Die Hände eines Senioren halten einen Gehstock. Eine junge Frau stützt ihn.
Schnell mehr Pflegefachkräfte: Die will die neue Bundesregierung mit einem Sofortprogramm finden und gewinnen. Praktiker sind skeptisch. Bildrechte: Colourbox.de

Sofortprogramm der neuen Bundesregierung 8.000 neue Pflegefachkräfte: Was nützen die wirklich?

Um die Personalnot in Pflegeheimen zu lindern, will die neue Bundesregierung ein Sofortprogramm für mehr Pflegekräfte starten. Praktiker blicken skeptisch auf diese Ankündigungen und fragen sich, wie wirksam 8.000 neue Stellen wirklich Personalmangel lindern können.

Die Hände eines Senioren halten einen Gehstock. Eine junge Frau stützt ihn.
Schnell mehr Pflegefachkräfte: Die will die neue Bundesregierung mit einem Sofortprogramm finden und gewinnen. Praktiker sind skeptisch. Bildrechte: Colourbox.de

Union und SPD haben sich in ihrem Koalitionspapier auf ein Sofortprogramm für Pflegefachkräfte verständigt. Demnach sollen 8.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden, um die Lage in der Pflege zu verbessern. Diese neuen Mitarbeiter sollen mit einer Ausbildungsoffensive und Anreizen für mehr Vollzeit-Arbeitsstellen gefunden werden. Die Koalitionsparteien verständigten sind auch auf flächendeckende Tarifverträge für Pflegefachkräfte und darauf, dass der Pflegemindestlohn in Ost und West angeglichen werden soll.

Angehörige müssen zum Teil fünf bis zehn Pflegedienste anrufen, bis sie einen finden, der die Pflege übernimmt oder die Betroffenen gehen ins Heim.

Matthias Steindorf Paritätischer Wohlfahrtsverband Sachsen

Pflegekräfte nur für Stationäre Pflege

Miniatur Figuren aller Altersgruppen stehen auf Münzstapeln
Bundesweit gibt es mehr als 13.600 Pflegeheime. Im Sofortprogramm der Bundesregierung sind 8.000 neue Stellen vorgesehen. Bildrechte: IMAGO

Die 8.000 Stellen sind den Angaben zufolge für die medizinische Versorgung in der vollstationären Pflege gedacht. "Das klingt erst mal toll, ist aber absolut zu wenig", urteilte Matthias Steindorf von der Geschäftsführung des Paritätischen Landesverbandes Sachsen. Bundesweit gebe es rund 13.600 Pflegeheime. "Das heißt, nicht mal jede Einrichtung profitiert von 8.000 zusätzlichen Stellen." Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist größer als das Angebot. Es gebe bereits Versorgungsengpässe.

Es fehlen tausende Stellen - ambulant und stationär

Die Pflegedienste würden von den zusätzlichen Stellen nichts abbekommen." Aber auch in der ambulanten sowie der häuslichen Krankenpflege sind Verbesserungen nötig, sagte Steindorf MDR SACHSEN. Darüber hinaus klagen aber auch die Krankenhäuser über Personalmangel.

Das ist nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein. Das versprochene Schnellprogramm von 8.000 Stellen geht angesichts von mehr als 13.000 Heimen völlig am Bedarf vorbei.

Cornelia Heintze Wohlfahrtsforscherin

Pflege sollte viel stärker zur öffentlichen Aufgabe gemacht werden und zum Beispiel durch den Solidaritätszuschlag bezahlt werden, verlangte die Wohlfahrtsforscherin Cornelia Heintze. Die Politik habe es in den Koalitionsverhandlungen versäumt, positive Signale für einen Aufbruch in der Pflege zu senden. "Allein wenn man die schlechter bezahlte Altenpflege an die Krankenpflege angleichen wollte, würde das gut sechs Milliarden Euro kosten.

Experten raten: Abgucken von Skandinavien

Inger Nilsson als Pippi Langstrumpf
Statt alles auf die lange Bank zu schieben und Zeit verstreichen zu lassen, raten Experten, Deutschland solle beim Thema Pflege von skandinavischen Systemen lernen wie in Schweden zum Beispiel, wo der Staat drei Mal soviel Personal stellt im Vergleich zu Deutschland. Bildrechte: IMAGO

Deutschland habe bei Personalausstattung und Personalschlüssel eine der schlechtesten Situationen verglichen mit Nachbarländern wie Österreich, Schweiz oder den Niederlanden. Deshalb wanderten viele Pflegende in diese Länder ab, weil dort besser bezahlt würde. "Wir haben einen Pflexit, eine Abstimmung mit den Füßen", meinte Cornelia Heintze. Ihrer Meinung nach sollte Deutschland von Skandianvien lernen und über eine Mischfinanzierung der Pflege nachdenken. Denkbar seien höhere Leistungen der Pflegeversicherung und Steuerzuschüsse.

