80. Jahrestag der Novemberpogrome Ausstellung trägt Bruchstücke zur Reichspogromnacht zusammen

2018 jähren sich die Novemberpogrome zum 80. Mal. Auch in Sachsen wurden damals Juden gedemütigt, verschleppt und ermordet. Die gleichzeitig an drei Orten gezeigte Ausstellung "Bruchstücke" zeichnet die Novemberpogrome in Sachsen auf der Grundlage umfangreicher Recherchen nochmals mit jeweils regionalen Schwerpunkten nach.

Eine Schautafel im staatlichen Museum für Archäologie zeigt die Abbildung einer nationalsozialistischen Gedenkfeier im Chemnitzer Sportforum im Jahr 1938.
Die Ausstellung "Bruchstücke" ist zur Zeit im Chemnitzer Landesmuseum für Archäologie zu sehen, aber auch in Leipzig und Dresden. Bildrechte: dpa

Regionale Aufteilung

Der Hauptteil der Ausstellung befasst sich mit dem Leben der jüdischen Bevölkerung vor und nach der Machtübernahme der Nazis. Nach der Volkszählung von 1925 lebten etwa 23.000 Bürger jüdischen Glaubens in Sachsen, davon 90 Prozent in den großen Städten Leipzig, Dresden und Chemnitz. Im Chemnitzer Regionalteil der Ausstellung werden Schicksale in Freiberg, Zwickau und Plauen dokumentiert. Im Dresdner Teil sind es zum Beispiel Bautzen, Löbau und Zittau. In Leipzig sind Ereignisse unter anderem aus Delitzsch, Borna und Wurzen näher beschrieben. Insgesamt wurden im Rahmen des Forschungsprojektes "Bruchstücke" rund 50 kleinere und größere Orte dokumentiert, an denen es zu antijüdischen Kundgebungen, Verhaftungen, Gewalttaten sowie Wohnungs- und Geschäftszerstörungen und Zerstörungen von Synagogen und Gemeindehäusern kam.

Blick in die Region

Die dreigeteilte Ausstellung zeigt all diese Spuren der Novemberpogrome, die Bruchstücke gewissermaßen, bestehend aus Dokumenten, Zeitungsartikeln, Fotos und Zeugenaussagen. Laut Gunda Ulbricht, Bildungsreferentin im Dresdner Verein HATiKVA e.V., der an der Ausstellung beteiligt ist, möchte die Schau gerade die kleinen regionalen Geschichten erzählen. "Wir glauben, dass die Historiker, die Forscher, die an kleineren Orten tätig sind, noch ganz viel beitragen können." Oft seien deren Ergebnisse in der Schublade gelandet oder in kleinen Heimatheften veröffentlicht worden. "Es ist ja schade, dass sie nicht der ganz großen Öffentlichkeit zugutekommen."

Geschichtsträchtiger Ausstellungsort

Erste Besucher im Chemnitzer Archäologiemuseum.
Über die Geschichte des früheren Kaufhauses Schocken, den Architekten des Gebäudes, Erich Mendelsohn, und das Schocken Unternehmen informieren drei begleitende Dauerausstellungen im Landesmuseum für Archäologie. Bildrechte: MDR/Nora Kilenyi

Auch der Chemnitzer Ausstellungsort selbst, das damalige Kaufhaus Schocken, wurde in der Nacht vom 9. November 1938 verwüstet. Ebenso wie andere Schocken-Kaufhäuser in Zwickau, Aue und Frankenberg. Als ein Beispiel nennt Ausstellungskurator Daniel Ristau auch Auerbach. Eine Zeitzeugin berichtete ihm, was ihr Großvater dort am 10. November 1938 im Kaufhaus Schocken erlebte: "Dass dieses Kaufhaus demoliert worden ist, und das hat den Großvater traumatisiert. Wie rote Farbe über alles gekippt wurde und irgendwie grüner Seidenstoff noch in dem Fleischsalatfass gesteckt hatte."

Die Chemnitzer Synagoge war eine der ersten, die in Sachsen in der sogenannten Reichspogromnacht brannte. Bereits knapp zwei Wochen zuvor wurden 338 Chemnitzer Juden polnischer Staatsangehörigkeit verhaftet und abgeschoben. Viele von ihnen hatten jahrzehntelang in der Stadt gelebt oder waren hier geboren. Am 9. November wurde der Direktor des unweit vom Schocken gelegenen Kaufhauses Tietz, Hermann Fürstenheim, im Keller seines Hauses auf dem Kaßberg erschossen. Insgesamt 172 jüdische Männer deutscher Staatsangehörigkeit wurden in Folge der Pogromnacht verhaftet und nach Buchenwald verschleppt. Dort starben viele von ihnen innerhalb weniger Tage aufgrund der katastrophalen Bedingungen, zum Beispiel an Wassermangel.

Quelle: MDR/nk

Dieses Thema im Radio MDR AKTUELL | 07.10.2018 | 09:50 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 08. November 2018, 18:29 Uhr

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