Ein Fahrradfahrer weicht einer eben geöffneten Autotür aus.
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Gründungsveranstaltung in Bautzen Sichere Rad- und Fußwege: Kommunen in Sachsen gehen es jetzt gemeinsam an

In Bautzen ist eine Arbeitsgemeinschaft zur Stärkung des Rad- und Fußverkehrs in Sachsen gegründet worden. Ziel ist es, die Zusammenarbeit der Kommunen untereinander in diesem Bereich zu verbessern. Der Fahrradclub ADFC verspricht sich schnellere Lösungen in den kleineren Städten und Gemeinden. Unterdessen gibt es eine positive Nachricht nach dem Tod eines Radfahrer an der S81 bei Dresden - ein Radweg soll gebaut werden.

Ein Fahrradfahrer weicht einer eben geöffneten Autotür aus.
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In Bautzen ist unter der Federführung von Oberbürgermeister Alexander Ahrens eine Arbeitsgemeinschaft zur Stärkung des Rad- und Fußverkehrs in Sachsen gegründet worden. Ziel ist es, die Zusammenarbeit der Kommunen untereinander in diesem Bereich zu verbessern. Die Arbeitsgemeinschaft berät zudem über Fördermöglichkeiten und Weiterbildungen. Zu den Gründungskommunen zählen neben den Oberlausitzer Städten Bautzen, Niesky und Zittau auch Borna, Limbach-Oberfrohna, Meißen, Pirna, Radeberg und Radebeul. Der Freistaat unterstützt die Gründung der Arbeitsgemeinschaft mit bis zu 256.000 Euro für den Aufbau einer Geschäftsstelle.

Wie das Wirtschaftsministerium in Dresden mitteilte, ist die Verbesserung und Förderung des Radverkehrs vor allem eine kommunale Aufgabe. Diese seien für kommunale Radwegekonzepte und die Investitionen verantwortlich. Die Arbeitsgemeinschaft werde sich daher intensiv mit dem Bereich des kommunalen Radverkehrs und auch des Fußverkehrs befassen. Die Projekte sollten einen regionalen oder sachsenweiten Charakter haben.

Auch große Städte sollen mitmachen

Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Brangs sagte MDR SACHSEN, Ziel sei, weitere Kommunen für die Zusammenarbeit in der Arbeitsgemeinschaft zu gewinnen. Auch mit den kreisfreien Städten und Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz sei man im Gespräch. Es gebe dort auch positive Signale. "Die müssen jetzt noch ihre Hausaufgaben machen und entsprechende Beschlüsse fassen."

Neben der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft gibt es laut Ministerium bereits die Landesarbeitsgemeinschaft Radverkehr und die nachgeordneten Regionalen Arbeitsgemeinschaften Radverkehr. Diese haben vorrangig die Stärkung des außerörtlichen Radverkehrs an Bundes- und Staatsstraßen zum Ziel.

ADFC: "Total wichtige Sache"

Angestoßen wurde die Arbeitsgemeinschaft vom Fahrradclub ADFC Sachsen. Landesgeschäftsführer Konrad Krause sagte MDR SACHSEN, er verspreche sich schnellere und bessere Lösungen in den kleineren Städten und Kommunen, die oftmals nicht ausreichend Personal hätten, um Radwege oder -konzepte zu planen und umzusetzen. Zudem könnten die Gemeinden von den Erfahrungen anderer profitieren. Inzwischen gebe es solche Arbeitsgemeinschaften in acht Flächenländern.

Die Stadt Bautzen habe zum Beispiel inzwischen alle Einbahnstraßen für Radfahrer geöffnet und dafür einen Leitfaden erstellt. Dieser könnte auch von anderen Kommunen übernommen werden.

An Geld für bessere Radwege mangelt es nach Einschätzung des ADFC in den Kommunen nicht, zumal der Freistaat die Projekte zu 90 Prozent fördere. "In den vergangenen Jahren hatten Kommunen eher Mittel übrig".

