Streit um fremden Müll Deponien wollen keinen AKW-Schutt mehr annehmen

Die Betreiber sächsischer Deponien wollen künftig keinen Bauschutt mehr aus abgerissenen Kernkraftwerken einlagern. Wie der Sprecher des sächsischen Umweltministeriums MDR 1 RADIO SACHSEN sagte, hätten die Halden in Cröbern (Landkreis Leipzig), Wetro (Landkreis Bautzen) und Grumbach (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) angekündigt, nur noch bestehenden Vereinbarungen nachzukommen. Gegen die Annahme radioaktiven Bauschutts hatte es im vergangenen Jahr Anwohnerproteste gegeben.

4.000 Tonnen AKW-Schutt genehmigt

Für das Jahr 2015 habe Sachsen zwar rund 4.000 Tonnen Bauschutt aus den Kraftwerken Stade (Niedersachsen) und Würgassen (Nordrhein-Westfalen) genehmigt, hieß es aus dem Umweltministerium. Durch den freiwilligen Verzicht der Deponiebetreiber sei aber bereits abzusehen, dass wesentlich weniger AKW-Müll in Sachsen ankommen werde. Meyer betonte, Sachsen habe rechtlich keine Möglichkeit, sein Einverständnis für die Einlagerung zu verweigern, wenn der schwach strahlende Schutt als unbedenklich eingestuft wird.

Einvernehmen mit Kernkraftwerken (KKW)
Ziel Herkunft Antragsdatum Zeitraum Menge
Deponie Cröbern KKW Würgassen

- Nordrhein-Westfalen -
08.03.2013 2012 bis 2015 1.000 Tonnen/Jahr
  KKW Stade

- Niedersachsen -
24.03.2015 2015 1.000 Tonnen
Deponie Wetro KKW Stade

- Niedersachsen -
09.01.2013 2015 bis 2017 1.000 Tonnen/Jahr
Deponie Grumbach KKW Stade

- Niedersachsen -
27.01.2014 2014 bis 2015 1.000 Tonnen/Jahr

Ministerium: Grüne sollen sich an die eigene Nase fassen

Demo gegen AKW-Schutt in Grumbach
AKW-Bauschutt? Nein, danke! Die Einwohner von Grumbach hatten im vergangenen Jahr gegen den Müll vor ihrer Haustür demonstriert. Bildrechte: MDR/Sven Böttger

Das Ministerium wies damit die Kritik der sächsischen Grünen zurück. Die Landtagsfraktion hatte Umweltminister Thomas Schmidt Wortbruch vorgeworfen, weil seine Behörde im März einer Lieferung von 1.000 Tonnen Bauschutt aus dem AKW Stade in Niedersachsen nach Cröbern zugestimmt hatte - obwohl Sachsens früherer Umweltminister Frank Kupfer im Herbst noch angekündigt hatte, sich für die Entsorgung im Ursprungsland einzusetzen. Umweltminister Schmidt erklärte dazu: "Die Grünen sollten ihre Kritik an ihren eigenen Parteigenossen und Umweltminister in Niedersachsen richten. Weil der aus Sicht des Strahlenschutzes ungefährliche Bauschutt auf den Deponien in Niedersachsen aus ideologischen Gründen nicht angenommen wird, soll er auf Deponien in weiter Ferne gebracht werden."

Grüne fordern mehr Überwachung

Aus Sicht des Ministeriums ist die Entsorgung im Ursprungsland vor allem sinnvoll, um lange Transportwege zu vermeiden. Aus Strahlenschutzsicht sei der Schutt dagegen unbedeutend, erklärte Ministeriumssprecher Meyer. So hätten etwa Messungen in Grumbach vor sechs Monaten ergeben, dass das umliegende Erdreich mehr Strahlung aufweise, als der eintreffende Bauschutt. Die Grünen sehen trotzdem Nachbesserungsbedarf bei der Überwachung. Fraktionsvorsitzender Volkmar Zschocke verwies in diesem Zusammenhang auf Erkenntnisse des Müll-Untersuchungsausschuss der letzten Wahlperiode, wonach giftiger Müll aus Italien in Sachsen als Hausmüll deklariert worden sei. Der AKW-Schutt werde nur vor dem Transport freigemessen - also für unbedenklich erklärt - sagte Zschocke. "Was auf dem langen Transportweg passiert, weiß niemand."

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2 Kommentare

23.06.2015 20:56 Tilo Schlosser 2

Es ist absolut hanebüchen: nach Grumbach wurde im letzten Jahr schon KKW-Schutt aus Stade 553 km weit transportiert, obwohl der Schutt lt. Umweltminister damals "vollkommen ungefährlich" bezeichnet wurde. Warum bitte wurde er dann durch halb Deutschland und warum bitte in die neuen Bundesländer transportiert? Und nicht in Norddeutschland auf Kinderspielplätzen oder anderen öffentlichen Geländen ausgestreut, wo der Schutt doch völlig unbedenklich sein soll .... ?!

SOFORTIGER Stopp jedes Transportes dieser Art! ALLE Nutznießer (Energieunternehmen, der deutsche Staat, der sich an der MWST. Energiesteurer etc. "bedient" hat, alle Manager und sonstigen Verantwortlichen): holt euch das unbedenkliche Zeug nach Hause in euren Garten!

Nehmt den ggw. Marktriesen RWE, Vattenfall usw. ihren Profit weg und nehmt diese horrenten Guthaben zur verantwortungsvollen Verarbeitung und sicheren Endablagerungen allen AKW-Mülls, Brennstäbe, Flüssigkeiten usw.!

JETZT und SOFORT!

22.06.2015 23:04 Mandy 1

Geht Sachsen etwa einer strahlenden Zukunft entgegen?