16.10.2019 | 12:53 Uhr So baut Sachsen: Wohnmodule in Leipzig und Tiny Houses aus dem Erzgebirge

In den Großstädten ist Wohnraum gefragt. Deshalb gilt es, neue Wege zu finden, Häuser schnell und bezahlbar zu bauen. Andere Sachsen setzen hingegen auf das eigene Haus - bezahlbar durch seine geringe Größe. MDR SACHSEN hat sich zwei Extreme im modernen Wohnungsbau näher angeschaut.

Maurerkelle mit Mörtel.
Bildrechte: imago/Winfried Rothermel

Im Leipziger Norden, an der Landsberger Straße Ecke Maria-Grollmuß-Straße, entstehen gerade knapp 100 neue Wohnungen in vier Gebäuden. Wer vor dem abgesperrten Areal steht, sieht zwar Kräne, Absperrgitter und Baucontainer, doch für ein so großes Projekt ist es erstaunlich ruhig. "Das liegt daran, dass wir hier auf die Modulbauweise setzen", erklärt René Berott, Regionalbereichsleiter des Wohnungsunternehmens Vonovia. "Zum einen sparen wir Zeit und Kosten, zum anderen ersparen wir den Anwohnern den typischen Baulärm."

Eine Grafik zeigt, wie die neuen Wohnhäuser in der Landsberger Straße/Maria-Grollmuß-Straße in Leipzig aussehen sollen.
So sollen die neuen Wohnhäuser in Gohlis aussehen. Geplante Fertigstellung ist bereits im kommenden Jahr. Bildrechte: Vonovia SE/Peter Eichler

Modulbauweise bedeutet, dass auf großen Schwerlasttransportern fertige Blöcke angeliefert werden. Das sind in der Fabrik gebaute Räume mit Fenstern, Steckdosen und sogar voll ausgestatteten Badezimmern. "Diese Bauweise hat auch ökologische Vorteile", sagt Berott. Man spare Müll, Energie und Ressourcen. Trotzdem legen die fertigen Module vom Werk in Bachhausen, südöstlich von Nürnberg, bis zur Baustelle in Leipzig über 300 Kilometer Wegstrecke zurück.

Am Ende muss alles richtig zusammenpassen

Dass alle angelieferten Bauteile am Ende auch richtig zusammengesetzt werden und so jede Wohnung mindestens auch ein Badezimmer bekommt, dafür trägt Sandra Vögele die Verantwortung. Die 28 Jahre alte Bauleiterin hat ihr Büro in einem gelben Container mitten auf der Baustelle. "Eine große Herausforderung ist die zeitliche Planung", erklärt Vögele. "Wir müssen alles richtig eintakten, sodass keine Wartezeiten und Stillstände auf der Baustelle entstehen." Alles, das sind etwa acht bis zehn Module am Tag. Jedes einzelne davon ist zwischen sechs und sieben Meter lang und drei Meter breit. "Je nach Teil wiegen die Module zwischen 21 und 25 Tonnen."

Passanten, die neugierig an der Baustelle vorbeigehen, fühlen sich an den Plattenbau aus der ehemaligen DDR erinnert. Auch damals wurden Bäder teilweise fertig montiert geliefert. Diesen Vergleich will Bauleiterin Vögele aber nicht gelten lassen: "Wir haben ja keinen Plattenbau hier, sondern verarbeiten ganze Module. Wenn man so will, ist es vielleicht der Plattenbau 2.0. Aber eben in anderen Formen."

Premiere für Leipzig: erste Modulbau-Häuser entstehen in Gohlis

Stein für Stein erinnert es etwas an das bekannte Lego-Prinzip. Im Leipziger Norden entstehen Wohnungen, die aus fertigen Modulen zusammengesetzt werden.

