfen

In Sachsen-Anhalt fehlen Lkw-Fahrer. Neben schwierigen Arbeitsbedingungen und Überalterung trägt auch das schlechte Berufsbild zum Fahrermangel bei. Spediteure fordern deshalb ein Umdenken in der Gesellschaft.

Abgestellte Lastwagen stehen auf der Rastätte.
Überall in Sachsen-Anhalt werden Lkw-Fahrer gesucht. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Jährlich gehen 30.000 Lkw-Fahrer deutschlandweit in den Ruhestand. Nur 15.000 kommen nach. Das spüren auch Spediteure in Sachsen-Anhalt. Genaue Zahlen für das Land gibt es zwar nicht, aber auch die Unternehmen in der Region suchen nach neuen Fahrern, berichtet Spediteur Arndt Lörcher aus Haldensleben: "Der Beruf des Kraftfahrers hat ein schlechtes Image. Die Infrastruktur in Deutschland wird nicht besser. Wir arbeiten unter einem hohen Zeitdruck. Wegen der vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten gibt es zudem sehr strikte Kontrollen." All das mache den Beruf nicht sonderlich attraktiv.

Schlechtes Berufsimage

Das Problem sei allgegenwärtig, so Lörcher. Seit vier Jahren habe sich die Lage aber zugespitzt, sagt er. Ein Grund dafür sei der starke Anstieg des Online-Versandhandels, heißt es in einer Stellungnahme des Landesverbandes Verkehrsgewerbe.

Einer weiterer ist zweifellos der hohe Altersdurchschnitt bei den Fahrerinnen und Fahrern, so der Landesverband: "Im deutschen Güterverkehr/Lkw belief sich Ende 2018 der prozentuale Anteil für Arbeitnehmer*innen zwischen 55 und 65 Jahren bei 27,5 Prozent." Mehr als ein Viertel der Lkw-Fahrer wird als in den kommenden Jahren aus dem Beruf ausscheiden. Nachwuchs finden die Speditionen viel zu selten.

Unattraktive Ausbildung

Laut Danilo Ebel, Vorstand des Landesverkehrsgewerbes, liegt das auch an den schwierigen Ausbildungsbedingungen: "Das Problem ist die praktische Ausbildung. Denn so ein Lkw ist das Wohnzimmer eines Kraftfahrers. Da ist es natürlich schwierig, zusätzlich einen jungen Mann die ganze Woche mitzunehmen."

Mario Leiste, Niederlassungsleiter einer Spedition in Landsberg, ergänzt: "Bei der Bundeswehr werden kaum noch Lkw-Fahrer ausgebildet. Das bekommen wir zu spüren." Zudem sei ein Lkw-Führerschein sehr teuer. Was also tun? Ebel verweist auf verschiedene Werbeaktivitäten des Verbandes. So werde mittlerweile schon bei Fünftklässlern um Nachwuchs geworben und versucht, das Bild des Lkw-Fahrers zu verbessern. Bislang mit mäßigem Erfolg.

Mehrere Lkw stehen auf einer Rastanlage
Der Beruf Lkw-Fahrer genießt kein hohes Ansehen bei Berufseinsteigern. (Symbolbild) Bildrechte: imago images / Manngold

Komfort und Sicherheit für Fahrer

Das Problem liege jedoch nicht an der Bezahlung der Fahrer, meint Ebel. Spediteur Lörcher sagt: "Was die Entlohnung angeht, hat sich in der Branche in den vergangenen Jahren einiges getan." Aber offenbar noch nicht genug. Deswegen hat der Haldensleber Spediteur seinen Fuhrpark im vergangenen Jahr modernisiert. "Wir haben hohen Wert darauf gelegt, den Ansprüchen des Fahrpersonals gerecht zu werden und wollen den Fahrern was Komfort und Sicherheit angeht, alles bieten, was möglich ist." Trotzdem geht er davon aus, dass der Fahrermangel in Deutschland ein Dauerproblem bleiben wird.

