Ein Stundenplan
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Lehrerreaktionen Ältere Lehrer von sächsischem Lehrerpaket enttäuscht

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Als Reaktion auf das Lehrerpaket der sächsischen Regierungskoalition haben sich zahlreiche Lehrer bei MDR-SACHSEN gemeldet. Vor allem die ältere Generation steht den beschlossenen Maßnahmen kritisch gegenüber.

So sagt zum Beispiel Oberschullehrer Thomas Weisbach: "Verbeamtung? Okay, das muss jeder für sich entscheiden, ob er das will und gut findet. Ich akzeptiere, dass junge Kolleginnen und Kollegen sich ganz offensichtlich ohne diesen Anreiz nicht mehr für Sachsen entscheiden. Also führt wohl kein Weg an diesem Angebot vorbei...", sagt der 54-Jährige und fügt an:

Die Maßnahmen für den ‚Rest des Systems‘, insbesondere die Kolleginnen und Kollegen, die hier 27 Jahre die Fahne hochgehalten haben, sind einfach nur lächerlich.

Thomas Weisbach Oberschullehrer

Ähnlich kritisch ist der Tenor bei Martina Schroth. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies die Lösung sein kann. Leider gehöre ich vermutlich wieder zu den Verlierern. Über das Klima im Lehrerzimmer möchte ich nicht spekulieren", sagte die 56-jährige Oberschullehrerin.

Sie bezweifle, dass die "neuen materiellen Anreize" ältere Kollegen dazu bewegen, noch mehr als jetzt schon zu arbeiten. "Uns 'Alte' zu überzeugen, weiter tolle Arbeit zu leisten, engagiert zu sein, mehr als notwendig zu machen, Klassen zu leiten, Ämter zu bekleiden, in der Not einzuspringen, ...und alles für eine schlechtere Bezahlung, wird sehr schwer sein. Das machen wir schon seit Anfang der 90er Jahre. Wir fühlen uns sehr betrogen."

Der 55-jährige Kurt Kündiger teilt dieses Gefühl. Er unterrichtet an einem Gymnasium und sagt:

Als jemand, der seit 1992 das sächsische Schulsystem - über fast zwanzig Jahre auch in exponierter Position - mitgestaltet hat und der nach öffentlichen Herabwürdigungen, Deklassierung und Zwangsteilzeit nun wieder einmal zur Gruppe derer gehört, die in die Röhre gucken, habe ich für die Jahre, die ich hier noch ableisten muss, nur noch ein Ziel: So schlecht wie gerade noch ohne dienstrechtliche Konsequenzen möglich zu arbeiten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit Sand ins Getriebe zu streuen.

Kurt Kündiger Gymnasiallehrer

Anders hingegen die Reaktion bei einer 33-jährigen Pädagogin, die an einer Förderschule tätig ist. "Ich finde die Verbeamtung der Lehrer einen wichtigen und richtigen Schritt! Meine Freude ist riesig!"

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.03.2018 | ab 08:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2018, 16:22 Uhr

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29 Kommentare

11.03.2018 14:54 Lehrerin 29

@Enno Dietze Sicher arbeiten Hilfspfleger und Reinigungskräfte hart und werden durch ihre Arbeitgeber ausgebeutet. Und das ist genauso ungerecht. Aber ich denke doch, die Verantwortung als Lehrer ist wesentlich höher. Und in der freien Wirtschaft wird langjährige Berufserfahrung und höhere Verantwortung auch besser entlohnt. Und 30 Jahre im Schuldienst dürften dann wohl auch zählen. Ohne uns Alten wäre Sachsen in den Vergleichen nicht auf vorderen Plätzen. Und jetzt sind wir diejenigen, die ständig von Leuten, die von Schule nur das wissen, was sie in ihrer Schülerzeit erlebt haben, die uns faul nennen, uns sagen, wie unfähig wir sind unmotivierten, von Helikoptereltern und Rechtsanwälten beschützten Kindern etwas beizubringen, Beschimpfungen hören. Und nun müssen wir wieder erfahren, dass unser Arbeitgeber unsere Arbeitsleistung gern nimmt, aber nicht achtet. Und das tut weh. Und dann kommen die Überlegungen, welche Zusatzaufgaben gebe ich ab. Was bleibt ist Dienst nach Vorschrift.

