Nach Brand im Lager Moria Demonstrationen für Flüchtlinge in Sachsen

Auf einer Demo in Chemnitz fordern Demonstrierende mit Aufschriften auf Pappplakaten unter anderem, Niemanden zurückzulassen (Leave Noone Behind) oder den Rücktritt Horst Seehofers.
Tausende Menschen haben gestern bundesweit demonstriert, um auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam zu machen. Auch in Leipzig, Chemnitz und Dresden gab es Proteste. Bildrechte: Erik Frank Hoffmann

Nach dem verheerenden Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos haben am Mittwochabend mehr als tausend Menschen in Leipzig, Dresden und Chemnitz demonstriert. Nach Angabe der Initiative "Leipziger Seebrücke", die zu der Demonstration "Wir haben Platz!" in Leipzig aufgerufen hatte, haben sich am Augustusplatz zwischen 1.000 und 2.000 Menschen versammelt, um sich für die Aufnahme der Flüchtlinge aus dem ausgebrannten Lager Moria einzusetzen.

Geflüchtete laufen durch die Trümmer ihrer von einem Großbrand im Flüchtlingslager Moria zerstörten Unterkünfte.
Nach dem Großbrand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos sind knapp 13.000 Menschen ohne Obdach. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sozialbürgermeisterin: Dresden bereit, Flüchtlinge aufzunehmen

In Dresden haben sich Schätzungen zufolge etwa 500 Menschen zum Protest auf dem Altmarkt versammelt. Schon vorher riefen die Dresdner Stadtratsfraktionen von Grünen und SPD dazu auf, mehr Flüchtlinge aus dem griechischen Lager Moria in Dresden aufzunehmen. Wegen Corona hätten sich die Lebensumstände dort dramatisch verschlechtert. Das jüngste Feuer in dem Camp sei auch eine Folge der breiten Ignoranz gegenüber den unhaltbaren Zustände in Moria, hieß es. Sozialbürgermeisterin Kaufmann sagte, Dresden sei bereit, kurzfristig Geflüchtete aus Moria aufzunehmen. Das setze aber voraus, dass Bund und Freistaat die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Aufnahme dieser Menschen schaffen. Am Dienstagnachmittag hatte auch die sächsische Sozialministerin und der Leipziger Oberbürgermeister erklärt, sie seien bereit, Flüchtlinge aufzunehmen.

Chemnitz: Etwa 100 Demonstranten in Chemnitz

In Chemnitz demonstrierten nach Polizeiangaben etwa 100 Teilnehmer zu dem Motto „Moria is bruning - Wir haben Platz“. Die Initiative "Seebrücke" hatte zusammen mit dem Bündnis "Chemnitz Nazifrei" und "Aufstehen gegen Rassismus" zu den Protesten aufgerufen. "Ich finde wir müssen alle Lager evakuieren und alle Menschen aufnehmen, die um Hilfe ersuchen“, sagte Gabriele Engelhardt von "Aufstehen gegen Rassismus" einem Reporter. Chemnitz solle in Zukunft ein sicherer Hafen werden. Sie hoffe, dass Chemnitz in Zukunft ein Stadtoberhaupt bekommen, das klarer Kante zeigen könne als dies in der Vergangenheit der Fall war.

Chemnitzer Verein organisiert Hilfstransport nach Griechenland

Angesichts der Katastrophe bittet der Chemnitzer Hilfsverein Human Aid Collective um Spenden. Unter anderem werden dringend Mundschutzmasken benötigt. Diese sollen umgehend nach Lesbos geliefert werden. " Die Situation in Griechenland ist absolut verheerend", erklärte Vereins-Chef Oliver Nießlein. Zusammen mit einer Dresdner Organisation werde ein Hilfstransport organisiert, ein LKW sei schon vorbereitet, in spätestens einer Woche solle es losgehen. "Wir brauchen Geld für Babynahrung, hygienische Produkte, Kleidung, Zelte." Der Chemnitzer Verein Human Aid Collective hat dieses Jahr bereits zwei Hilfstransporte nach Griechenland geschickt

Auf einer Demo in Chemnitz fordern Demonstrierende mit Aufschriften auf Pappplakaten unter anderem, Niemanden zurückzulassen (Leave Noone Behind) oder den Rücktritt Horst Seehofers.
In Chemnitz versammelten sich nach Angaben der Polizei etwa 100 Menschen, um sich für Flüchtlinge einzusetzen. Bildrechte: Erik Frank Hoffmann

Bundesweite Demos: Verweis auf Aufnahmebereitschaft von 180 Kommunen und Städten

Unter dem Motto "Wir haben Platz!" hatten Flüchtlingsorganisationen und andere Gruppen für Mittwochabend und die kommenden Tage zu Demonstrationen aufgerufen, um die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem abgebrannten griechischen Lager Moria zu erreichen. In über 40 Städten werde protestiert, teilte die Organisation Seebrücke mit, die bundesweit zu spontanen Aktionen aufrief. Sie verwies darauf, dass in Deutschland 180 Kommunen und Städte zur Aufnahme von Flüchtlingen bereitstünden.

Die rund 13.000 Menschen, die ihr letztes Dach über dem Kopf verloren hätten, "müssen sofort aufgenommen werden", forderte Julia Solbach von der Seebrücke. "Eine europäische Lösung ist nicht in Sicht, das heißt, einzelne Staaten müssen vorangehen." Mittwochabend demonstrierten auch Menschen in Berlin, Leipzig, Köln, Hamburg, Frankfurt/Main und Freiburg.

In der Nacht zum Mittwoch waren in Griechenlands größtem Flüchtlingslager auf der Ägäis-Insel Lesbos mehrere Feuer ausgebrochen. Die Einrichtung wurde praktisch vollständig zerstört, mehr als 12.000 Menschen wurden obdachlos.

Quelle: MDR/dpa/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.09.2020 | ab 14:00 Uhr in den Nachrichten

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