Radioaktiver Abfall Atommüllendlager in Sachsen? - Reaktionen der Politiker

Blick auf au einen sogenannten DDR Castor im atomaren Zwischenlager der Energiewerke Nord GmbH in Lubmin (Landkreis Vorpommern Greifswald).
Wohin mit den Castoren und anderem Atommüll? - Eine Frage, die Deutschland Jahrzehnte beschäftigt. Die Antwort soll eine Lösung für mindestens eine Million Jahre liefern. Bildrechte: imago/BildFunkMV

In Sachsen erfüllen mehrere Regionen die geologischen Voraussetzungen für ein sicheres Atommüllendlager. Wie aus dem Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung hervorgeht, befinden sich die geeigneten Granit- oder Tonschichten in 300 bis 1.500 Meter Tiefe - vor allem in der Oberlausitz, im Erzgebirge und im Nordwesten Sachsens. Insgesamt 90 Gebiete in Deutschland erfüllen die Kriterien, um Atommüll sicher auf Dauer einzulagern.

Landkreis Nordsachsen will nach Strukturwandel kein Endlager

In den einzelnen Regionen Sachsens regt sich schon jetzt Widerstand gegen einen möglichen Atommüll-Endlager-Standort. Teile des Landkreises Nordsachsen kommen laut dem Zwischenbericht als Endlagerstandort in Frage. "Der vorliegende Bericht beinhaltet nur eine rein geologische Betrachtung, wonach halb Deutschland für ein Endlager infrage käme", sagte Nordsachens Landrat Kai Emanuel. Das müsse nun wissenschaftlich akribisch untersucht und nach weiteren Kriterien immer mehr eingegrenzt werden, bevor die Politik tatsächlich entscheiden kann.

Kai Emanuel/CDU-Landratskandidat Nordsachsen
Kai Emanuel (CDU), Landrat Nordsachsen Bildrechte: CDU-Landesverband Sachsen

Es ist für mich allerdings schon heute nur schwerlich vorstellbar, dass der Strukturwandel im Mitteldeutschen und Lausitzer Braunkohlerevier, für den Bund und Land viele Milliarden Euro in die Hand nehmen, in ein Atommüll-Endlager mündet.

Kai Emanuel Landrat im Landkreis Nordsachsen

Bautzener Landrat ebenfalls ablehnend

Bautzens Landrat Michael Harig argumentiert ähnlich.

Der Landrat des sächsischen Landkreises Bautzen, Michael Harig (CDU), aufgenommen am Mittwoch (11.01.2012) in Bautzen
Landrat des Landkreises Bautzen, Michael Harig (CDU) Bildrechte: dpa

Ich halte die Oberlausitz, die gesamte Lausitz nicht für geeignet, so ein Endlager vorzusehen, denn wir tragen alle gemeinsam hier an den Lasten der Kohleverstromung. Wir haben einen ganz schwierigen Weg vor uns, den Strukturwandel erfolgreich zu gestalten. Das kann man nicht nur geologisch betrachten, das ist auch ein politisches Thema.

Michael Harig Landrat im Landkreis Bautzen

Landkreis Görlitz - falscher Ort für Endlager

Die Oberlausitz ist nach Ansicht des Görlitzer Landrats Bernd Lange der falsche Ort für ein Endlager. Der CDU-Politiker sagte MDR AKTUELL, die Region habe mit dem Strukturwandel nach dem Braunkohleausstieg genug zu tun. Die Bevölkerung werde sich breit aufstellen.

Der Landrat des Landkreises Görlitz Bernd Lange
Bernd Lange (CDU), Landrat im Landkreis Görlitz Bildrechte: Landkreis Görlitz

Sächsisches Umweltministerium: Prinzip "Weiße Landkarte"

Das Sächsische Umweltministerium setzt auf das Prinzip "Weiße Landkarte".

Gerd Lippold
Gerd Lippold (Grüne), Staatssekretär im Umwelministerium Bildrechte: Grüne Fraktion Sachsen / Elenor Breusing

Die weiße Landkarte ist die Voraussetzung dafür, dass überhaupt ein solcher Prozess zum Erfolg kommen kann in der Bundesrepublik, denn niemand will wirklich ein nukleares Endlager in seiner Nachbarschaft haben, das ist völlig klar und es ist wirklich entscheidend, dass nur aus geowissenschaftlichen Erwägungen Standorte ausgeschlossen werden und dass nichts aus politischen Erwägungen heraus im Vorfeld bereits wegfällt.

Gerd Lippold Staatssekretär Umweltministerium Sachsen

Reaktionen sächsischer Parteien

SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag

"Welche Gesteinsarten geeignet sind, ist eine wissenschaftliche Frage und keine politische", sagte Volkmar Winkler, Sprecher für Energiepolitik der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, zum Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlager. "Wer jetzt reflexartig ganze Regionen wieder von der Karte streichen will, handelt populistisch und gefährdet das Ziel, einen geeigneten Standort für die sichere Lagerung des gefährlichen Mülls zu finden." Die Schwierigkeiten bei der Endlagersuche würden die Wichtigkeit des Atomausstiegs zeigen.

AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag

Der energiepolitsche Sprecher der AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag, Jan Zwerg, sprach sich für Recycling statt einer Endlagerung aus. "Es gibt mehrere Möglichkeiten radioaktive Rückstände unschädlich zu machen oder sogar zu recyceln, um diese Stoffe weiter verwenden zu können", sagte er. "Daran sollten wir intensiv forschen, statt darüber nachzudenken, angeblichen Müll für Hunderttausende Jahre in unterirdische Höhlen zu bringen."

Teilgebiete für ein Atommüllendlager in Deutschland mit markierungen in den Farben lila, blau und orange
Bildrechte: GDI-TH, Esri, HERE, Garmin, FAO, NOAA, USGS

In den nächsten Auswahlrunden werden weitere Faktoren berücksichtigt, wie die Bevölkerungsdichte. Bis 2031 soll der endgültige Standort für das Atommüllendlager feststehen. Der seit Jahrzehnten favorisierte Salzstock Gorleben in Niedersachsen steht nicht auf der Vorauswahl-Liste.

Quelle: MDR/dpa/lam/al/sw

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.09.2020 | 10:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 28.09.2020 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

Matthi vor 3 Wochen

Überall um Deutschland stehen und sind neue Kernkraftwerke geplant ich kenne aktuell kein Endlager bei unseren Nachbarn. Es muss von Seitens der Bundesregierung wo auch die Grünen dabei sind verbindlich festgelegt werden das kein Ausländischer Atommüll in ein deutsches Endlager kommt. Ich habe nämlich die Befürchtung das es genauso abläuft wie beim Hausmüll der ja aus halb Europa zu uns gekarrt wird Hauptsache gewinn.

Matthi vor 3 Wochen

Meine Persönliche Meinung ist recyceln oder das Material unschädlich machen mit Technologien die noch entwickelt werden müssen, da sich die Verursacher freigekauft haben mit Milliarden die der Bund bekommen hat sollte der Bund für die Forschung einstehen. Ich finde es eine Frechheit die Bevölkerungsdichte als Kriterium zu nehmen erst lässt man ganze Regionen ausbluten durch falsche Politik und dann will man die Gebiete als Mülleimer der Nation nehmen. Dann sollen doch die Bundesländer den Müll nehmen wo Die Atomkraftwerke stehen und die Milliarden Steuereinnahmen eingesackt wurden.

Mehr aus Sachsen