11.03.2018 14:45 kerstin 28

@Enno Dietze: Ich sage es auch gern noch einmal: Es geht hier nicht um den Vergleich mit Hilfspflegern oder Reinigungskräften (der schon demagogisch anmutet - Sie wissen schon, dass es bezüglich Ausbildungsdauer und -niveau bzw. Tätigkeitsbeschreibung da doch kleine Unterschiede zu Lehrern gibt, die sich irgendwie auch im Verdienst ausdrücken sollten?), sondern um einen nicht begründbaren Unterschied innerhalb der gleichen Berufsgruppe für eine vergleichbare Tätigkeit. Wer als Arbeitgeber so dumm ist und ohne ersichtlichen Grund so demotivierend wie von Ihnen beschrieben bei der Bezahlung verfährt (was übrigens nicht nur als ungerecht empfunden wird sondern es tatsächlich ist), muss eben mit der inneren Kündigung seiner Angestellten rechnen und in Kauf nehmen, dass sie dann nicht mehr als das Nötigste tun. Sofern das rechtlich noch in Ordnung ist, wird eine Kündigung keinen Erfolg haben... Ich wünsche Ihnen übrigens einen Arbeitgeber, der mit Ihnen so verfährt wie das SMK mit Lehrern.

11.03.2018 13:13 Enno Dietze 27

Jeder Arbeitgeber entscheidet, wie er seine Angestellten entlohnt - hier sogar gebunden an einen Tarifvertrag, also weit über Mindestlohn. Es liegt sogar in seinem Ermessen, Angestellte ungleich zu bezahlen, sofern das rechtlich in Ordnung ist. Das mag ungerechtfertigt sein oder als ungerecht empfunden werden, dann kann man halt das (in der Tat überschaubare) Instrumentarium anwenden, das man als Arbeitnehmer mit Personalvertretung hat. Aber dann muss auch gut sein. Lehrer werden mit Steuergeld bezahlt, und - ich sage es noch einmal - im Vergleich zu anderen Arbeitnehmern in Sachsen sogar hervorragend. Hilfspflegern und Reinigungskräften, die sich mindestens so abrackern müssen wie Lehrer - ohne Privilegien, und mit halbem Geld - werden die hier geäußerten Statements völlig abgehoben und weltfremd vorkommen.

11.03.2018 12:30 kerstin 26

@Enno Dietze: Sie sind es, der in die falsche Richtung hackt. Statt die zu kritisieren, die mit dem ach so tollen neuen Lehrerpaket eine neue riesengroße Gerechtigkeitslücke in den Lehrerzimmern aufreißen und nicht im Ansatz zu verstehen scheinen, dass man den trotz gleichwertiger Arbeit nun entstehenden großen Nettolohnunterschied nicht mit der vagen Aussicht auf Leistungsprämien oder eine 20%ige Chance auf Höhergruppierung kompensieren kann, hauen Sie lieber noch auf die drauf, die nicht mehr bereit sind, die wiederholten Demütigungen konsequenzlos zu ertragen. Wie steht es also mit Ihrem eigenen Sinn für die Wirklichkeit? Wer ständig getreten wird beißt eben irgendwann. Und - "Ihnen geht es gewiss nicht schlecht" ist nun in dieser Diskussion wirklich kein Argument, hier geht es um politisch offenbar gewollte Ungleichbehandlung bzw. die mutwillige Installation einer Zweiklassengesellschaft in den Schulen Sachsens und eine damit verbundene erhebliche Störung des Betriebsfriedens.

