Deutschlandkarte mit den Klassen nach dem Progno-Zukunftsatlas
Zukunftsaussichten für Deutschland: Im Süden liegen die bestbewertesten Regionen, in Sachsen-Anhalt sieht es schlechter aus. Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Studie Schlechte Zukunftsaussichten in Sachsen-Anhalt – außer in Magdeburg

Welche Region hat die besten Zukunftsaussichten? Welche Stadt, welcher Kreis hat die niedrigste Arbeitslosigkeit? Alle drei Jahre bewertet eine Studie Chancen und Risiken der Regionen. In Sachsen-Anhalt wird Magdeburg am besten bewertet. Überall sonst überwiegen die Risiken.

Deutschlandkarte mit den Klassen nach dem Progno-Zukunftsatlas
Zukunftsaussichten für Deutschland: Im Süden liegen die bestbewertesten Regionen, in Sachsen-Anhalt sieht es schlechter aus. Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Die Stadt Magdeburg hat in Sachsen-Anhalt die besten Zukunftschancen. Das ist das Ergebnis der alle drei Jahre erscheinenden Zukunftsstudie 2019 des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos. Die Landeshauptstadt belegt Rang 290 von bundesweit insgesamt 401 Kreisen und kreisfreien Städten. Vor 15 Jahren lag Magdeburg noch an Position 352 (von 439).

Der Studie zufolge gleichen sich in der Hauptstadt die Chancen und Risiken für ein mögliches künftiges Wirtschaftswachstum aus. Die Aussichten aller anderen Kreise und kreisfreien Städte im Land werden dagegen schlechter bewertet. Für die Untersuchung werden Faktoren wie die Bevölkerungsentwicklung, die Arbeitsplatzdichte, die Kaufkraft und Kriminalitätsrate ausgewertet. Magdeburg schneidet im Verhältnis bei Dynamikfaktoren wie Arbeitslosenquote, Bevölkerungsentwicklung und Gründungsintensität gut ab. Innovation, Wohlstand und Stärkefaktoren wie die Zahl der Patente werden eher schlecht bewertet.

Ziel der Studie sei es, herauszufinden, "in welche Regionen bekannte und neue Wachstumspotenziale zu erwarten sind und wo regionales Handeln erforderlich ist", so die Autoren. Bundesweites Schlusslicht ist im Vergleich zu den Ergebnissen von 2016 unverändert der Landkreis Stendal (Rang 401). Drei weitere Landkreise in Sachsen-Anhalt, der Altmarkkreis Salzwedel (Rang 400), das Jerichower Land (Rang 399) und Mansfeld-Südharz (Rang 398) belegen nachfolgend die letzten Plätze. Diese Landkreise werden in die Klasse "sehr hohe Risiken" eingeordnet.

Leipzig Aufsteigerregion Nummer eins in Deutschland

21 der 25 bestbewerteten Standorte liegen im Süden Deutschlands. Außerhalb Süddeutschlands schaffen es nur die vier Städte Wolfsburg, Düsseldorf, Hamburg und Münster in die Top 25. In Ostdeutschland erreichen nur die Städte Dresden, Jena, Potsdam, Berlin und Leipzig die Gruppe der Regionen, in denen die Zukunftschancen überwiegen.

Leipzig ist auch deutschlandweit die Stadt, in der sich die wirtschaftlichen Aussichten in den vergangenen 15 Jahren am stärksten verbessert haben. Leipzig kletterte im Ranking von Platz 334 im Jahr 2004 auf Platz 104 im Jahr 2019.

Die Ergebnisse der Studie wurden zusammen mit dem Handelsblatt veröffentlicht.

Fragen und Antworten

Die vollständige Methodik erläutert das Institut in einem eigenen FAQ-Bereich.

Was ist der Zukunftsatlas?

Das Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos erstellt mit dem "Zukunftsatlas" alle drei Jahre ein Ranking der 401 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte anhand ihrer wirtschaftlichen Zukunftschancen. Seit 2004 werden die Zukunftschancen der Regionen in Form eines bundesweiten Rankings verglichen. Dafür analysieren die Forscher 29 Einzelindikatoren zu den vier Themenfeldern Demografie, Wohlstand und soziale Lage, Arbeitsmarkt sowie Wettbewerb und Innovation.

Wer ist Prognos?

Prognos ist ein Wirtschaftsforschungsunternehmen, das Ministerien und europäische Institutionen, Unternehmen, Verbände und Stiftungen berät. Nach eigenen Angaben zählen zu den Kunden unter anderem der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), das Bundeswirtschaftsministerium, die Bertelsmann Stiftung, der DGB, die Initiative neue soziale Marktwirtschaft und Shell.

Welche Methode wird angewandt?

