Deutsche Bahn auf Info-Tour 60 Millionen Euro gegen Schienenlärm im Elbtal

Tag und Nacht durchbrechen donnernde Güterzüge die Idylle der Sächsischen Schweiz. Vorhaben, die Bewohner vom Lärm zu entlasten, gab es in der Vergangenheit schon viele. Doch die reichen nicht aus, sind sich die Anwohner einig. Nun sollen mehr als 30 Lärmschutzmaßnahmen und über 60 Millionen Euro endgültig für weniger Krach sorgen. Geplant sind unter anderem kilometerlange Schallschutzwände und sogenannte Schienenstegdämpfer. Am Montag stellte sich die Bahn den Fragen der Anwohner, am Dienstag ist Coswig an der Reihe.

Ganz besonders die vielen Güterzüge, die durch das Elbtal rattern, sorgen für einen ohrenbetäubenden Lärm. Gespräche in normaler Lautstärke sind dann nicht mehr möglich. Prognosen gehen sogar davon aus, dass der Zugverkehr in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird. Deshalb planen der Bund und das Land Sachsen in den nächsten Jahren, massiv in den Lärmschutz im oberen Elbtal zu investieren.

Mit den in Pirna vorgestellten Maßnahmen sind Vorschläge auf dem Tisch, den Lärm entlang der Strecken von Dresden über Pirna bis zur tschechischen Grenze zu reduzieren. Weitere Entlastungen soll es auch am Fachkrankenhaus in Coswig und in Weinböhla geben. Welche Maßnahmen tatsächlich gefasst werden und wann, ist noch unklar.

Bis Ende 2020 sollen alle Güterzüge "leise" werden

Henning Schwarz, bei der Deutschen Bahn Netz AG für den Umweltschutz verantwortlich, präsentierte den Anwesenden ein "Schallschutzgutachten". Dieses, so Schwarz, enthalte "aktive Maßnahmen, die den Schall an der Quelle reduzieren oder am Ausbreitungsweg hindern". Damit gemeint sind zwei bis drei Meter hohe Schallschutzwände, die besonders gut den Schall absorbieren. Ergänzt werden diese von 35 Kilometern Schienenstegdämpfern. Das sind kleine Gummiblöcke, die das Schwingen der Schiene verringern.

Güterzug
Güterzüge rauben derzeit vielen Anwohnern im Elbtal den Nerv. Bildrechte: MDR/Lars Müller

Für viel Diskussionsstoff während des Bürgerdialogs in Pirna sorgten die sogenannten "Flüsterbremsen". Diese Bremsklötze aus Verbundkunststoffen bewirken, dass die Schallemissionen direkt an der Schiene reduziert werden. "Ab 2020 wird der Güterverkehr leise sein", hofft Henning Schwarz. Dann nämlich sollen alle Güterzüge auf die geräuschärmere Technik umgerüstet worden sein. Außerdem schreibt das neue "Schienenlärmschutzgesetz" des Bundes vor, dass ab Ende 2020 keine "lauten" Güterzüge mehr im deutschen Schienennetz rollen dürfen. Davon eingeschlossen sind auch Züge ausländischer Betreiber.

Alle Maßnahmen sollen die Geräuschbelastung im Tagesdurchschnitt auf Gesprächslautstärke senken. Bis zu 14.00 Menschen im Elbtal, so die Deutsche Bahn, sollen vom Lärm entlastet werden.

Eine Frage der Ästhetik

"Selbstverständlich brauchen wir entsprechende Lärmschutzmaßnahmen, aber wir leben in einer touristischen Region und da ist das Gestaltungsmoment einer Lärmschutzwand schon entscheidend", merkt ein Besucher der Informationsveranstaltung an. Bad Schandaus Bürgermeister Thomas Kunack hat ebenfalls Bedenken. Die Maßnahmen seien zwar notwendig, aber ein Zugreisender bekäme wegen der Wände wenig von der schönen Landschaft mit. Auch dafür wollen die Planer Kompromisse finden.

Weitere Infoveranstaltung: Coswig | 20. Juni 2017 | 14 bis 18 Uhr | Rathaus, Räume 120,122 und 124

Ab wann gebaut werden kann, bleibt unklar

Die präsentierte Studie und die Informationsveranstaltungen sind laut Henning Schwarz erste Schritte für genauere Konzepte. Frühestens in 18 Monaten sei mit konkreten Plänen zu rechnen. Auch dann hätten die Bürger wieder die Möglichkeit, ihre Anregungen und Einwände einzubringen. Mit den ersten Lärmschutzwänden im oberen Elbtal sei wohl erst ab 2020 zu rechnen, so Schwarz.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - das Sachsenradio | 20.06.2017 | ab 6:30 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 20.06.2017 | 19:00 Uhr

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4 Kommentare

22.06.2017 15:38 RS 4

Die Debatte um den Bahnlärm versteht niemand. Der Güterverkehr ist jahrzehntelang immer geringer und leiser geworden. Es fahren fast nur noch leise Triebwagen und E-Loks. Die Drehgestelle wurden auch immer leiser. Wo da der Lärm entsteht, ist nicht klar. Ich wohne übrigens selbst an der S1-Strecke, ca. 150 m entfernt. Viel gefährlicher, lauter und vermeidbarer ist doch der MIV und LKW-Verkehr. Letztere ließe sich auf die Schiene verlagern. Aber das wollen dann... je wer eigentlich nicht?

21.06.2017 17:11 Graf von Henneberg 3

Das Geld wird ausgegeben und die akustische Beeinflussung der Anwohner durch die Zugbewegungen immer noch vorhanden sein.

21.06.2017 10:47 Zugreisender 2

Na dann wird ja die Bahnfahrt in die Sächsische Schweiz demnächst richtig abwechslungsreich. Ab Pirna blicken die Passagiere dann nicht mehr auf die liebliche Landschaft sondern nur noch auf meterhohe, durch Graffiti-Aktionskunst Aktivisten beschmierte Schallschutzwände. Aber eigentlich auch egal, heutzutage glotzen die meisten eh nur wichtigtuerisch auf ihr Smartphone und kriegen garnicht mehr mit was zwischenzeitlich so alles um sie herum passiert. Sicher ist die Lärmbelästigung teilweise fast unerträglich, aber fahren durchs Elbtal nicht seit Jahrzehnten mehr oder minder laute Züge. Wie haben denn die Menschen das in früheren Zeiten als qualmende ballernde Dampfloks und röhrende abgasbehaftete Dieselloks die Züge (zugegebenermaßen langsamer) durchs Elbtal zogen und ohne Lärmschutzmaßnahmen ertragen? Und wäre es den Anwohnern lieber die gesamte Tonnage der Züge würde mit 40-Tonnern über die B 172 transportiert? Fragen über Fragen!

21.06.2017 05:24 Enrico Pelocke 1

Ich fordere: Keine häßlichen sichtbehindernden Schallschutzwände an Eisenbahnsstrecken, besonders nicht im Elbtal! Gute Sicht gehört für mich zur Reisefreiheit.