Ein Schwerlasttransport kommt an der Baustelle in Gohlis an.
Timing ist alles - wenn die Transporter mit den Modulen ankommen, müssen sie innerhalb kurzer Zeit verbaut werden. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Ein Schwerlasttransport kommt an der Baustelle in Gohlis an.
Timing ist alles - wenn die Transporter mit den Modulen ankommen, müssen sie innerhalb kurzer Zeit verbaut werden. Bildrechte: MDR/Christopher Gaube
Auf einem Schwerlasttransporter kommt ein fertiges Bauteil aus dem Werk in Bayern an.
Über 300 Kilometer legen die fertigen Bauteile zurück. Sie werden aus Bachhausen bei Nürnberg geliefert. Bildrechte: Vonovia SE/Peter Eichler
Ein Modul hängt am Kran und wird auf der Baustelle verbaut.
Dadurch, dass die Wohnmodule fertig auf der Baustelle ankommen, gibt es kaum Lärm. Bildrechte: Vonovia SE/Peter Eichler
Ein Fertigmodul hängt am Kranhaken und schwebt über der Baustelle.
Acht bis zehn Wohnungmodule kommen am Tag auf der Baustelle an. Jedes davon wiegt bis zu 25 Tonnen. Bildrechte: Vonovia SE/Peter Eichler
Mithilfe eines Kranes werden wird ein Fertigmodul auf der Baustelle eingesetzt.
Ein Bauarbeiter weist den Kranführer ein. Das Einsetzen der Fertigmodule erfordert hohe Konzentration. Bildrechte: Vonovia SE/Peter Eichler
Bauarbeiter setzen ein Fertigmodul für Wohnhäuser ein.
Kabel und Leitungen sind in den einzelnen Modulen bereits installiert und müssen bei der Montage vor Ort noch angeschlossen werden. Bildrechte: Vonovia SE/Peter Eichler
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Modulbau ermögliche günstigere Mieten

Eine Gemeinsamkeit haben der konventionelle Plattenbau und der moderne Modulbau allerdings: Es geht darum, möglichst günstig Wohnraum zu schaffen. Am Ende sei der Mietpreis ein, wenn nicht sogar der entscheidende Faktor, erklärt Vonovia-Bereichsleiter Berott in einem bereits zusammengesetzten Eingangsbereich.

"Wissen Sie, wir haben aktuell die große Herausforderung, dass wir steigende Grundstückspreise und zunehmende Baukosten haben", sagt Berott. "Der normale Neubau-Mietpreis liegt in Leipzig aktuell zwischen 10,50 und 14 Euro." Mit der Modulbauweise könne man Wohnungen für einen Mietpreis von neun Euro je Quadratmeter anbieten. Rund die Hälfte der Wohnungen werden zudem Sozialwohnungen zum Preis von 6,50 Euro je Quadratmeter.

Kaufen statt mieten - Tiny Houses als moderne Wohnform

Wohnraum ist auch das Geschäft von Philipp Siegel aus Annaberg-Buchholz. Mit seinem Unternehmen verfolgt er jedoch einen ganz anderen Ansatz. "Wir bauen so genannte Tiny Houses, also kleine und vor allem mobile Häuser", erklärt der Erzgebirger im Gespräch mit MDR SACHSEN. Untergrund für die kleinen Häuser ist eine sogenannte Wechselbrücke, die man auch von Containern kennt. So kann das Tiny House auf vier Stützen stehen, aber auch einfach von einem Lkw aufgeladen und an einen anderen Ort transportiert werden.

Ein Tiny House aus Holz, hinter einer Menge großer Grünpflanzen.
Die Firma von Philipp Siegel aus Annaberg-Buchholz legt großen Wert auf natürliche Baumaterialien. Bildrechte: Philipp Siegel

"Wir haben verschiedene Kunden", erklärt Siegel. "Vom Architekten, der für seine Projekte von Großstadt zu Großstadt zieht, bis hin zu Studenten, die ihre Miete nicht fünf Jahre lang umsonst bezahlen wollen." Das Geld würden sie dann lieber in ein transportablen Heim stecken, welches sie nach ihrem Studium einfach mitnehmen können.

Unabhängiges Wohnen als Zukunftsmodell

Eine voll eingerichtete Küche im Inneren eines Tiny Houses.
Bildrechte: Philipp Siegel

Ob Tiny Houses ein Wohnmodell der Zukunft sind? Philipp Siegel glaubt daran. Vor allem sei es etwas für jene, die den Städten entfliehen wollen. "Ich glaube auch nicht daran, dass die Mieten in den kommenden Jahren fallen. Außerdem gibt es viele Menschen, die sich von großen Strukturen verabschieden wollen und sich ein kleines Häuschen wünschen, welches sie mit einem Ofen unabhängig von der Stromversorgung warm bekommen."

In seiner Werkstatt im Erzgebirge entstehen im Jahr bis zu vier mobile Häuser, die zum großen Teil aus natürlichen Materialien bestehen. Dafür arbeitet der junge Unternehmer mit Handwerkern aus der Region zusammen. Kostenpunkt für ein Haus inklusive Einrichtung liegt bei etwa 50.000 Euro.

Quelle: MDR/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.10.2019 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

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