Grafik zu 20 Jahre danach
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Immer montags 20 Jahre danach

Was ist alles passiert? Was haben Menschen aus unserem Land 1999 erlebt und wie leben sie heute? Wir wollen zurückblicken. Aber es geht uns nicht darum, dass 1999 Merkel tatsächlich noch nicht Kanzlerin war, oder es die A14 zwischen Halle und Magdeburg noch nicht gab. In unserer neuen Rubrik geht es uns darum, wie Menschen gelebt haben. Damals und heute.

von Kerstin Palzer, MDR SACHSEN-ANHALT

Grafik zu 20 Jahre danach
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unser erster Bericht ist für mich auch als Reporterin ein Blick zurück. 1998 ging man in Sachsen-Anhalt neue Wege bei den Geburten. Es sollte Schluss sein mit klinisch gekachelten Kreißsälen, stattdessen Wohlfühl-Ambiente für die Schwangeren. Damals durften wir mit unserer Kamera bei einer der ersten Unterwassergeburten in Magdeburg dabei sein.

Live bei einer der ersten Unterwassergeburten

Anja und Jonathan Failla erlaubten uns, die Geburt ihres Babys zu filmen, eine Geburt in einer Badewanne, bei der das Baby unter Wasser geboren wird. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie ich fasziniert das erste Mal im Leben (unbeteiligt) bei einer Geburt dabei war und das Kamerateam und ich versucht haben, so unauffällig wie möglich zu arbeiten, damit wir möglichst wenig stören. Unglaubliche 20 Minuten vor der Geburt hat mir Anja in einer Wehenpause noch ein Interview gegeben. Was für eine starke und souveräne Frau.

Jetzt haben wir das Baby von einst und seine Mama wieder besucht.

Kerstin Palzer, Reporterin

Das erste Mal saßen Mutter und die heute 20-jährige Tochter zusammen und haben die Aufnahmen von damals gesehen. Natürlich hatten wir der Familie 1998 eine VHS-Kassette gegeben, damit sie den Bericht immer wieder mal gucken können, aber irgendwann hat Familie Failla den alten Rekorder aussortiert, irgendwann war auch die alte Kassette verschwunden… Insofern war es dann doch ein ganz besonderer Moment, die 20 Jahre alten Aufnahmen zu sehen. Ganz besonders vor allem für Veera, die Tochter. Damals war es ja nicht so üblich, Geburten zu filmen.

#MDRinnert: 20 Jahre danach

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Was ist in den 20 Jahren geschehen?

Was uns interessiert – jetzt, 20 Jahre danach – ist, wie die Menschen heute leben, über die wir vor 20 Jahren schon berichtet haben. Und da ist es schon spannend, wie das Baby, das 1998 mit einer Unterwassergeburt in Magdeburg zur Welt kam, heute über ihr Leben und ihre Zukunft spricht.

Veeras Vater Jonathan kommt aus New York, hat italienische Wurzeln. Bei einem Besuch in Berlin lernt er Anja aus Magdeburg kennen. Ein besonderes Paar mit einer besonderen Geschichte.

Anja und Veera Failla
Mama Anja und Tochter Veera Failla 20 Jahre nach dem Beitrag über die Geburt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sie beschließen, in Magdeburg zu wohnen und ein altes Haus zu kaufen. Hier wächst Veera dann auch auf, hat gerade Abitur gemacht und möchte auf jeden Fall in Magdeburg bleiben. Weil das für sie Heimat ist, weil New York oder Berlin sie im Moment nicht besonders reizen, zumindest nicht, um immer dort zu leben. Und auch Veeras Eltern haben sich ganz bewusst für ein Leben in Magdeburg entschieden. "Hier ist einfach meine Familie und wir fühlen uns hier wohl“, sagt Anja Failla.

Als ich ihr erzähle, wie sie mich damals beeindruckt hat, weil sie so unglaublich stark war, unmittelbar bevor sie ihre Tochter zur Welt brachte, dass sie sogar noch die Nerven hatte, mir ein Interview zu geben, da lächelt Anja Failla. Sie meint, dass sie damals tatsächlich in der großen, damals topmodernen Badewanne ganz entspannt war. Und als ihr Baby dann – nur wenige Minuten später – wirklich geboren wurde, da war sie so konzentriert auf sich, ihren Mann und das Kind, dass sie unsere Kamera völlig vergessen hatte.

Jetzt freuen wir uns, dass es diese Aufnahmen gibt.

Familie Failla

Auftakt für einen Rückblick

Wir, in der Redaktion, freuen uns auch. Die Geschichte von Veeras Geburt ist der Auftakt für etliche Geschichten aus den letzten 20 Jahren. Wir besuchen einen Fährmann, ein einst taubes Kind, das hören lernen konnte. Immer montags ab 19 Uhr bei MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE zeigen wir Menschen, die vor 20 Jahren großartige Projekte gestartet haben. Einige sind gescheitert, viele waren erfolgreich. Wir möchten zeigen, wie die letzten 20 Jahre ihr Leben verändert haben.

Kollage aus SAH-Beiträgen
Die Reporter von MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE haben viele Schicksale begleitet. Wie geht es den Menschen heute, über die vor 20 Jahren berichtet wurde? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Kerstin Palzer
Bildrechte: Sabine Erlhage

Über die Autorin Kerstin Palzer arbeitet seit 1992 bei MDR Sachsen-Anhalt, dem Gründungsjahr des MDR.
Von Anfang an war sie als Reporterin im Land unterwegs.
Geboren in Bremerhaven, aufgewachsen in Wiesbaden, hat sie in München Politikwissenschaft studiert und kam 1990 durch die Wirren der Wendezeit als erste Praktikantin aus Westdeutschland zum Fernsehen nach Ost-Berlin, wenig später zum Deutschen Fernsehfunk nach Halle und Magdeburg.
Etliche Jahre hat sie die Berichterstattung aus dem Landtag für das Fernsehmagazin SACHSEN-ANHALT HEUTE gemacht. Von 2015 bis 2017 war sie in Moskau und hat dort als freie Reporterin gearbeitet.
Ihre Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind das Ufer der Goitzsche, die Weinberge rund um Freyburg und sehr viel in Magdeburg, vor allem ihr Garten.

Quelle: MDR/pat

Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2018, 08:27 Uhr

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