Kritik der Grünen: Gefährlich und nicht ökologisch Sachsens Deponien importieren weiter viel Müll aus dem Ausland

Nicht nur Pasta und Parmesan exportiert Italien nach Deutschland. Seit Jahren wird Müll aus dem Mittelmeerstaat auf deutschen Deponien abgeladen. So in Cröbern bei Leipzig und Wetro bei Bautzen. Sachsens Grünen ist das schon länger ein Dorn im Auge.

Sachsen importiert weiterhin große Müllmengen aus Italien. Wie die "Sächsische Zeitung" schreibt, waren es im vergangenen Jahr fast 150.000 Tonnen. Diese Abfälle landen vor allem auf den Deponien Cröbern bei Leipzig und Wetro im Landkreis Bautzen. Es handelt sich unter anderem um Schlacken, gebrauchte Katalysatoren, Mineralwolle und Gleisschotter.

An der Praxis, hunderttausende Tonnen gefährlicher Abfälle aus Italien nach Sachsen zu importieren, habe sich seit Ende des Landtagsuntersuchungsausschusses im Jahr 2014 bis heute nicht wirklich etwas geändert, konstatiert Volkmar Zschocke. "Wir importieren in Größenordnung Sondermüll." Sachsen sei ein Magnet, was auch daran liege, dass der Freistaat über leistungsfähige Müllanlagen verfüge, erklärt der Landtagsabgeordnete der Grünen im Gespräch mit MDR SACHSEN.

Tonnenweise Abfall aus Österreich, Luxemburg, Norwegen

Laut einer Grünen-Anfrage ans Umweltministerium kommen jährlich rund eine Million Tonnen Sondermüll nach Sachsen, der Freistaat exportiert im Gegenzug nur etwa 400.000 Tonnen. Dabei führt Italien mit Abstand die Riege der Auslandsimporte an. Im Jahr 2017 stammten beispielsweise von den 1.045.631 Tonnen Sonderabfall 164.460 Tonnen aus dem Mittelmeerland. An zweiter Stelle stand Österreich mit 63.191 Tonnen, an dritter Stelle Luxemburg (18.268 t) gefolgt von Norwegen (9.302 t) und der Schweiz (9.196 t). Auf nationaler Ebene betrachtet, landet besonders viel Müll aus Sachsen-Anhalt (2017: 156.463 t), Bayern (137.547 t) und Thüringen (123.724 t) auf Sachsens Deponien.

Mülllaster
Ein von der Autobahnpolizei wegen Sicherheitsmängel und teils nicht deklarierter Ladung gestoppter Mülltransport aus Italien. Bildrechte: Autobahnpolizei Thüringen

Wie die Deponie Cröbern auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilt, liegt hier der Anteil ausländischer Abfälle bei 18 Prozent. "Ausländischer Abfall kommt hauptsächlich aus Italien", bestätigt Daniela Trujillo von der Westsächsischen Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (WEV), die die Deponie betreibt. Dabei handle es sich fast ausschließlich um Asbest, asbestbelastete Böden und mineralische Dämmmaterialien. Sie würden in Big Bags verpackt angeliefert und ließen sich optisch sehr leicht kontrollieren.

Laut Trujillo kamen beispielsweise im vergangenen Jahr 99,8 Prozent der ausländischen Abfälle aus Italien. Geringe Mengen stammten auch aus Luxemburg und Irland. Des Weiteren seien im Rahmen einer Rückholaktion französischer Unternehmen Kleinstmengen Asbest aus der Elfenbeinküste abgelagert worden, so die WEV-Sprecherin.

Nach Recherchen der "Sächsischen Zeitung" wurden 2017 und 2018 in Wetro bei Bautzen 65.000 Tonnen an italienischen Industrieabfällen entsorgt. Die PDI GmbH, die die Deponie betreibt, war kurzfristig für Erläuterungen nicht zu erreichen.