10.03.2018 23:00 Ein weiterer Lehrer an Enno Dietze 25

Ich kann den Kollegen Kündiger gut verstehen und werde es genauso handhaben. Und wissen Sie was, wie ich das unter Kollegen so mitbekomme werden noch einige andere Lehrer so reagieren. Leider ist es die einzige Möglichkeit, sich gegen diese Politik zu wehren. Wenn es der Regierung nicht passt, sollen sie uns nichtverbeamtete Lehrer doch entfernen. Bin gespannt, wie sie mit ihren ca. 3000 verbeamteten Lehrern dann den Unterricht absichern wollen. Ich hoffe auch auf schnellsmögliche Streiks.

10.03.2018 22:34 Enno Dietze 24

Werter Herr Kündiger, in der freien Wirtschaft wäre ein Arbeitnehmer, der sich so äußert wie Sie, am nächsten Tag auf der Straße - und zwar zurecht! Ich vermisse bei Ihnen den Sinn für Maß und Wirklichkeit. Sie hacken in die falsche Richtung. Ihnen geht es ganz gewiss nicht schlecht. Manchen Menschen tut eine langjährige Tätigkeit im warmen Nest des öffentlichen Dienstes wirklich nicht gut.

10.03.2018 22:06 Genervt 23

@Praxis, ich sehe schon einen Unterschied, ob ich nach der 10.Klasse eine 3jährige Fachhochschul-Ausbildung zur Grundschullehrerin oder 2 Jahre Abitur, 5 Jahre ein naturwissenschaftliches Studium und 2 Jahre Referendariat gemacht habe und nun teilweise 6seitige Klausuren etc. benote. Ich finde die Gleichmacherei an der Stelle nicht gerechtfertigt! Eine 6! Jahre längere Ausbildungszeit sollte auch im Gehalt niederschlagen.

10.03.2018 15:51 Annett Müller 22

Schon die Art und Weise, wie hier unverschämt über Lehrer geschrieben wird, zeigt doch die verfehlte Schulpolitik der letzten Jahrzehnte! Wer würde sich in der Art und Weise über andere Akademiker äußern? Auch ich bin mit meinen mittlerweile 48 Jahren tief enttäuscht und merke, dass meine Motivation den Bach herunter geht. Und dies wird nicht unbedingt durch das Geld ausgelöst, sondern durch die schreiende Ungerechtigkeit!

10.03.2018 15:03 NaPrima 21

Diesen vorerst letzten Schlag ins Gesicht der erfahrenen Lehrer werden viele mit der innerlichen Vorwegnahme ihrer Kündigung quittieren. Die sächsische Staatsregierung hat wieder einmal mehr bewiesen, dass sie überhaupt nicht verstanden hat, wie es zu der jetzigen Situation gekommen ist. Ich befürchte, dass viele dieser Lehrer als eine Art letzter "Waffe" gegen diese schreiende Ungerechtigkeit und Nicht-Werstschätzung die nächste Wahl in Sachsen sehen werden.
Flath, Rössler, Unland ... alle, die diese Misere verantworten, lehnen sich bestimmt schmunzelnd zurück und hassen die Lehrer weiter. Prima!

10.03.2018 14:31 Christiane Schultze 20

@Diplomlehrerin:
Richtig, Frau Kollegin. Das frage ich mich auch schon seit Jahren- wann werden die Politiker, die diesen Schlamassel verursacht haben, endlich zur Kasse gebeten? Aber bitte die Finanzminister nicht vergessen! Denn oft genug scheiterten verschiedene Maßnahmen am Geld, auf dem diese saßen. Unser Steuergeld, wohlgemerkt!
Aber Hauptsache, für die Diäten ist genug Geld da, und die Pensionen am Ende der Politikertätigkeiten...

P.S. Ich war vor Kurzem mit meiner 4. Klasse im Landtag (siehe Lehrplan Sachkunde...). Was ich da erleben musste- ein Lehrbeispiel für Abgehobenheit ohnegleichen! Abgeordnete und deren Angestellte, die kein Verständnis für quicklebendige, neugierige Kinder haben, ehrliche Fragen der Kinder abtun und ja eigentlich keine Zeit für uns haben, weil viiiel Wichtigeres zu tun...
Einfach nur peinlich!