21.07.2020 | 15:45 Uhr Baden in Seen und Flüssen: Wie kann man Badeunfällen vorbeugen?

Es passiert in Seen, Kiesgruben, Flüssen, an Nord- und Ostsee, selten in Schwimmbädern. Kaum lockt das Wetter zum Baden, ertrinken Menschen. Allein seit Anfang Juli kam es in Deutschland zu mehreren Badeunfällen mit tödlichem Ausgang. Auch bei uns in Sachsen. Wo lauern beim Baden die Gefahren? Gilt noch die alte Regel, nicht überhitzt ins Wasser zu gehen oder nicht gleich nach dem Essen? Joachim Weiß von der DRK Wasserwacht klärt auf.

Wie steht es aktuell um die Zahlen bei Badeunfällen?

Die Zahl der Badeunfälle in Sachsen ist in den letzten Jahren nicht angestiegen. Letztes Jahr gab es 25 Badetote in Sachsen.

Was sind die größten Gefahren beim Baden im Sommer?

Im Wasser ist das Thema "Wetter" nicht zu vernachlässigen. Am Bärwalder See beispielsweise kann das Wetter schnell umschlagen. Es kommt Wind auf und die Wellen werden höher. Dann sollten die Eltern aufmerksam sein und die Kinder aus dem Wasser holen. Bei Gewitter kann es lebensgefährlich werden, im Wasser zu bleiben.

Gehen Sie niemals allein baden, gerade wenn sie etwas weiter raus schwimmen. Suchen Sie jemanden, der mitgeht. Dann ist einer da, der Hilfe leisten oder rufen kann, wenn bei Ihnen ein Problem auftaucht, zum Beispiel ein Krampf, den Sie nicht allein lösen können. Dann haben Sie einen Partner, der Ihnen zur Seite steht.

Aufgeheizt ins Wasser gehen - ist das wirklich so gefährlich?

Ja, man sollte sich tatsächlich langsam abkühlen und ins Wasser gehen. Hier geht es darum, den Kreislauf nicht unnötig zu belasten. Es ist nicht gut, den warmen Körper mit dem kalten Wasser überzustrapazieren.

Nicht mit vollem Magen baden: Ein Ammenmärchen oder wahr?

In den Lehrgängen der Wasserwacht sagen wir, man soll nicht mit vollem, aber auch nicht mit ganz leerem Magen ins Wasser gehen. Das hat den Hintergrund, wenn Sie großen Hunger leiden, haben sie keine Kraft und Energie, um sicher schwimmen zu können. Mit ganz vollem Magen braucht der Körper wiederum zu viel Energie, um zum Beispiel die Bockwurst mit Kartoffelsalat abzubauen.

Ist das "Seepferdchen" ein Nachweis dafür, dass mein Kind schwimmen kann?

Ein Kind taucht im Swimmingpool.
Kinder, die ein Seepferdchen haben, sind noch längst keine sicheren Schwimmer. Jetzt heißt es immer wieder üben. Bildrechte: imago images/CHROMORANGE

Der Seepferdchen ist eine tolle Erfahrung für Kinder. Es sagt aber nicht mehr aus, als dass die Kinder vom Beckenrand gesprungen sind und irgendwie 25 Meter in einer Schwimmart in Bauch- oder Rückenlage geschwommen sind, meist in der Schwimmhalle. Dann holen sie noch einen kleinen Gegenstand mit den Händen aus schultertiefem Wasser hoch. Das hat aber nichts mit sicherem, ernsthaften Schwimmen zu tun. Das reicht nicht. Da müssen die Eltern mehr im Bereich der Schwimmausbildung für ihre Kinder tun. Gut wäre es, das Schwimmabzeichen in Bronze abzulegen.

Man kann auch im Erwachsenen-Alter noch sicher Schwimmen lernen.

Joachim Weiß | DRK Wasserwacht

Was ist von Schwimmflügeln zu halten?

Sie helfen dabei, zu verhindern, dass das Kind unter Wasser geht. Beim Kauf sollte man genau schauen, welche Art von Schwimmflügel oder Auftriebshilfe, man kauft. Häufig erlebt man, dass Kinder mit einfachen Schwimmflügeln vom Startblock ins Wasser springen und das einzige, was an der Oberfläche bleibt, sind die Schwimmflügel, weil die Kinder rausrutschen. Gut sind Schwimmflügel mit Brustgurt, die nicht abrutschen können.

