02.03.2020 | 12:12 Uhr Was die Bahn in Sachsen vorhat: Interview mit Ronald Pofalla

Bahn-Vorstandsmitglied Ronald Pofalla ist am Montag zu Gast in Dresden. Er tauft einen ICE der neuesten Generation auf den Namen "Freistaat Sachsen" und unterschreibt eine Vereinbarung zur geplanten Neubaustrecke Dresden-Prag. MDR SACHSEN hat mit Pofalla über die anstehenden Herausforderungen in Sachsen gesprochen.

Ronald Pofalla
Bildrechte: dpa

Elena Pelzer: Herr Pofalla, Sie sind heute in Dresden, um einen neuen ICE zu taufen. Wir wollen aber auch über neue Strecken sprechen, die geplant sind. Wie sieht es beispielsweise mit der neuen Strecke nach Prag aus?

Ronald Pofalla: Ja, diese Strecke - und das ist ein zweiter Termin heute - die wollen wir stärker in den Fokus nehmen. Und der Zielpunkt ist, dass wir versuchen wollen, einen Tunnel zu bauen, der dann dazu führt, dass die Fahrzeiten nach Prag sich deutlich verkürzen von Dresden aus um 75 Minuten und von Berlin aus sogar um zwei Stunden. Und wir wollen damit den Güter- und den Personenverkehr beschleunigen und durch einen Tunnel, der weit über 20 Kilometer lang sein wird, durch das Erzgebirge, damit auch die Verträglichkeit des Verkehrs gegenüber der Bevölkerung erhöhen.

Das klingt nach einem Mammutprojekt. Wie lange wird das alles dauern? Oder anders gefragt: Wann kann ich mich in den Zug nach Prag setzen?

Die Fragen kann man jetzt noch gar nicht beantworten. Wir sind beispielsweise bei dem Verbindungsstück jetzt im Raumordnungsverfahren, wo am Freitag die Bürgerbeteiligung abgeschlossen sein wird. Und im Sommer wollen wir uns dann entscheiden für eine bestimmte Trasse, die dann überhaupt erst in die Detailplanung geht. Wir können zum jetzigen Zeitpunkt weder etwas über den Zeitrahmen noch über die Kosten sagen. Dafür müssen wir bestimmte Leistungsphasen der Planungen erst abgeschlossen haben.

Okay, aber so ganz grob über den Daumen gepeilt …

Nein, ich lasse mich da nicht festlegen, weil sie mir dann im nächsten Interview vorhalten, dass das möglicherweise nicht eingehalten wird. Wir müssen das seriös planen. Und dann werden wir den Zeitplan erstellen und auch etwas zu den Kosten sagen können.

Was gibt es sonst noch für Großprojekte, die in Sachsen wichtig sind?

Es ist dem Freistaat Sachsen gelungen, verschiedene Ausbaustrecken in das Strukturstärkungsgesetz zu bekommen. Da geht es einmal um die Verbindung Chemnitz-Leipzig. Da geht es um die Verbindung von Dresden nach Görlitz und von Görlitz nach Cottbus. Das alles ist jetzt im Strukturstärkungsgesetz vorgesehen. Und jetzt wird es darum gehen, einen beschleunigten Ausbau dieser Strecken in Angriff zu nehmen und diese Strecken so auszubauen, dass der Personenverkehr deutlich verbessert wird.

In Chemnitz geht's immer wieder darum, dass die Stadt auch besser angeschlossen wird. Können Sie da den Pendlern was versprechen?

Ich kann versprechen, dass wir den Wunsch der Menschen für richtig halten und auch unterstützen und wir alles dafür tun, dass es zu einer schnellen Verbindung kommt, die dann diesen Wunsch der Bürgerinnen und Bürger entspricht.

Das heißt, konkret ist aber nichts in Aussicht?

Konkret will ich mich auch heute dazu nicht äußern. Aber gehen Sie mal davon aus, dass wir da mit Hochdruck dran arbeiten.

Jetzt muss ich schon wieder nach der Zeit fragen, wenn es um die elektrifizierten Trassen geht. Denn die sind ja auch geplant. Kann man da was sagen?

Da sind wir zum Teil, je nachdem auf welchen Streckenabschnitt es sich bezieht, durch die Vorfinanzierung der Planungen aus Sachsen weiter, sodass ich glaube, dass wir in diesem Jahrzehnt beachtliche Schritte bei der Elektrifizierung verschiedener Streckenabschnitte machen werden.

Was ist Ihre Vision für Sachsen? Wird sich viel tun in den nächsten Jahren?

Naja, Sachsen ist Bahnland und um es an einer Zahl deutlich zu machen: Wir hatten im vergangenen Jahr 12.800 Mitarbeiter hier in Sachsen, und wir werden in diesem Jahr die Mitarbeiterzahl deutlich erhöhen, sodass wir wahrscheinlich bei 14.200 bis 14.300 Mitarbeitern rauskommen werden. Das heißt, wir werden um bis zu 1.400 mehr Menschen in Sachsen einstellen und damit neue Arbeitsplätze schaffen.

Quelle: MDR/ep

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.03.2020 | 09:40 Uhr

MDR SACHSENSPIEGEL | 02.03.2020 | 19:00 Uhr

Mehr aus Sachsen