06.04.2020 | 15:08 Uhr Amphibien in der Oberlausitz geht es schlecht

Sobald es wärmer wird, marschieren Kröten, Frösche und Co. zu ihren Laichgewässern. Doch sie werden immer weniger. Das stellen vor allem die Helfer fest, die täglich die Auffangzäune kontrollieren. MDR SACHSEN sprach mit Annett Hertweck von der Naturschutzstation "Östliche Oberlausitz".

Frosch
Bildrechte: colourbox

Am Morgen ist es ja noch sehr kalt. Sind überhaupt schon Kröten und Frösche unterwegs?

Momentan sieht es durch die Kälte noch ziemlich mau aus. Die Amphibien brauchen nachts acht Grad aufwärts und zudem Regen. Bei diesen Bedingungen fangen sie an zu laufen. Wenn die Temperaturen niedriger sind und die Feuchtigkeit fehlt, dann fehlen auch die Amphibien.

Waren die in diesem Jahr überhaupt schon welche unterwegs?

Ja, wir hatten bereits ziemlich milde Tage und deshalb mit dem Zaunaufbau bereits Ende Februar angefangen. Da waren schon einige Amphibien in den Auffangeimern.

Rechnen Sie dieses Jahr eher mit vielen oder wenigen Amphibien, die unterwegs sein werden?

Es sieht sehr schlecht aus. Sogar noch schlechter als im vergangenen Jahr - und 2019 war das schlechteste Jahr seit 20 Jahren. Durch die Trockenheit waren viele Gewässer trockengelegt. Dadurch konnten die Amphibien nicht ablaichen beziehungsweise der Laich trocknete aus. Das heißt: wenige Nachkommen in dem Jahr. Und im Grunde sieht es dieses Jahr nicht besser aus. Es ist zu trocken. Es fehlt der Regen.

Straßenschild warnt vor Krötenwanderung
Straßen bedeuten für viele Amphibien den Tod Bildrechte: IMAGO

Wie viele Amphibien sollten normalerweise unterwegs sein?

Zwei Männchen in Balzfärbung und ein Weibchen umklammern sich während der Paarung an der Oberfläche eines Teiches.
Dieses Jahr gibt es besonders wenige Moorfrösche Bildrechte: imago/blickwinkel

Das  kommt natürlich auf den Abschnitt an. Wir haben insgesamt 22 Kilometer Zaun an 20 Stellen aufgebaut. Ich hatte beispielweise vor fünf, sechs, sieben Jahren in Kaschel in einem Fangeimer 350 Amphibien. Jetzt sieht man an der gleichen Stelle bloß noch drei bis vier kläglich am Boden des Eimers liegen. Es geht also um richtig viele Amphibien, die nun nicht mehr da sind. Wir hatten in manchen Jahren 30.000 - 40.000 Amphibien. Und jetzt sind wir bei 5.000, die wir bis jetzt gesammelt haben. Vor allem die Moorfrösche fehlen dieses Jahr. Da ist es richtig dramatisch.

Wie organisieren Sie das derzeit mit den Kontrollen? Sind genügend Leute da?

Wir gewährleisten an jedem Abschnitt die tägliche Kontrolle. Die Helfer müssen früh raus und wirklich jeden Abschnitt ablaufen. Egal, ob es schneit oder regnet. Wir haben auch ein großes Netzwerk an ehrenamtlichen Helfern. In Guttau zum Beispiel hilft ein Rentner-Ehepaar. In Leipgen gibt es eine Mutti mit Kindern, die die freie Zeit am Morgen dazu nutzt, uns zu helfen. Und in Löbau hilft eine ältere Dame. Also wir sind in dieser Hinsicht sehr gut aufgestellt.

Das Interview führte Viola Simank.

Quelle: MDR/leo

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 03.04.2020 | 16:40 Uhr

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