03.06.2020 | 12:25 Uhr | Update Corona-Krise lässt Arbeitslosenzahl in Sachsen weiter steigen

Ein Schild weist den Weg zur Agentur für Arbeit.
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Die Corona-Krise treibt die Zahl der Arbeitslosen in Sachsen weiter nach oben. Im Mai waren 135.300 Menschen im Freistaat ohne Job, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Vormittag in Chemnitz mitteilte. Das waren 6.100 Männer und Frauen mehr als im Vormonat, die Arbeitslosenquote stieg damit auf 6,4 Prozent. Im April hatte sie noch bei 6,1 Prozent gelegen. Im Vergleich zum Mai 2019 stieg die Zahl der Arbeitslosen im Freistaat sogar um 20.800, ein Zuwachs um 18,2 Prozent. Normalerweise verzeichnet der Arbeitsmarkt sowohl im April als auch im Mai einen Frühjahrsaufschwung.

"Arbeitsmarkt auf das Jahr 2017 zurückversetzt"

"Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben den sächsischen Arbeitsmarkt auf das Jahr 2017 zurückversetzt", sagte Agenturchef Klaus-Peter Hansen. Damals habe die Arbeitslosenquote und die Zahl der gemeldeteten Arbeitsstellen in etwa auf dem heutigen Niveau gelegen.

Kurzarbeit nimmt weiter zu

Im Mai haben nach Angaben des Arbeitsagentur-Chefs mehr als 2.500 weitere Unternehmen Kurzarbeit angezeigt. Insgesamt sind in Sachsen damit mehr als eine halbe Million Menschen in Kurzarbeit. Die Landesarbeitsagentur teilte mit, gut 51.000 der rund 111.500 Betriebe im Freistaat hätten im Zuge der Corona-Krise für rund 560.000 Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

Dieser Wert sei allerdings eine Obergrenze, betont die Arbeitsagentur. Der tatsächliche Umfang der Kurzarbeit werde geringer ausfallen. Denn Kurzarbeit müsse durch die Unternehmen zuerst angezeigt werden. Nach der Bewilligung der Anzeige können die Unternehmer das bereits vorfinanzierte und an die Mitarbeiter ausgezahlte Kurzarbeitergeld bei der Agentur für Arbeit beantragen. Erst mit dem monatlich nachträglich gestellten Antrag seien der konkrete Umfang des Arbeitsausfalls und die davon betroffenen Beschäftigten ersichtlich.

DGB fordert Erhöhung des Kurzarbeitergeldes

Gleichwohl: "Ohne das Kurzarbeitergeld wären die Arbeitslosenzahlen im Mai deutlich höher ausgefallen", sagt Klaus-Peter Hansen. Davon geht auch Markus Schlimbach, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Sachsen, aus. Es habe sich gezeigt, "dass das Instrument Kurzarbeit wirkt", erklärt er. "Ohne Kurzarbeit hätten wir in Sachsen eine dramatische Situation."

Der DGB-Chef fordert nun eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes für Beschäftigte im Niedriglohnsektor aus Landesmitteln. "Damit kann die regionale Nachfrage im Einzelhandel und der Gastronomie angekurbelt werden", sagt Schlimbach. Das stütze die sächsische Wirtschaft.

Gerade in Sachsen müssten Investitionen zur Ankurbelung der Wirtschaft auch einen Beitrag dazu leisten, "dass gute Arbeit und Tariflöhne endlich der Normalzustand werden und keine lobenswerte Ausnahme". Sachsen sei nach wie vor Schlusslicht bei der Tarifbindung in Deutschland.

Regionale Verteilung sehr unterschiedlich

Die Arbeitslosenquote ist in allen sächsischen Kreisen und Städten gestiegen, am höchsten ist sie derzeit im Kreis Görlitz mit 8,5 Prozent, gefolgt von der Stadt Leipzig mit acht Prozent und der Stadt Chemnitz mit 7,9 Prozent. In der Stadt Dresden liegt die Arbeitslosenquote bei 6,4 Prozent, den niedrigsten Wert verzeichnen die Stadt Zwickau und der Erzgebirgskreis mit 5,2 Prozent.

Langer Weg zur Normalität

Nach Einschätzung des Arbeitsagenturchefs wird es noch lange dauern, bis der Arbeitsmarkt im Freistaat nach der Corona-Pandemie wieder zu normalen Verhältnissen zurückfinde. Möglicherweise "bis weit ins nächste Jahr".

Gleichwohl sieht Klaus-Peter Hansen trotz der schwierigen Gesamtsituation zumindest einen "kleinen Lichtblick": Im Vergleich zum April lägen weniger Arbeitslosmeldungen aus einer Beschäftigung heraus vor, und die Betriebe hätten wieder mehr freie Stellen gemeldet. Zwar habe der sächsische Arbeitsmarkt drei Jahre verloren. "Aber die Erfahrungen, Erkenntnisse und funktionierenden Netzwerke bleiben über die Krise hinaus bestehen."

Quelle: MDR/rad/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.06.2020 | 10:00 Uhr in den Nachrichten

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