Aufnäher auf dem Hemdsärmel eines deutschen Zollbeamten
Artikel von Sportherstellern oder Elektronik beanstanden die Zöllner häufig (Symbolbild). Bildrechte: IMAGO

Marken-Fälschungen Zoll verzeichnet immer mehr Produkt-Piraterie

In Sachsen-Anhalt registriert der Zoll einen extremen Anstieg von Fälschungen. Besonders häufig sind Sport- und Elektronikartikel darunter, die im Internet als Schnäppchen angeboten werden. Dann erlebt der Kunde ein böses Erwachen, denn der Zoll geht gegen die Produkt-Piraterie entschieden vor.

Aufnäher auf dem Hemdsärmel eines deutschen Zollbeamten
Artikel von Sportherstellern oder Elektronik beanstanden die Zöllner häufig (Symbolbild). Bildrechte: IMAGO

Günstige Preise für teure Marken – damit werden Kunden gern gelockt, besonders im Internet. Bequem bestellen per Mausklick und in wenigen Tagen wird das Paket zur Haustür geliefert. Oder auch nicht – denn es gibt dubiose Online-Händler, die gefälschte Waren für wenig Geld anbieten.

Der Kunde zuhause erlebt dann ein böses Erwachen, denn der deutsche Zoll geht mittlerweile entschieden gegen Produkt-Piraterie vor. Wird nachgemachte Ware erkannt, geht der Kunde komplett leer aus. Die Fälschungen werden beschlagnahmt und entsorgt. Das gilt auch für Waren, die einem Einfuhrgebot vorliegen.

Viele Fälschungen aus China, den USA und dem Iran

Pakete liegen in einem Regal.
Allein im Dessauer Zoll-Depot landen rund 1.500 verdächtige Pakete pro Jahr. Bildrechte: MDR/André Damm

In Sachsen-Anhalt sind dem Hauptzollamt zufolge im vergangenen Jahr 388 Verstöße aufgedeckt worden. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg von mehr als 70 Prozent.

Annica Wieblitz vom Hauptzollamt in Magdeburg sagte MDR SACHSEN-ANHALT, besonders Artikel von namenshaften Sportherstellern würden in den Zoll-Depots landen. Solche Waren würden häufig zu Europa- oder Weltmeisterschaften eingeführt. Aber auch Elektronikartikel – allen voran Handys – oder Sonnenbrillen seien oft darunter. Die meisten Fälschungen kommen den Angaben zufolge aus China, den USA und dem Iran.

Das sind vor allem Produkte, wo die Gewinnmarge sehr hoch ist, also wo man sagt, es lohnt sich auch, die Ware zu imitieren.

Annica Wieblitz, Hauptzollamt Magdeburg

Verdachtsfälle gibt es häufiger. Allein im Zoll-Depot in Dessau landen rund 1.500 verdächtige Pakete pro Jahr. Bei Unsicherheiten ziehen die Zöllner Experten zu Rate. Wieblitz: "Wir schicken viel zur Begutachtung. Gerade Handys müssen zur Bundesnetzagentur geschickt werden, wo man schaut, ob das Ladekabel überhaupt den deutschen Vorschriften entspricht und nicht gleich beim ersten Gebrauch sofort durchbrennt." Gibt es von den Prüfern kein grünes Licht, darf die Ware nicht ausgeliefert,  sondern muss vernichtet werden.

Teure Schnäppchen

Gibt es zwar grünes Licht, sei es in den meisten Fällen kein Schnäppchen mehr, sagt Zöllnerin Wieblitz. "Das wird eher nochmal teuer, weil man entweder noch die Spritkosten auf sich nehmen muss – man muss erstmal zum Zoll fahren, muss vielleicht noch einen Aufschlag zahlen, den Zollbetrag sowieso, die Einfuhrumsatzsteuer."

Zudem habe man dann vielleicht ein Produkt, das keine Gewährleistung hat, im schlimmsten Fall noch irgendeine Chemie verarbeitet ist oder ein Turnschuh, der gar keine Dämpfung hat.

In den kommenden Monaten dürfte auf die Zöllner hierzulande noch deutlich mehr Arbeit zukommen. Sollte es einen "harten Brexit" geben, müssten alle Waren aus Großbritannien beim Zoll nachträglich versteuert werden.

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Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19. August 2019 | 10:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2019, 10:49 Uhr

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