Pflege Altenheim Bischofswerda
Das Altenheim "Zur Heimat" in Bischofswerda versucht seinem Namen gerecht zu werden. Alles soll möglichst familiär ablaufen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Altenpflegeheim "Zur Heimat" in Bischofswerda Stationäre Pflege in Sachsen: Abschiedsrituale zu Ehren der Verstorbenen

Wenn es zu Hause nicht mehr geht, steht der letzte Umzug in die stationäre Pflege an. Die Zeit im Altenpflegeheim ist mitunter kurz. Der Umgang mit dem Tod ist für das Heim "Zur Heimat" in Sachsen deshalb sehr wichtig.

von Madeleine Arndt

Pflege Altenheim Bischofswerda
Das Altenheim "Zur Heimat" in Bischofswerda versucht seinem Namen gerecht zu werden. Alles soll möglichst familiär ablaufen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Im Eingangsbereich stehen auf einer himmelblauen Ofenbank vier gerahmte Fotos. Sie zeigen die Porträts der kürzlich Verstorbenen. "Natürlich ist das Heim in der Kette der Versorgung das letzte Glied", sagt Robert Geburek, Leiter des Bischofswerdaer Altenpflegeheims "Zur Heimat". Hier kümmern sich fast 60 Mitarbeiter - Altenpfleger, Pflegekräfte, Köche, Hausmeister, um 62 Senioren ihren Lebensabend so angenehm wie möglich zu gestalten.

Den Alten ein Zuhause bieten

Das Haus "Zur Heimat", das sich in Trägerschaft der Bautzener Diakonie befindet, verfolgt ein familiäres Konzept. "Wir wollen ein Zuhause für die Alten sein", betont Geburek. Beispielsweise essen die Mitarbeiter und Rentner gemeinsam im Speisesaal zu Mittag. Gekocht wird direkt im Haus und eine Küchenkommission der Bewohner entscheidet mit über den Essensplan.

Pflege Altenheim Bischofswerda
Elfriede Gerhardt lebt seit fünf Jahren im Altenheim. Robin Stachowski hilft der 95-Jährigen am Kaffeetisch. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Zudem gibt es keine separierte Dementenstation, sondern die Wohnbereiche sind durchmischt. Bei den Freizeitangeboten versucht man den Wünschen gerecht zu werden. Im Andachtsraum unter dem Dach stehen die Instrumente des Chors. Im Erdgeschoss hoppelt ein Kaninchen durch den Käfig, eine Etage höher zwitschert ein Wellensittich im Vogelbauer.

Männerwerkstatt eingerichtet

Außerdem ist das Altenpflegeheim eine Kooperation mit der Oberschule im Ort eingegangen. Die Schüler kommen regelmäßig montags, singen mit den Rentnern, unterhalten sich und gehen mit ihnen spazieren, berichtet der Heimleiter. Weil mit der Nachkriegsgeneration mehr Männer in die stationäre Pflege kommen, wurde für die alten Herren sogar ein Werkstatthaus gebaut, in dem sie sägen und hämmern können. Für die Weihnachtszeit entstand hier ein Schwibbogen und eine Pyramide. Manch Bewohner sei hier noch mal richtig aufgeblüht, so Geburek.

Das Sterben gehört dazu

Dennoch wird der Tod nicht ignoriert. Auch wenn der letzte Lebensabschnitt im Altenpflegeheim von 25 Jahren bis nur drei Monaten sehr unterschiedlich lang verläuft. "Das Sterben gehört dazu", betont der Heimleiter. "Bei uns beginnt der Umgang mit dem Tod schon beim Einzugsgespräch." Bereits da wird geklärt: Wie möchte man verabschiedet werden? Welche Kleidung möchte man auf dem letzten Weg tragen?

Die Verabschiedung gehört zum Gemeinschaftsleben dazu.

Weiterhin schaut einmal wöchentlich eine Mitarbeiterin des ambulanten Hospizdienstes in der Einrichtung vorbei. Sie berät und begleitet Schwerstkranke und Sterbende, hilft deren Angehörigen beim Abschiednehmen. Ist es bei einem der alten Menschen soweit, dann werden die Schritte der Pfleger leiser, wenn sie sein Zimmer betreten.

Pflege Altenheim Bischofswerda
Robert Geburek steht im Andachtsraum. Hier werden an Wochenenden Gottesdienste abgehalten. Hier trifft sich aber auch der Chor. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Die Mitarbeiter schauen öfter rein. Auf Wunsch kocht die Küchenleiterin ein besonderes Gericht. Wer keine Verwandten hat, kann durch Ehrenamtliche des Hospizdienstes in den letzten Stunden begleitet werden, die zu Sitzwachen kommen. "Die Versorgung eines Sterbenden ist ein sehr individueller und intensiver Prozess", erklärt der Wohnbereichsleiter Robin Stachowski.

Aussegnung als besonderes Ritual

Wenn ein Bewohner verstorben ist, erhält sein Bild einen Ehrenplatz auf der blauen Kachelofenbank. Als Besonderheit findet nach dem Tod die "Aussegnung" des Menschen statt - ein spezielles Ritual. Der Verstorbene wird dafür in einem mit Kerzen beleuchteten Raum aufgebahrt und in Anwesenheit der Angehörigen und Heimbewohner feierlich verabschiedet. Die Aussegnung hält ehrenamtlich der frühere Heimleiter und Diakon Roland Mohring.

Gedächtniscafé für den Verstorbenen

In den darauffolgenden Wochen wird noch zu einem Gedächtniscafé zu Ehren des Verstorbenen eingeladen und sich bei Kaffee und Kuchen nochmal zusammen an die Zeit mit ihm erinnert. Eine Mitarbeiterin bereitet dazu eine kleine Biographie vor.

Letzlich muss aber jedes Porträt irgendwann mal den Platz auf der Ofenbank räumen. Für Geburek ist das aber mit keiner Endgültigkeit verbunden. Für ihn als Christ geht es auch nach dem Tod weiter.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 09.03.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2018, 13:11 Uhr

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