Millioneninvestition an der A4 in Kodersdorf Airbus-Zulieferer kurz vor dem Probebetrieb

Vor knapp einem Jahr haben die Elbe Flugzeugwerke Dresden in Kodersdorf bei Görlitz den ersten Spatenstich für ihre neue Tochterfirma Aircraft Composites Sachsen – kurz acosa – gesetzt. Jetzt stehen die Bauarbeiten kurz vor dem Abschluss. Ende März soll der Probebetrieb starten.

Ein Betriebsgebäude von außen
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"Erstmusterprüfung" nennt acosa-Geschäftsführer Frank Zenker den Probebetrieb. Wie üblich in der Luftfahrt, wird jedes Bauteil, das erstmals in einer Fabrik hergestellt wird, ausgiebig getestet. "Dort werden die Maße der Teile gegen die Bauunterlagen, gegen die Zeichnungen geprüft, die Komplettheit der Platte bestätigt und dass alle Qualitätsstandards eingehalten sind", erklärt Zenker. Wenn das alles stimmt, beginnt Ende Mai die Serienfertigung.

Mitarbeiterzahl soll sich bis Jahresmitte verdoppeln

Aktuell beschäftigt das Unternehmen 65 Mitarbeiter, von denen die meisten noch in den Elbe Flugzeugwerken in Dresden eingearbeitet werden. Bis Mitte dieses Jahres sollen es doppelt soviele Mitarbeiter sein. Über Bewerbermangel kann sich Frank Zenker nicht beklagen. "Wir haben noch eine ganze Reihe von Bewerbungen da, die wir derzeit sichten." Nicht nur aus der Region, sondern auch aus Polen und Tschechien.

Ein Mann steht vor einer ausgestanzten Pressplatte und hält ein Teil davon in der Hand.
acosa-Geschäftsführer Frank Zenker Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Die Entlohnung der Mitarbeiter erfolgt ortsüblich. Die acosa ist nicht tarifgebunden. Die Lohnkosten für so einen Fertigungsstandort spielen heutzutage bei einer Neuansiedlung eine entscheidende Rolle. Und deswegen sind wir auch in Kodersdorf angekommen und ordnen es hier dann von den Verdienstmöglichkeiten ein.

Frank Zenker Geschäftsführer der acosa Aircraft Composites Sachsen GmbH

Acosa wird in Kodersdorf exklusiv Fußbodenplatten und Frachtraumverkleidungen in Leichtbauweise für den Flugzeugbauer Airbus herstellen. Die Teile liefert die Firma per Lkw direkt an die Endmontage von Airbus nach Hamburg. "Was in Kodersdorf produziert wird, geht sofort an Airbus", sagt der Geschäftsführer der Elbe Flugzeugwerke, Andreas Sperl.  Das heißt, wenn die Kodersdorfer nicht pünktlich liefern, stehen in der Endmontage bei Airbus die Bänder still.

Kodersdorf als zweiten Standort etablieren

45 Millionen Euro werden die Elbe Flugzeugwerke Dresden in ihr neues Tochterunternehmen an der A4 investieren. Airbus habe in den vergangenen Jahren die Produktionsraten erhöht und werde weiter wachsen. "Diese Erhöhungen erfordern von uns, dass wir weitere Investitionen tätigen. Und wir wollen das alles nicht nur an einem Standort (Dresden – Anm.d.Red.) konzentrieren, sondern wir wollen einen zweiten Standort etablieren, um flexibler zu sein. Wir haben jetzt in Kodersdorf vor, dass wir dieses Wachstum, was in den nächsten Jahren von Airbus kommen wird, hier realisieren können", sagt Andreas Sperl.

Porträtbild eines Mannes mit Brille.  Geschäftsführer der Elbe Flugzeugwerke Dresden GmbH Andreas Sperl
Andreas Sperl Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Wir haben uns für Kodersdorf aus drei Gründen entschieden: Einmal, weil wir mit unserem Unternehmen schon gute Erfahrungen in Kodersdorf gemacht haben, wir hochqualifizierte Mitarbeiter dort haben. Das Zweite ist, dass die logistische Anbindung von Kodersdorf dicht an der Autobahn sehr günstig für uns ist. Und das Dritte ist, dass wir hier von den örtlichen Behörden sehr viel Unterstützung bei unserem Vorhaben bekommen haben.

Andreas Sperl Geschäftsführer Elbe Flugzeugwerke Dresden GmbH

Bis zum Jahresende 2018 wird das neue Werk zu etwa 70 Prozent ausgelastet sein. Die noch freien Flächen sind bereits für die Erweiterung geplant. Da Airbus nicht mehr der Hauptgesellschafter der Elbe Flugzeugwerke ist, kann sich Firmenchef Andreas Sperl für die Zukunft sogar vorstellen, die in Kodersdorf und Dresden produzierten Platten auch an andere Flugzeughersteller wie Boeing zu liefern.

Elbe Flugzeugwerke unterstützen Landkreis Görlitz

Die Elbe Flugzeugwerke engagieren sich nicht nur in Kodersdorf, sondern auch am Flugplatz in Rothenburg. "Wir unterstützen aktiv den Landkreis Görlitz bei der Entwicklung eines Konzeptes, wo Flugzeugkomponenten ausgebaut und gewartet werden könnten", erklärt Andreas Sperl. Die Flugzeugwerke selbst werden in Rothenburg nicht investieren. "Aber wir haben gute Beziehungen in der Branche und kennen auch eine ganze Reihe von Unternehmen, die interessiert sind und die wir auch unterstützen."

Zwei Männer schrauben Teile einer Maschine zusammen.
Ronald Faltin (l.) ist seit einem halben Jahr bei der acosa beschäftigt. Zusammen mit drei Kollegen baut der CNC-Fachmann zurzeit die Ständer auf, auf denen später die Bildschirme für die Maschinen aufgehängt werden. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Der Bedarf an Plätzen, wo Flugzeuge geparkt und gewartet werden können, sei da und steige mit zunehmenden Flugverkehr. Sperl ist zuversichtlich, dass der Landkreis da eine gute Lösung findet - zumal die Start- und Landebahn in einem sehr guten Zustand und groß genug ist, um sogar einen Airbus 380 aufzunehmen.

Quelle: MDR/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.01.2018 | ab 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen
MDR SACHSENSPIEGEL | 25.01.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2018, 09:08 Uhr

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1 Kommentar

26.01.2018 12:54 M. Jacob 1

Und meine Bewerbung liegt ebenfalls dort vor. Eine Rückmeldunng ist bis heute ausgeblieben, obwohl ich mich mehrfach beworben habe. Liebe Verantwortliche von acosa, ich wäre sehr gerne als Mitarbeiter auch dabei, zumal auch meine Familie in Kodersdorf wohnt.