Streit um Jahnallee Leipzig

Fahrradstadt Leipzig
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Wie schwierig es mitunter aber ist, die Interessen verschiedener Verkehrsteilnehmer unter einen Hut zu bringen, zeigt ein Beispiel aus Leipzig. Dort sorgt seit längerem die Jahnallee für Diskussionen. Nachdem es mehrere tödliche Unfälle mit Radfahrern gab, hat die Stadt nach einer Petition von Bürgern die Kurzzeitparkplätze in der Straße wieder abgeschafft - gegen den Willen von Gewerbetreibenden. Die Radfahrer wollten eigentlich einen eigenen Fahrstreifen, den bekamen sie aber erstmal nicht. Immerhin: Sie sind künftig nicht mehr zwischen Straßenbahn und Parkplätzen eingeklemmt und können auf der rechten Spur fahren. Bis Mitte März sollen Änderungen abgeschlossen sein.

Radweg an S81 soll kommen - erste Maßnahmen sofort

Eine positive Nachricht für Radfahrer an der Staatsstraße 81 zwischen Dresden und Weinböhla hat am Freitag das Wirtschaftsministerium bekannt gegeben. Nach einem Treffen mit den Bürgermeistern von Moritzburg und Weinböhla, Jörg Hänisch und Siegfried Zenker, im Verkehrsministerium wurden erste Maßnahmen beschlossen, wie das Ministerium mitteilte. So sollen an der Brücke der S179 über die S81 bei Reichenberg beidseitig Banner mit der Aufschrift "Radfahrer? Abstand halten!" angebracht werden. Außerdem will die Straßenbaubehörde Hinweisschilder "Seitenabstand Radfahrer" im Zuge der S81 bis zum Knoten Buschhaus, im Zuge der S179 bis Moritzburg und an der S80 in Richtung Weinböhla aufstellen. Diese Maßnahmen sollen schnellstmöglich umgesetzt werden.

Einig geworden sei man sich auch darüber, dass gemeinsam mit den Gemeinden ein Radweg entlang der S 80/S 81 geplant und gebaut werden soll. Ein entsprechender Planungsauftrag sei vergeben worden.

Das Bedürfnis nach einem sicheren Radweg ist da, der tragische Unfall im November hat dies noch einmal nachdrücklich belegt – auch wenn die Unfallursache Alkohol am Steuer des Unfallfahrers war.

Martin Dulig Verkehrsminister
Ein Geisterfahrrad steht an der Staatsstraße 81 bei Moritzburg.
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Auf der S81 war im November 2018 ein Radfahrer bei einem Unfall ums Leben gekommen. Eine Petition für eine zeitnahe Umsetzung einer Radwegeverbindung zwischen Dresden und Weinböhla haben inzwischen mehr als 3.500 Menschen unterzeichnet. Initiator Tobias Knibbe sagte MDR SACHSEN, die Petition werde er Mitte nächster Woche am Rande einer Landtagssitzung übergeben. Er freue sich, dass sich jetzt etwas bewege.

Die Zahl der getöteten Radfahrer in Sachsen hat sich im vergangenen Jahr fast verdoppelt. 2018 kamen 34 Radfahrer ums Leben, 2017 waren 19.

Quelle: MDR/dk/dw/kb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.03.2019 | ab 08:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Studio Bautzen

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2019, 18:25 Uhr

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6 Kommentare

09.03.2019 22:07 DER Beobachter @ Na so was 6

Okay, die Stadtverwaltung hinkte noch länger den Tatsachen und Notwendigkeiten hinterher, wobei 3 km Radweg ja schon fast ein Riesenfortschritt gegenüber den früheren Jahren ist ;). Das mit der Fahrradhauptstadt wusste ich noch nicht. Das ist in der Tat ein Witz, wobei bei näherem Hinsehen das wohl nur einmal (bundesweit) der Fal war und wir bei den Städten über 500 000 EW auch nach Googeln so im unteren Mittelfeld rangieren. Immerhin... ;) Das Schlimme ist, dass das zarte progressive Pflänzchen nun eben auch im Stadtrat (wieder) zum Teufel zu gehen droht...

