25.09.2019 | 12:12 Uhr Ärztemangel in 23 Regionen in Sachsen

Krankheiten, Notfälle und Geburten dulden keinen Aufschub – hunderte Ärzte fehlen in Sachsen abseits der großen Städte. In über zwanzig Regionen liegt die Versorgung unter 100 Prozent. Oft entstehen Wartezeiten über mehrere Monate.

Viele Patienten sitzen in einem Wartezimmer einer Landarztpraxis. 120 min
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Die Versorgung mit Hausärzten liegt in Sachsen in 23 Regionen unter dem Bedarf. Darüber informierte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Sachsen. Besonders gravierend ist die Situation im Erzgebirge. Laut KV liegt der sogenannte Versorgungsgrad unter anderem in Annaberg-Buchholz, Marienberg, Aue, Auerbach und Chemnitz unter hundert Prozent. Betroffen sind auch die Regionen um Crimmitschau, Döbeln, Marienberg, Freiberg, Mittweida, Oelsnitz, Plauen, Reichenbach, Stollberg, Werdau, Zwickau, Dippoldiswalde, Großenhain, Freital, Kamenz, Niesky, Weißwasser, Hoyerswerda und Torgau.

"Wir reden zu 90 Prozent beim Ärztemangel von einem hausärztlichen Problem“, erklärte KV-Chef Klaus Heckemann in der MDR-Talkrunde "Dienstags direkt". Probleme gebe es auch in der Augenheilkunde und auf dem Gesamtgebiet Nervenärzte, Neurologie und Psychiatrie.

Wartezeiten bis neun Monate

Neurologin Kyra Ludwig
Neurologin Kyra Ludwig Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kyra Ludwig, Neurologin aus Seifhennersdorf, erklärte: "Laut Bedarfsplanung herrscht kein Facharztmangel, doch die Anfragen nach neuen Terminen sind hoch. Wir nehmen Patienten auf, so wie es uns möglich ist." Oft müssten sie jedoch leider ausgebremst und vertröstet werden. "In meiner Region gibt es wenige Praxen, die Patienten zeitnah versorgen. Die Wartezeiten betragen bis neun Monate", erklärte die Ärztin.

KV: Mangel ist genereller Trend

KV-Chef Heckemann sieht im Ärztemangel auf dem Land auch einen generellen Trend. Es fehle an qualifizierten Arbeitskräften vieler Berufsgruppen auf dem Land – und somit eben auch an Ärzten. "Deutschland hat weltweit die höchsten Dichte an Arzt-Patientenkontakten", sagte Heckemann MDR SACHSEN. "Wir müssen uns auch daran gewöhnen, dass Ärzte nicht mehr ständig und unmittelbar nah am Patienten sind."

Bedingungen für Menschen auf dem Land attraktiv machen

Antje Bergmann
Antje Bergmann Bildrechte: Antje Bergmann

Doch was tun gegen Ärztemangel auf dem Land: “Die Rahmenbedingungen müssen an die Lebensbedingungen und die Wünschen junger Ärzte angepasst werden“,  forderte Antje Bergmann, Professorin für Allgemeinmedizin an der TU Dresden. Um den Ärztemangel zu begegnen, müssten zudem die medizinischen Fakultäten stärker unterstützt und Weiterbildung gefördert werden. KV-Chef Heckemann erklärte: "Es muss mehr vermittelt werden, was für ein erfüllender Beruf der Landarzt sein kann.“

Quelle: MDR/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 24.09.2019 | 20:00 Uhr

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