Medizin Ärztemangel ohne Grenzen

In Sachsen fehlen 253 Hausärzte. Das erklärte die Kassenärztlich Vereinigung in Sachsen. Besonders betroffen sind nicht nur der ländliche Raum, sondern auch Städte.

Viele Patienten sitzen in einem Wartezimmer einer Landarztpraxis.
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Eigentlich gilt das Gesundheitssystem in Deutschland als fortschrittlich. Doch ein Mangel an Ärzten bedroht die medizinische Versorgung. Allein in Sachsen fehlen derzeit 253 Hausärzte. Das erklärte die Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen. Demnach droht in über 22 Regionen, darunter Annaberg-Buchholz, Auerbach, Oelsnitz und Kamenz eine ärztliche Unterversorgung. Doch auch größere Städte wie Chemnitz, Plauen, Zittau und Görlitz sind betroffen.

Hausärzte fehlen auch in Sachsen-Anhalt und Thüringen

In Sachsen-Anhalt fehlen 150 Allgemeinmediziner. Hier sind zwölf von insgesamt 20 Regionen von Ärztemangel betroffen. Allein im Umland von Halle fehlen nach Angaben der KV Sachsen-Anhalt 14 Allgemeinmediziner, in den Regionen Wernigerode und Bitterfeld-Wolfen jeweils über zehn Hausärzte. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Allgemeinmediziner im gesamten Bundesland durchschnittlich um über drei Ärzte zurückgegangen. "Obwohl dies nicht übermäßig viel erscheint, ist es in ländlichen Regionen und auch generell außerhalb der Großstädte Halle, Magdeburg und Dessau-Roßlau jetzt schon schwierig, Nachfolger für ausscheidende Hausärzte zu finden", sagte Bernd Franke, Sprecher der KV Sachsen-Anhalt.

Im Freistaat Thüringen fehlen derzeit 50 Hausärzte. Lokale Engpässe gebe es vor allem im Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Insgesamt fehlen in Mitteldeutschland damit 453 Hausärzte.

Förderung für junge Ärzte

Besonders eklatant gestaltet sich der Ärztemangel nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigungen im ländlichen Raum. In allen drei Bundesländern gebe es umfangreiche Fördermaßnahmen. In Sachsen und Sachsen-Anhalt beispielsweise würden Praxisneugründungen mit 60.000 Euro gefördert. Thüringen hat sogenannte Niederlassungsfahrschulen gegründet, die Hausärzte bei der Gründung ihrer Praxis unterstützen.

Quelle: MDR/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN: MDR Fernsehen "Fakt ist!" | 12.03.2017 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2018, 00:00 Uhr

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8 Kommentare

13.03.2018 11:18 Harzer 8

Die AFD ist nicht in der Regierung zu 5 Hans !
Hans Sie müssten sich besser informieren, den Urlauber fahren öfters nach Sachsen, wie die Jahre zuvor.
Wenn es regnet, schneit,die Rechten haben an allen Schuld !Warum steht DE und Frankreich bei anderen EU-Ländern in der Kreide? Die Rechten, nicht die Linken, weil sie unsere Politik satt haben!

13.03.2018 11:01 Ichich 7

Lieber @Hans, der (mittlerweile ehem.) Integrationsminister von NRW (SPD) empfahl in Duisburg Anwesenden Englisch zu lernen, als diese (meist Älteren) erklärten, daß sie ihre radebrechenden Ärzte aus dem Ausland nicht verstünden. Das ist ihr Ziel ? Und, nebenbei: Ich habe mich zweimal von rumänischen Ärzten in D. behandeln lassen und hatte keinerlei Grund zu klagen.

13.03.2018 09:23 Ichich 6

Tja, die Frage ist doch, wieso die Bundesregierung seit mehr als 15 Jahren nicht in der Lage ist, die Zahl der Studienplätze signifikant zu erhöhen. Über den Ärztemangel redet man seit der jahrtausendwende. Einzelne Krankenhäuser haben sogar eigene medizinische Fakultäten(!) aus dem Boden gestampft: Nürnberg, Kassel und in Brandenburg. Unfähigkeit oder Plan ? Zum Vergleich: Wir haben rd. 10.000 Studienpltze in Humanmedizin, Anfang der 90er hatten wir in Ost- und Westdeutschland 14.000. Es mache sich ein jeder einen Reim darauf.