Es bedarf dringend einer Strategie, die kommunalen Betreibern wie die der Deponie Cröbern eine wirtschaftliche Auslastung ihrer Kapazität mit Abfällen aus der Region und ohne dieses enorme Ausmaß an Importen ermöglicht.

Volkmar Zschocke Sächsischer Landtagsabgeordneter der Grünen

Zschocke ist vor allem ein Kritiker des Geschäftsmodells der Auslandsimporte. Der Transport von gefährlichen Abfällen über tausende Kilometer seien ökologisch nicht sinnvoll. Auch sei es ein Sicherheitsrisiko. Der Politiker plädiert dafür, Abfälle möglichst vor Ort zu beseitigen.

Die Müll-Importe aus Italien hatten vor etwa zwölf Jahren begonnen. Damals herrschte im Süden des Landes ein Entsorgungsnotstand. Gleichzeitig kämpfte der Betreiber der Deponie Cröbern wegen geringer Abfallmengen um das wirtschaftliche Überleben. Auf der Deponie werden seit 2005 generell nur mineralische Abfälle abgelagert. Dazu gehören Asbest, mineralisches Dämmmaterial, Straßenaufbruch, Schlacken und Aschen aus thermischen Prozessen und kontaminierter Boden aus Altlasten.

Abfälle aus dem Ausland auf der Deponie Cröbern
Jahr Menge in Tonnen Staat
2013 90.114,77 Italien
2014 58.062,04 Italien
2015 69.394,09 Italien
2015 289,38 Slowenien
2016 51,66 Elfenbeinküste
2016 147.147,26 Italien
2017 130.154,62 Italien

Quelle: Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.01.2019 | ab 9 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2019, 21:32 Uhr

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5 Kommentare

20.01.2019 15:23 Mane 5

Wenn man alles hört müsste die ganze Abfallentsorgung einmal von einen richtigen Gericht überprüft werden.Der kleine muß für alles aufkommen,wenn er auch nicht verantwortlich ist.

20.01.2019 13:57 Mane 4

Genau J.Jeder!! Ich wohne in einen großen Block einer Genossenschaft.Wir werden auch gezwungen nach gemeldeter Personen Zahl Mülltonnen zu nehmen.nach Statistik bringt jeder Bürger soviel Müll,kann man sich nicht vorstellen. Wenn jeder richtig trennt,müßte die Gebühr sehr gering sein.Aber es wird immer mehr.Es lohnt sich nicht zu trennen.Leipzig ist mit der teuerste Standort in Deutschland.

18.01.2019 20:57 Zukunft 3

Das ist doch unglaublich! Wie kann man denn so etwas zulassen! Es ist unsere Heimat und unsere Natur - und irgendwann in absehbarer Zeit ist es die Heimat und die Natur unserer Nachfahren. Wir sollten uns schämen, in Grund und Boden, so eine Sünde unseren Nachfahren zu hinterlassen! Politiker setzt Euch ein, für eine saubere Umwelt, für eine saubere Zukunft!

18.01.2019 19:54 J.Heder 2

Uns als "angeschlossene" werden über die Abfallwirtschaftssatzungen der Gemeinden wegen der unfähigen Planer in den 90 er Jahren für überdimensionierte Mülldeponien jedes Jahr "Pflichtleerungen" der Mülltonnen aufgezwungen. Die Betreiber füllen sich ihre Taschen auf dem Weg des Müllimports.
Wer überprüft vor diesem Hintergrund die Rechtmäßigkeit der "aufgezwungenen" Mülltonnenpflichtleerungen?? Ich gebe mir keine große Mühe zur Müllvermeidung, aber ich habe in 3 Jahren keine 80 Litertonne mit Müll voll bekommen geschweige denn leeren lassen! Ich muss aber jedes Jahr 2 aufgezwungene Müllentsorgungen bezahlen welche ich nicht verursache!

18.01.2019 18:36 maheba 1

Wir sind nicht nur ein Billiglohnland geworden sondern auch gleichzeitig die Abfallgrube von Europa.

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