Speditionen suchen Lkw-Fahrer in Polen

Der Blick des Spediteurs geht deshalb ins Ausland. "Wir müssen in Osteuropa akquirieren, aber selbst das wird immer schwieriger für uns", berichtet Lörcher. Denn natürlich ist er nicht der einzige, der dort schaut. Spediteur Mario Leiste erzählt: "Wir haben gut 90 Fahrer in unserer Niederlassung. Etwa 30 davon kommen mittlerweile aus Polen." So gelinge es aktuell, die fehlenden deutschen Fachkräfte zu kompensieren. Der große Vorteil: Die polnischen Fahrer seien im Schnitt deutlich jünger als ihre deutschen Kolleginnen und Kollegen.

Weil jedoch auch die Polen an den Wochenenden nach Hause zu ihren Familien wollen, werde die Tourenplanung nicht unbedingt einfacher. Dennoch sagt Leiste: "Drastisch gesagt funktioniert die deutsche Logistik nur noch dank der polnischen Fahrer." Doch auch ihm ist bewusst, dass der Fundus an polnischen Truckern nicht unendlich ist. Deswegen beschäftigt ihn, genau wie seinen Kollegen aus Haldensleben, die Frage, wie es in den kommenden Jahren weitergehen soll.

Spediteur: "Menschen müssen Konsumverhalten ändern"

Beide wünschen sich deshalb mehr gesellschaftliche Wertschätzung für Lkw-Fahrer und -Fahrerinnen. Auch der Landesverband fordert diese ein. Ebenfalls weit oben auf der Wunschliste der Logistikbranche steht eine bessere Infrastruktur – etwa mehr Parkplätze für Lkw und der zügigere Ausbau von Straßen.

Denn wenn nicht gegengesteuert wird, spüren das früher oder später auch die Verbraucher, ist sich Spediteur Lörcher sicher. "Die Leute müssen sich auf Versorgungslücken einstellen", warnt er. "Oder ihr Konsum- und Bestellverhalten ändern, damit wir die Warenströme auch in Zukunft bewältigen können."

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. Januar 2020 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2020, 14:28 Uhr

24 Kommentare

RichtersEx vor 3 Wochen

Also bisher habe ich noch nicht feststellen können dass sich die Speditionsbrachne bemüht, dass ihre Kraftfahrer besser behandelt werden.
Deren Lobbyisten stecken bisjin in unserer Regierung.
Dumpinglöhne, lange Schichtzeit en von 13 bis 15 Std in dem der Fahrer 10 Std arbeiten darf /offiziell 😜

thom thom vor 3 Wochen

MoinMoin
wer kann denn mit Gewissheit sagen das da wirklich so ist , das mit dem Fahrermangel oder nur eine Finte um noch mehr Billigfahrer in Land zu holen und weiterhin dicke Maschen in ihre Taschen zu stecken Osteuropa Philippinen Russen sie holen sie ins land halten sie wie Sklaven uns gauckelt man vor,es sei Fahrermangel unsere Löhne sinken seit 15 Jahren mit der Einwanderung dieser Leute ich fahre seit 25 Jahren habe International habe fast 4000 mit nach Hause genommen wenn ich 30 Tage unterwegs war da musst du heute 50 Tage für fahren es hat mir früher Spass gemacht und es gab noch Kollegen heute kannste das alles vergessen ,ab 17 ihr Parkplatz Krieg keine duschen vollgeschissene toiletten überfüllte Mülleimer nach Urin stinkende Parkplätze ,und heute Geldverschwendung beim Parkplatz Bau elektronische Türen und so, anstatt eine anständige Waschgelegenheit und Duschen für die Fahrer einzubauen eine Schande ist diese Behandlung

K... vor 3 Wochen

Was die Endlohnung angeht.....ja ja,es hat sich wirklich einiges getan jegliche Standzeiten werden abgezogen sogar die eine Minute an der roten Ampel so das man dem Kraftfahrer nur die reine Lernzeit bezahlt! Das heißt 15 Stunden Tag und 9 Stunden bezahlt das zum Mindestlohn! DANKE HERR L.......

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