12.12.2019 | 16:55 Uhr Armutsquote in Sachsen bei 16,6 Prozent

Ein Mann zeigt ein leeres Portmonee
Tausende Sachsen müssen mit wenig Geld auskommen und gelten als arm. Bildrechte: Colourbox.de

Sachsen kommt im aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes auf Platz elf hinter Thüringen. Die Armutsquote liegt im Freistaat bei 16,6 Prozent. Vor vier Jahren wurde die Armutsquote in Sachsen noch mit 18,8 Prozent beziffert. Der Paritätische Gesamtverband sieht wachsende Unterschiede zwischen den Regionen in Deutschland. "Der Graben verläuft längst nicht mehr nur zwischen Ost und West", sagte der Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider bei der Vorstellung des "Armutsberichts 2019". Insgesamt war die Armut bundesweit um 0,3 Prozent leicht zurückgegangen und lag bei durchschnittlich 15,5 Prozent. Aber: "Es zeichnen sich besorgniserregende Entwicklungen und neue Problemregionen insbesondere in Westdeutschland ab", meinte Schneider.

Der Armutsbericht zeigt, dass auch der Westen Deutschlands tief gespalten und weit entfernt ist von Einheitlichkeit oder gleichwertigen Lebensbedingungen.

Michel Schneider Paritätischer Gesamtverband

Bei genauerem Blick zeigt sich Deutschland viergeteilt:

  • Bayern und Baden-Württemberg gelten mit einer Armutsquote von zusammen 11,8 Prozent als wohlhabend.
  • Dem steht der Osten mit 17,5 Prozent Armutsquote gegenüber.
  • Nordrhein-Westfalen ist mit einer Quote von 18,1 Prozent ein weiterer Armutsschwerpunkt.
  • Weitere Regionen in Westdeutschland hätten zusammen eine Armutsquote 15,9 Prozent.

Wer gilt als arm in Deutschland? Als arm gilt jede Person, die allein weniger als 1.035 Euro im Monat hat und damit über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt.
Eine Familie mit zwei Kindern gilt als armutsgefährdet, wenn sie weniger als 2.174 Euro im Monat für Wohn- und Lebenshaltungskosten zur Verfügung hat.

Wohlfahrtsverbände verlangen Umdenken

Der Sozialverband VdK zeigte sich angesichts der leicht gesunkenen Armutsquote erfreut, verlangte aber von der Politik, Armut effektiver zu bekämpfen. "Armut ist und bleibt eine der größten sozialen Katastrophen im Land", sagte die VdK-Präsidentin Verena Bentele. Um dagegen anzugehen, sei ein Mindestlohn "von mehr als 12 Euro" nötig. Zudem müsse die Grundrente ab Januar 2021 in Kraft treten.

Das schlussfolgerte auch der Paritätische Gesamtverband in seinem Bericht: einen dezidierten Masterplan zur Armutsvermeidung, der die Politikfelder Arbeit, Wohnen, Alterssicherung, Pflege, Gesundheit, Familie, Bildung und Teilhabe umfasst. Neben einem höheren Mindestlohn verlangt der Verband auch "eine deutliche Erhöhung der Regelsätze in Hartz IV", Reformen der Altersgrundsicherung und eine Kindergrundsicherung, um Armut wirksam vorzubeugen.

Den Armutsbericht mit Grafiken und Informationen können Sie hier ausführlich nachlesen.

Quelle: MDR/kk/KN/epd

Dieses Thema im Programm im MDR Fernsehen MDR AKTUELL - Das Sachsenradio | 12.12.2019 | 14:08 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2019, 16:56 Uhr

5 Kommentare

MDR-Team vor 10 Wochen

Sehr geehrter frank d,
welche alternative Berechnung schlagen Sie vor? Wie Sie der Überschrift über dem Hinweis zur Berechnung entnehmen können, bezieht sich dies auf die Armut in Deutschland.
Viele Grüße
Ihre MDR.de-Redaktion

Marko vor 10 Wochen

Da tut man seit 20 Jahren nix dagegen. Als Familie mit 3000 Netto ist auch nicht so berauschend. Fakt ist auch ein Mindestlohn von 12 Euro wird daran nichts ändern. Einzig gute Tarifabschlüsse so wie von der afd gefordert, helfen effektiv Armut zu bekämpfen. In der Sache interessiert es mich mal, wie die schweiz das handhabt. Als busfahrer ist der einstiegslohn rund 6000 Franken Plus garantierte 13 Gehalt. 6000 Franken sind rund 5500 Euro. Wieso bitteschön bekommt man es in Deutschland nicht hin auskömmliche Einkommen zu generieren? Mögliche Erklärungen, es liegt am Euro. Heute hat ja sogar mal die Bild zugegeben das der Euro die Einkommen halbiert hat. Nach 20 Jahren hats mal einer ausgesprochen.

Gaihadres vor 10 Wochen

Immer diese abgedroschene, Inhaltsleere Spruch...

Diese Statistik betrachtet nur das Einkommen und nicht das Vermögen. Deswegen ist sie nicht falsch. Selbst bei der Rentendebatte wird grundsätzlich nur auf die gesetzlichen Renten geachtet, nicht aber auf Vermögen. Und dazu zählen auch das Häuschen.

Viele Menschen betrachten Statistiken oft argwöhnisch, weil sie die Inhalte entweder nicht verstehen oder der Meinung sind, dass die Inhalte aus persönlichen Gründen nicht stimmen können.

Natürlich ist nicht jeder arm, nur weil er ein geringes Einkommen hat.

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