09.03.2019 14:08 B.T. (Ergänzung zu meinem Kommentar) 5

Danke, MDR-Team, für die Veröffentlichung meines Beitrags. Es wäre sehr hilfreich, wenn die Ortsvorsteher der Gemeinden Böhlitz-Ehrenberg (Sachsen), Günthersdorf (SA), Zweimen (SA), Zöschen (SA), Wallendorf (SA) einen klärenden Beitrag liefern würden, denn diese Orte liegen alle an der ehemaligen Bahn-Trasse. Die kommunalen Vertreter müssten wegen der Privatisierung an Entscheidungen beteiligt gewesen sein. Diese Trasse wäre eine ideale Fahrrad-Ausweichtrasse für die von Fahrrädern nicht zu befahrende B181 bis Wallendorf. Mit dieser Trasse wäre die durchgehende Anbindung von Leipzig nach Merseburg unter Einbeziehung mit Anschlüssen zur Domholzschänke, Nova Eventis, Wallendorfer und Raßnitzer See und Merseburg bis zum Geiseltalsee gegeben. Ich hoffe, hier tut sich etwas!

08.03.2019 20:19 na so was 4

"zu 2@ DER Beobachter zu na so was": Ich wollte mit meinem Kommentar rüberbringen, dass der Plan für Dresden für 2019 insgesamt drei Kilometer neue Fahrradwege zu bauen, mehr als ein Witz ist. Wem kann man das verständlich rüberbringen ? Was ich nicht verstehen kann, wieso Dresden jährlich zur Fahrradhauptstadt gekürt werden kann.

08.03.2019 18:45 B.T. 3

Am 10.12.18 bat ich den MDR (HA Kommunikation, Abt. Marketing) um eine klärende Recherche zum Thema: " Ausbau Radschnellweg auf alter Bahntrasse Leipzig-Leutzsch (Stadt Leipzig) bis Friedensdorf (Verw. Leuna/SA)." Im Jahr 2013 soll diese ehemalige Bahnstrecke privatisiert worden sein und sich im Besitz einer privaten Gesellschaft in Ostsachsen befinden. Ziel sollte die Schaffung einer Fahrradtrasse sein. Davon ist bis jetzt keine Aktivität festzustellen. Der MDR hat bis jetzt dazu auch keinen Bericht erstellt. Ich habe zu diesem Thema vorher verschiedene Stellen (Zeitungen, Stadt Leuna, ADFC, Radbeauftragter der Stadt Leipzig) schriftlich angefragt und bekam dazu von keiner Stelle eine Antwort. Ich weiß nicht, was da bei der Privatisierung ausgeheckt wurde. Viele sogenannte "Fahrrad-Fachkräfte" ohne besondere Wirksamkeit Ihres Tuns, so muss ich das leider feststellen, auch bei anderen Anfragen zum Ausbau von Fahrradstrecken bzw. -abschnitten in Leipzig.

08.03.2019 17:41 DER Beobachter zu Na so was 2

Nach den jüngsten Entwicklungen im Abstimmungsverhalten im Dresdner Stadtrat sind allerdings - tut mir leid - die größten Gegner von mehr Verkehrssicherheit für Radfahrer und Fußgänger die CDU, die AfD, die freien Wählerschaften und die FDP. Sie stellen zwar eine Mehrheit dar, die aber den Dresdner Realitäten hinterherhinkt. Und das hat nicht mal was mit RRG zu tun...

08.03.2019 13:04 na so was 1

Oh, wenn ich richtig gezählt habe, 15 Personen kämpfen um bessere Fahrradwege in Sachsen. In Dresden kämpfen sieben (7) "Radfahrwegverantwortliche um bessere Radwege in der Landeshauptstadt Sachsens. Ihr Plan laut für 2019: Drei (3) Kilometer neue Fahrradwege in Dresden. Ist das nicht ein toller Plan, der vielleicht, aber eben nur vielleicht, erfüllt werden kann. Der größte Gegner zur Erfüllung dieses Plans sind die vier (4) Jahreszeiten, Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Also, werte Fahrradfahrer, freut euch nicht zu früh. Es kann noch viel passieren, ehe es Abend wird. Wenn man grob rechnet, sieben Verantwortliche >>> drei km neue Fahrradwege in Dresden 2019. 15 Verantwortliche in Sachsen >>> rund etwas mehr als sechs km neue Fahrradwege 2019 in Sachsen. Was soll man dazu sagen, Weltklasse. Bitte MDR.DE, veröffentlicht diesen Kommentar, nicht dass er wieder in irgendeiner Schublade verschwindet. Sportmeldung, Sportfreund Petersen, 07./08.03.2019)

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