Laut Prognos haben die Forscher für das Ranking einen quantitativen Ansatz gewählt, der auf objektiven, statistischen Daten basiert. Befragungen von Politik und Wirtschaft zur Ermittlung der Einschätzung von u.a. Standortattraktivität, Zufriedenheit, Lebensqualität seien bewusst nicht vorgenommen worden.

Was bedeutet der Rangplatz?

Der Rangplatz wird unter den 401 Kreisen und kreisfreien Städten ermittelt und ist laut Prognos ein sogenannter ordinaler Wert. Da das Mittelfeld oft dicht gedrängt ist und die Werte nah beieinander liegen, können Abstände von 20 oder 30 Plätzen eintreten. Das müsse aber "nicht zwingend mit einer merklichen/substanziellen Verschlechterung der Zukunftsfähigkeit vor Ort einhergehen", so das Unternehmen.

Was sagt die Zukunftsklasse?

Es gibt acht Klassen:

  • Klasse 1 mit "besten Chancen"
  • Klasse 2 mit "sehr hohen Chancen"
  • Klasse 3 mit "hohen Chancen"
  • Klasse 4 mit "leichten Chancen"
  • Klasse 5 mit "ausgeglichenen Chancen/Risiken"
  • Klasse 6 mit "leichten Risiken"
  • Klasse 7 mit "hohen Risiken"
  • Klasse 8 mit "sehr hohen Risiken"


Alle deutschen Kreise und kreisfreien Städte sind in acht Klassen eingeteilt. Laut Prognos liegt der Einteilung ein sogenannter Zukunftsindex zu Grunde. In den Klassen 1 bis 4 sind die Zukunftschancen vorherrschend. In der Klasse 5 sind Zukunftschancen und -risiken ausgeglichen. In den Klassen 6 bis 8 überwiegen die Risiken. Der Index ist der Durchschnitt aller 29 Zukunftsfaktoren für eine Region.

Was sind die Zukunftsfaktoren?

Insgesamt wurden laut Prognos 29 Faktoren aus den Themenbereichen Demografie, Arbeitsmarkt, Wettbewerb und Innovation, Wohlstand und Soziale Lage für die Bewertung der Regionen ausgewertet. Die Daten stammen aus öffentlichen Quellen, beispielsweise aus den Statistischen Landesämtern und dem Bundesamt, der Bundesagentur für Arbeit, der polizeilichen Kriminalstatistik. Die sogenannten "Stärkeindikatoren" geben Auskunft über den Ist-Zustand eines Kreises oder einer Stadt, in dem nach der Höhe der Arbeitslosigkeit oder der Anzahl der Patente gefragt wird. Die sogenannten "Dynamikindikatoren" bilden ab, wie sich der Kreis oder die Stadt entwickelt hat. Hier wird laut Prognos nach der Bevölkerungsentwicklung oder nach den Beschäftigungsangeboten gefragt.

Quelle: MDR,afp/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 05. Juli 2019 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juli 2019, 18:12 Uhr

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13 Kommentare

11.07.2019 12:28 Torsten 13

@ 6 , wir sind die 5 Kolonie vom Westen !
alles andere erspart sich deswegen dazu.

11.07.2019 09:44 Gerd aus Dessau 12

An die Nummer 11.....
Danke Danke Danke für die Worte!!
Dieses ewige Gehabe aus Halle ist einfach unerträglich...
Auf Arbeit kam der Text von dir und dem Magdeburg sehr gut an!
Weiter so.
Gruß aus Dessau Roßlau

11.07.2019 06:11 Plagwitzer 11

Liebe Hallenser Bewohner.
Wir alle in Leipzig wissen, wie gern ihr euch rühmt „Metropolregion“ Mitteldeutschland zu nennen.
Ich sage euch mal kurz und knapp, was es eigentlich ist:
Leipzig= aufstrebend in Sachen Wirtschaft und Bevölkerung
Halle= mir fällt nichts ein.

Die Firmen siedeln sich in Leipzig nicht an, weil mehrere Kilometer entfernt die Stadt Halle liegt.
Bitte mehrmals lesen. Danke.

Ist das jetzt mal endlich oben angekommen?

Da man Halle ja eh zu viel höheren Aufgaben bestimmt wurde, kann man die Region Jena schon mal als „provinziell“ bezeichnen oder die geschichtsträchtige Magdeburg mit einem niveaulosen Satz versuchen abzuwerten. (Ich zuletzt einige Male wieder in MD und bin erstaunt, was dort alles erbaut wurde und aktuell gebaut wird. Die Stadt hat sich enorm entwickelt)
Diese Städte werden auch weiter im Ranking steigen, Halle jedoch nicht.

Seht der Realität ins Auge liebe Hallenser.

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