Es sollen 8.000 Fachkraftstellen geschaffen werden. Wie denn bitte? Meint man wirklich die Verantwortlichen vor Ort sind zu dumm, Ausbildungs-und Förderwillige zu rekrutieren?

Katharina Caesar Pflegedienstleiterin in der Stationären Pflege

Quelle: MDR/kk/bd/KNA

Dieses Thema im Programm von MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.03.2018 | 7:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2018, 09:22 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

6 Kommentare

06.03.2018 15:09 Fragender Rentner 6

Die müssen erst einmal richtig ausgebildet werden und das dauert ein paar Jahre.

Das ist fast mit den sächsischen Lehrern vergleichbar, was die Landesregierung anstrebt. :-(

06.03.2018 14:40 Sr. Stefanie 5

Die politischen Verantwortlichen haben die Entwicklung seit Jahren verschlafen, es ist beschämend.

Nur um am Ende selbst in Altersarmut zu leben. Ja in der Schweiz ist es besser, auch nicht alles.

Es muss wohl leider noch viel schlimmer werden bevor sich etwas ändert.

06.03.2018 14:10 Chris 4

@ 1 richtig die Melden sich dazu auch noch an so ein großer Witz , da ist alles in bester Ordnung,
eine Pflegestation hat statt nur immer Duschen
Baden abgerechnet ist wo ein unterschied nur als kleiner Hinweis dazu die betrügen zum Teil sagenhaft und die Chef dazu fahren die größten Autos, habe vor 3 Jahren der Pflegekasse geschrieben das sie mal die Pflegeheime besser kontrollieren sollten und was abgerechnet wird, als Hinweis ja , ja machen wir schon !!!!!! die Rechnen z. Teil total falsch ab. Eine Pflegeeinrichtung wollte nur für 3 0 minuten nur früh 800.-Euro haben von der Pflegekasse so werden diese über den Tisch gezogen.
haben ist unverschämt, ich weiß von was ich schreibe.

06.03.2018 14:02 Chris 3

ihr bringt s. Monaten immer das gleiche im Netzt es ändert sich nichts, was s. Jahren von Merkel versaut wurde, ihr müßt euch diregt jetzt an den feinen neuen Gesundheitsminister wenden alles andere hat keinen Sinn , nur zu Berichten und zu schreiben, der müßte tausende von Eingaben erhalten.

06.03.2018 12:21 Stefan 2

Seit 20 Jahren arbeite ich in der Pflege als Fachkraft und würde meinen Kindern nie empfehlen, es mir gleich zu tun. Arbeiten für einen Hungerlohn in 3 Schichten, wenn man Glück hat, bekommt man ein Wochenende frei im Monat. Dann immer wieder die Hoffnung auf eine Vollzeitstelle, die bei unserem Verband per Beliebtheit vergeben wird. Wenn es ein zweites Leben geben würde, dann nie wieder Altenpflege!!!!!!

06.03.2018 11:42 G.U. 1

Wenn innerhalb von wenigen Jahren laufend die Pflegeeinrichtungen bzw. der betreibenden Gesellschaften verkauft werden und Kasse gemacht wird, da sollten sich die Aufsichtsbehörden mal einen Kopf machen ob das nicht Finanz - "Heuschrecken" am Werk sind. Außerdem sollten die, welche den Antrag stellen ein Pflegeheim zu betreiben überprüft werden, ob diese überhaupt die fachliche und soziale Kompetenz haben. Bei teilweise angebotenen Beteiligungsrenditen von 8 bis 10% ist schon erkennbar, dass aus der Ware "Mensch" bzw. "Patient", der als Kunde angesehen wird möglichst viel Umsatz erzielt werden soll. Er soll sich um möglichst "lohnende und gewinnträchtige" Kunden handeln, welche in Pflegeheimen unterkommen sollen. Außerdem sollen das Pflegepersonal "billig und willig" sein. Die Politik und die Krankenkassen (Pflegekassen) sollten prüfen, ob der Profit in der Gesundheitspflege nicht untersagt und kostendeckend gewirtschaftet werden sollte?!
MDK Bewertungen für Heime sind ein Witz!

Aus dem Pflegealltag