13.03.2018 09:07 Hans 5

Wo sind eigentlich die Lösungsvorschläge der Rechtsextremen für solche und andere reale Probleme der breiten Bevölkerung? Die AfD ist in Sachsen stärkste Kraft, in Thüringen und Sachsen-Anhalt jeweils zweitstärkste. Da gibt es keine Ausrede. Die Ausländer-raus-Parolen bringen jedenfalls keine Landärzte herbei, ganz im Gegenteil. Wenn ich beispielsweise in die Kliniken im Osten schaue, dann sind da mittlerweile sehr viele auslöndischstämmige Ärzte tätig. Wenn die Nazistimmung im Osten weiter anhält oder sich noch verschärft, dann könnte da noch ein ganz anderes Peoblwm auf uns zurollen. Dann wenn uns die Klinikärzte flüchten, dann reden wir nicht mehr "nur" über lange Wartezeiten beim Hausarzt, sondern dann wird es lebensgefährlich. Ich habe persönlich schon zwei ausländisch stämmige Mediziner kennen gelernt, die nicht nach Ostdeutschlan wollten, obwohl sie unter dem Strich auf den angebotenen Stellen wegen der geringeren Lebenshaltungskosten sogar mehr Geld in der Tasche gehabt hätten.

13.03.2018 08:21 andreas 4

Da wir als Deutsche immer alles durchrechnen...
Summiert man die Wartezeiten in den Praxen, ergibt sich wohl ein gewaltiger wirtschaftlicher Schaden!? Würden wir diese Summe gegen den Ärztemangel einsetzen, hätten wir alle was davon.
Aber wer will das schon!? Hier, wo doch Gesundheit mehr und mehr "dem Markt" untergeordnet wird, rechnet es sich nicht mehr für den Menschen.

13.03.2018 07:26 bentin 3

Meine Tochter hatte sich 2008 und 2009 an zahlreichen ostdeutschen Unis um einen Medizinplatz beworben und wurde von allen abgelehnt. Sie wurde in den Westen geschickt und studierte dort (ohne Verlängerung). Und nun? Um keinen Preis der Welt will sie zurück in den Osten. Zitat: nur Versager und Nazis sind dort geblieben. (leider meint sie mit Versager auch mich)

12.03.2018 23:10 Phrasenhasser 2

Tja, es ist nicht zu übersehen: Deutschland entwickelt sich eben mehr und mehr Richtung DDR II. Bei Plasberg wird eine Lanze gebrochen für die dort vor 1990 altbewährten Einkaufsmethoden mit Schüssel und Eimerchen. Als nächste Variante werden wohl graue Papierverpackungen von den Öko-Phantasten wieder eingeführt werden als Alternative zum im Stress leider vergessenen Behältnis (Emaille-Schüssel). Dass bei den Ärzten (und manchen Arzneimitteln erneut) Engpässe vorhanden sind, macht diese Entwicklung komplett. Übrigens: In der DDR verbreitete man öffentlich ebenfalls immer, dass "hier das "beste Gesundheitswesen der Welt sei"...

12.03.2018 22:49 Dr. Nicolai Schäfer 1

Es gibt nicht DIE Lösung für das Problem. Allerdings sollte man den "Landarzt" einmal neu denken! Warum müssen Ärzte denn immer gleich mit "Sack und Pack", Familie und Kindern in die - mit Verlaub - "Pampa" ziehen? Warum schafft man nicht kommunale Gesundheitseinrichtungen, bei denen Ärzte auch tage- oder wochenweise tätig werden können? Dann würden auch Mediziner aus überregionalen Regionen kommen. Das es funktioniert zeigen einige Pilotprojekte.

Zur DDR-Zeit (...ich bin übrigens "Wessi":-) gab es doch Polikliniken. Dort waren Ärzte z.B. angestellt tätig. Diese müsste man in modernem Gewand und mit mehr Flexibilität wieder schaffen. Ärzte könnten dann in Teilzeit tätig werden.

Allerdings kann man solche "innovationen" in der Regel nicht mit den erzkonservativen KV und den Ärztekammern machen. Und dort liegt auch der Hund begraben. Ärzte sind längst mobil und flexibel geworden. Können heute hier und morgen dort tätig sein. Nur die sog. Selbstverwaltung bewegt sich nirgendwohin.