Welche Badeorte sind für Schwimmanfänger am besten geeignet?

Zu empfehlen sind bewachte Badestellen und für Kinder, die nicht schwimmen können, sollte es einen ausgewiesenen Nichtschwimmer-Bereich geben, der nicht so tiefes Wasser hat, das man ertrinken kann.

Eltern sind immer in der Pflicht, auf ihre Kinder im Wasser zu achten. Auch links und rechts zu schauen, schadet nicht.

Joachim Weiß | DRK Wasserwacht

Was tun, wenn man in die Strömung eines Flusses gerät?

Ein Fluss wird durch eine kleine Stromschnelle aufgewirbelt.
Nicht zu unterschätzen: Strömungen in der Mitte von Flüssen. Bildrechte: MDR/Robin Hartmann

Ganz wichtig ist es, auf sich aufmerksam zu machen, damit andere einem Hilfe zukommen lassen können. Wenn Sie in der Hauptströmung sind, sollten Sie zwei Dinge beachten: Drehen Sie sich so, dass Sie etwas sehen. Also die Beine nach vorn. Versuchen Sie in Rückenlage, aus der Strömung herauszukommen. In Kehren, also Kurven, hat man eher die Möglichkeit aus der Strömung heraus und an den Rand zu kommen.

Wenn Sie auf dem Meer in eine Strömung kommen, macht es paradoxerweise manchmal auch Sinn, die Kräfte zu sparen und sich aufs Meer hinaustragen zu lassen. Dann wird die Strömung schwächer und man kann versuchen seitlich links oder rechts von der Hauptströmung wegzuschwimmen. Dann ist es besser einen großen Bogen zu schwimmen, um Richtung Ufer zu kommen.

An der Ostsee sind die Wellenbrecher oder Buhnen nicht zu unterschätzen. Diese bitte nicht betreten.

Joachim Weiß | DRK Wasserwacht

Was tun, wenn jemand im Wasser um Hilfe ruft?

Grundsätzlich ist es wichtig, dass Sie Hilfe leisten. Ob der Sprung ins Wasser allein das richtige Mittel ist, kommt auf die Situation an. Wir sind laut Strafgesetzbuch alle zur Hilfe verpflichtet. Wir müssen etwas tun, etwa andere zu Hilfe holen oder den Notruf wählen. Es kommt auch darauf an, ob ich mich in Gefahr bringe beim Sprung ins Wasser oder die Aufsichtspflicht meiner eigenen Kinder vernachlässige. Man muss sich kurz überlegen, ob ich in der Lage bin, die Situation zu einem guten Ende zu bringen.

Wie gehe ich vor, wenn ich dem Ertrinkenden helfen will?

Rettungsschwimmer bei einer Rettungsübung auf der Ostsee.
Wer Rettungsschwimmer werden möchte, wendet sich an die DRK Wasserwacht Sachsen (siehe Link unten). Bildrechte: dpa

Sie müssen versuchen zu verhindern, dass er sich an Ihnen festklammert, damit Sie nicht in Gefahr geraten. Hier empfiehlt es sich, kurz zu warten und durchzuatmen. Diese Phase des Klammerns wird vorbei gehen, weil derjenige keine Kraft mehr hat. Dann kann man ihn versuchen abzuschleppen. Der beste Rat aber ist, nehmen Sie etwas mit ins Wasser, was Distanz zwischen Ihnen und dem Ertrinkenden schafft. Das kann eine Schwimmhilfe sein, eine Luftmatratze, ein Paddel. Es muss etwas sein, woran er sich festhalten kann. Das er merkt, der Gegenstand verschafft mir ein sicheres Gefühl.

Wie steht es um den Rettungsschwimmer-Nachwuchs?

Da kann sich die Wasserwacht in Sachsen freuen. Im Jugend- und Nachwuchsbereich sind die Mitgliederzahlen stabil.

Schau auf das Wasser und nicht auf dein Smartphone.

Kampagne der DRK Wasserwacht

Quelle: MDR/th/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.07.2020 | 10:00 - 12:00 Uhr

Mehr aus Sachsen

Michael Kretschmer 12 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK